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Intensives Klavierspiel im Kerzenlicht: der israelische Pianist und Wahl-Berliner Itay Dvori in Penzberg. 

„jazz-zeche“ penzberg  

Ganz im Moment

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Penzberg - Der Komponist und Pianist Itay Dvori ließ beim Konzert in der Grundschul-Aula Geplantes auf Spontanes treffen.

 Wirklich Jazz gebe es diesmal nicht, betonte „Jazz-Zeche“-Chef Thomas Grubert zur Begrüßung. Aber ob man das nun „Jazz“, „Klassik“ oder auch „Neue Musik“ nennen mochte, was der israelische Pianist und Komponist Itay Dvori am Samstagabend in der Aula der Penzberger Bürgermeister-Prandl-Grundschule bot, das war schnell ganz egal: Sein Solo faszinierte jenseits aller Schubladen.

Im Programm „yam yabasha“ (hebräisch für „Meer und Land“) ließ Dvori Geplantes auf Spontanes, Altes auf Neues, Bilder auf Musik treffen – so wie das beliebte israelische Kinderspiel gleichen Namens den Wechsel von Wasser und Erde, Flüssigem und Festem symbolisiert. Selbst, was der Solist „eigentlich durchkomponiert“ hatte – etwa sein Klavierstück „In-Tension“ aus dem Jahr 2013 – hat er in Penzberg „improvisierend interpretiert“. Denn seine Konzerte, so Dvori, sollen Erlebnisse sein, die „in dem Raum und im Moment“ entstehen und „deshalb immer einzigartig bleiben“.

Tatsächlich war einzigartig, wie der Wahl-Berliner expressive Klänge von Yehezkel Braun (1922-2014) und Erkki-Sven Tüür (Jahrgang 1959) ineinander übergehen ließ – und gleich danach in einer mitreißenden Improvisation über Teile des „Wohltemperierten Klaviers“ wohlbekannte Bach-Melodik aufblitzte.

Dvori nutzte das Konzert vor leider nur rund 50 Zuhörern auch für eine Vorpremiere: In Zusammenarbeit mit dem Avant-Verlag vertonte er kurze Comic-Romane, so genannte Graphic Novels, und bot zwei Beispiele davon in Penzberg – ehe im April Premiere in Berlin ist. Erstaunlich, wie rasch Schauen und Lesen (die Comics wurden eingeblendet) dabei über das Hören siegten, das Klavierspiel plötzlich nurmehr Begleitung zu nur teilweise überzeugenden Geschichten war.

Dennoch packte auch dieser Teil des Konzerts – noch mehr aber die heftig erklatschte Zugabe: Dvoris großartige Improvisation über das Adventslied „Tochter Zion“.

Nächstes Konzert

der „Jazz-Zeche“ Penzberg: Pianist Benedikt Jahnel mit Bassist Henning Sieverts und Schlagzeuger Jonas Burgwinkel („Trio BerlinKölnMünchen“) am Freitag, 19. Februar, 20 Uhr, in der Aula der Grundschule an der Südstraße. Karten: Buchhandlung Rolles, Tel. 08856/4344.

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