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Thomas Käsbohrer auf seinem Segelboot "Levje".

aktuelles interview  mit Thomas Käsbohrer

„Was ist wirklich wichtig im Leben?“

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Iffeldorf/Penzberg - Thomas Käsbohrer  hat eine fünfmonatige Segelreise unternommen. Ein Buch und  ein Film spiegeln seine Erfahrungen wieder.

54 Jahre alt war der Iffeldorfer Thomas Käsbohrer, als ihm 2014 plötzlich als Geschäftsführer eines Münchener Fachverlags für Computertechnik gekündigt wurde. Er beschloss, einem alten Traum zu folgen: monatelang mit seinem kleinen Segelboot auf dem Mittelmeer unterwegs zu sein. Mit dem Bus fuhr er von München ins slowenische Izola, von dort segelte er fünf Monate auf einer Jahrtausende alten Route über Italien und Griechenland ins südtürkische Antalya. Sein Internet-Blog, für den er schrieb, fotografierte und filmte, war ursprünglich nur für seine Ehefrau gedacht. Inzwischen ist ein Buch und eine DVD über die „Kunst, langsam zu reisen“ daraus geworden: „Einmal München-Antalya, bitte“ – erschienen im kürzlich selbst gegründeten Verlag „millemari“. Kommenden Sonntag, 14. Februar, 11 Uhr, zeigt Käsbohrer seinen Film im Penzberger „KinoP“ – einen „Film über Scheitern und Neuanfang, über die Sehnsucht nach dem Meer und die Suche nach dem, was man ein ,glückliches Leben’ nennen kann“.


„Darf man das? Einfach seinem Traum folgen?“ – diese Frage stellen Sie im Trailer zu Ihrem Film. Was haben Sie alles aufgegeben für Ihren Traum?

Eigentlich ja wenig, nachdem mir abrupt im Job gekündigt worden war. Aber ich lebe in einer der schönsten Landschaften, einem der schönsten Dörfer Deutschlands, 50 Meter von den Osterseen weg. Ich bin glücklich verheiratet, liebe meine Frau, und ich habe gern gearbeitet. Und trotzdem gab’s seit 15 Jahren diesen Traum: einfach für Monate loszusegeln... Die Frage war schon: Kann ich einfach ausscheren aus dem Getriebe, meine Frau so lange allein lassen? Ist das richtig, wenn man das alles gern hat?


Und, war es richtig?

Auf jeden Fall. Wenn man es dann macht, merkt man, wie notwendig das ist: mal aufzubrechen, ganz andere Erfahrungen zu machen. Man wird kein anderer Mensch, aber der Blick auf die Dinge ändert sich: Was ist wirklich wichtig im Leben – und was nicht?


Die Reise war also so traumhaft wie erhofft?

Ja! Der Titel des Buchs über die Reise könnte auch lauten: „Fünf Monate Weihnachten“. So etwas leben zu dürfen, ist ein Geschenk. Ich glaube auch: Wenn man einen solchen Traum hat, muss man ihn leben. Man muss den richtigen Zeitpunkt abwarten – aber wenn es eine Chance gibt, muss man es machen.


Warum wählten Sie genau diese Strecke von München über Slowenien nach Antalya?

Ich bin – für kürzere Reisen – schon in allen möglichen Gegenden der Welt gesegelt, aber das Mittelmeer fand ich doch immer am interessantesten. Wohl auch, weil ich gelernter Historiker bin: Man stößt dort praktisch an jeder Küste auf antike Tonscherben, auf historische Spuren, man ist mitten in der Geschichte drin.


Wollten Sie von vornherein alleine segeln?

Ja, meine Frau ist glücklich in ihrem Beruf. Und ich bin auch gerne allein, ich liebe das Alleinsegeln sehr. Klar muss man überlegen, ob und wie das in einer Ehe geht. Wir haben da wohl eine sehr reife Partnerschaft.


Hat Ihnen das Alleinsein auf dieser Reise, auf dem Meer, nie zu schaffen gemacht?

Nein, überhaupt nicht. Am und im Meer erzählt einem alles so viel...Mir ist manchmal eher bang vor dem Land.


Was haben Sie gelernt zwischen München und Antalya?

Dass das Leben trägt. So ein Boot ist ja was Fragiles, man weiß nicht, ob es wirklich so dicht ist, und man weiß nie, was auf dem Meer los ist. Ich hatte 15 Jahre von dieser Reise geträumt und ebenso lange darauf gespart. Aber die Erfahrung dieser Reise war: Was trägt, ist etwas anderes – das Leben selbst.


Was wird Ihr nächstes Reiseprojekt sein?

Ach, das sind so viele, ich hab’ da so schrecklich viel im Kopf... Ab April will ich erstmal Sizilien umsegeln. Dann muss das nächste Buch fertig werden, das auch mit meinen Reisen zu tun hat: „Die vergessenen Inseln“ – eine Geschichte der Welt, erzählt anhand von 55 Inseln. Und dann möchte ich ein Venedigbuch machen: Venedig vom Wasser aus gesehen. Und es wird darin nicht nur um die Geschichte Venedigs gehen, sondern auch um die Frage: Was hat das mit uns zu tun?


Film und Buch

sind erschienen im Iffeldorfer „millemari“-Verlag (das 320-seitige Buch für 24.95 Euro, die 60-minütige DVD für 24,99 Euro), Info im Internet unter www.millemari.de. Die Filmvorführung im Penzberger „KinoP“ beginnt kommenden Sonntag, 14. Februar, um 11 Uhr (mit Weißwurstfrühstück ab 10 Uhr). Reservierung: Telefon 08856/ 8020 882. Außerdem ist der Film am Sonntag, 21. Februar, im Murnauer „Kino im Griesbräu“ (10.30 Uhr, Info: Tel. 08841/5175) und im „KurTheater“ Tutzing (13 Uhr, Info: 08158/6380) zu sehen.

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