1860 trauert um „Atom-Otto“

1860 trauert um „Atom-Otto“
Ihre gemeinsame CD ist ein Riesenspaß: die „Döblingers“ Josef Parzefall (l.) und Richard Oehmann (r.) mit Josef Hader. fkn

Der Kasperl muss ein Weilheimer sein

Weilhiem - Im neuen Hörspiel von „Doctor Döblinger“ spricht Schauspieler Josef Hader einen Einzelhändler namens „Koppelhuber“

Die Heimatstadt des Kasperls heißt „Hinterwieselharing“, nicht „Weilheim“. Das sieht man ja schon daran, dass dort die „Gschwoab“ und nicht etwa die Ammer an der „Bürgermeisterklingshirnhalle“ vorbeifließt. Andererseits: Dass einer der beiden Köpfe von „Doctor Döblingers geschmackvollem Kasperltheater“ in Weilheim aufgewachsen ist und diese Prägung im lebenslangen, höchst hintersinnigen Herumkasperln verarbeitet, das können Art- und Zeitgenossen nicht überhören und übersehen. Der Hinterwieselharinger Ortsplan, welcher der neuen, mittlerweile zwölften Döblinger-Hörspiel-CD, „Kasperl und die Tasse des Bösen“, beiliegt, verzeichnet nicht zufällig einen „Wohnblock Paradeis“ nahe der „Gschwoab“. Und das Stadtmuseum der „Weltkleinstadt mit Herz“ ist mit nur fünf Worten so subversiv wie fein beschrieben: „Soll innen total lehrreich sein.“

Doch die schönste Huldigung an seine alte Heimat gelang Kasperl-Sprecher Richard Oehmann im neuen Stück - das er wie immer mit dem anderen Döblinger-Kopf, dem gebürtigen Straubinger Josef Parzefall, geschrieben, inszeniert und aufgenommen hat - mit dem Laden, um den sich in dem Hörspiel alles dreht: Es ist ein Traditionsgeschäft, in dem es alles, wirklich alles gibt. „Koppelhuber“ heißt es.

Gesprochen wird der Einzelhändler von keinem Geringeren als dem österreichischen Schauspieler und Kabarett-Star Josef Hader. „Döblinger“ hat mit dieser Gaststimme - nach Kollegen wie Luise Kinseher, Fredl Fesl und Axel Milberg auf früheren CDs - einen Coup gelandet. Hader spricht den Händler so lebensecht, dass man ihm seinen blauen Kittel geradezu anhört. Man sollte die Rolle „Koppelhuber“ in Haders Vita künftig gleich nach dem Detektiv „Brenner“ aus den legendären Verfilmungen der Wolf-Haas-Krimis nennen.

Als Koppelhuber führt Hader so fantastische Dinge wie einen „Sperenzinger“ für den schrulligen Heimatforscher, einen „Strigulator“ für Prinzessin Heikes Lillipferd und das „ganz spezielle Zeug“ „Bullistol“, dank dem Wachtmeister Wirsings Schlagstock nicht mehr quietscht. Nur eines hat der „Besitzer sämtlicher Artikel“ nicht mehr: blaue Weckgummis, die Kasperl für seine Steinschleuder braucht - und um aus Seppl einen echten Lausbuben zu machen. Koppelhuber kriegt die Krise (die in einen herrlichen Blues mündet) und schließt. Was sogar eine Wutbürger-Demo in Hinterwieselharing provoziert.

Was noch alles passiert in diesem höchst vergnüglichen Stück, das kann man nicht beschreiben, das muss man hören. Mit Hader hat „Döblinger“ jedenfalls einen kongenialen Partner gefunden - und ein Meisterwerk vorgelegt.

Die CD „Kasperl und die Tasse des Bösen“ ist erhältlich im Buchhandel oder unter www.dr-doeblingers-kasperltheater.de.

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