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Im Gespräch: Drei ehemalige Bigband-Saxofonisten, die (fast) von Anfang an mitspielten – die heutige Hautärztin Dr. Andrea Wenderoth, der Musiker und Schuhverkäufer Stefan „Hannes“ Schindler und die Grundschullehrerin (mit Schwerpunkt Musik) Tina Kuhar.

30 Jahre Bigband des Gymnasiums Weilheim

„Ein Aushängeschild für Schule und Stadt“

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Weilheim - Was, schon 30 Jahre...? Vor dem "Jubiläumskonzert" der Weilheimer Bigband am 5. März erinnern sich drei frühere  Mitglieder an Momente, die sie fürs Leben prägten. 

So viel Swing hat kaum eine andere Schule in Deutschland: Seit 30 Jahren gibt es die Bigband des Gymnasiums Weilheim, mittlerweile sind es sogar drei Bigbands. Und die sorgen bayernweit für Furore: Oft wurden sie bei „Jugend jazzt“ ausgezeichnet und für große Ereignisse gebucht; seit Jahren holt sich das Landesjugendjazzorchester Nachwuchs aus Weilheim; und einige fanden über die Bigband in die Profiriege des Jazz. Wie sie die Bigband einst erlebten und heute sehen, das berichten im „Tagblatt“-Gespräch vor dem großen „Jubiläumskonzert“ (am 5. März, Stadthalle) drei Mitglieder der ersten Stunde – deren Kinder heute zum Teil in der Bigband spielen.

Was wäre anders in Ihrem Leben, wenn es die Bigband nicht gegeben hätte?

Dr. Andrea Wenderoth: Wir drei würden uns vielleicht gar nicht kennen...

Stefan Schindler: ...und ich hätte zu Schulzeiten deutlich weniger Spaß gehabt.

Tina Kuhar: Ich hätte insgesamt sicher viel weniger in Ensembles gespielt, auch hinterher. Ich hab’ erst Querflöte gelernt und hätte ohne Bigband wahrscheinlich nicht mit Saxofon angefangen.

Was haben Sie in der Bigband gelernt?

Schindler: Auf jeden Fall Musik- und Rhythmusgefühl, aber auch Kollegialität. Wenn ich heute mit Bigband-Leuten, auch aus späteren Generationen, zusammenspiele, „fatzt“ es sofort, und es ist immer lustig. Man hat die gleiche musikalische Wellenlänge...

Kuhar: ...und oft auch den gleichen Humor. Mit etwas Abstand ist mir übrigens aufgefallen, was für ein Super-Pädagoge der Arthur (Bigband- Leiter Arthur Lehmann, Anm. d. Red.) war und ist. Er weiß diesen Pubertäts-Haufen unglaublich zu begeistern...

Wenderoth: ...und auch zu führen – aber auf eine Art und Weise, dass sich keiner gegängelt fühlt. Ich bewundere auch, dass er sich diese Begeisterung über so lange Zeit erhalten hat. Wo man doch in einer Schulband immer wieder neu anfängt.

Was waren Highlights Ihrer „Bigband- Karriere“?

Wenderoth: Un- ser Auftritt im Münchener Olympiastadion beim Länderspiel Deutschland-England...

Schindler: ...wir durften davor die Nationalhymnen spielen.

Kuhar: Wie da auf einen Schlag alle aufgestanden sind, das war Wahnsinn!

Schindler: Highlights waren auch immer die Probewochenenden in Marktoberdorf.

Gab’s auch mal Nerviges? Unangenehmen Druck, Konkurrenzdenken oder so was?

Kuhar: Druck? Nein, gar nicht. Mich hat’s auch nie gestört, wenn ich Stoff nachholen musste, weil wegen der Bigband Unterricht ausfiel. Und bezüglich Konkurrenz erinnere ich mich nur, dass sich zwei Schlagzeuger mal gegenseitig überboten mit Ausrüstung und Soli. Aber auch das war eigentlich nicht negativ, die haben sich eher gepusht.

Muss man eigentlich Jazz mögen, um in der Bigband zu spielen?

Schindler: Anfänglich nicht. Aber irgendwann hört man’s automatisch gern.

Wenderoth: Man hört sich ein, auch in kompliziertere Sachen.

Kuhar: Bigbandjazz finde ich super, manche eher funkige oder rockige Ensembles auch. Aber so anstrengenden Jazz höre ich nicht...

Schindler: Ich mag auch das, man kann sich da einhören und das entspannend finden.

Heute spielen teilweise Ihre Kinder in der Gymnasiums-Bigband. Haben Sie dafür geworben, oder wie kam das?

Schindler: Ich hab’ das überhaupt nicht forciert. Aber nach einem Konzert der PG-Bigband(ein Ehemaligen-Ensemble, Anm. d. Red.),  bei dem ich mitgespielt habe, wollte Lars unbedingt Klarinette und Saxofon lernen.

Wenderoth: Mein Großer hatte Trompetenunterricht bei Arthur, da hat es sich automatisch ergeben. Krass ist es zurzeit bei meiner Tochter: Die hätte am liebsten ständig Bigband...

Welche Bedeutung hat die Bigband Ihrer Meinung nach fürs Gymnasium – und für die Stadt Weilheim?

Schindler: Sie ist ein Aushängeschild, für die Schule wie für die Stadt. Man muss sehen, was in diesen 30 Jahren gewachsen ist: Jetzt sind es schon drei Bigbands, viele Ensembles haben sich daraus entwickelt, und viele Musiker wurden sogar Profis.

Kuhar: Es ist auch eine tolle Vernetzung in Sachen „Musik“ entstanden.

Wenderoth: Und ich finde es toll, wenn man sein Kind am ersten Schultag in der 5. Klasse begleitet, und dann spielt da auf dem Gymnasiums-Schulhof die Bigband auf. Klasse, wenn eine Schule so was hat!

Das Gespräch führte Magnus Reitinger

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