Max Wagner nahm erstmals öffentlich zum Zerwürfnis mit der Kirchenstiftung Stellung. ps

Im Kinderhort "nicht richtig gewirtschaftet"

Raisting - Träger des Kinderhortes in Raisting ist bald statt der Kirchenstiftung St. Raphael die Gemeinde. Die Neuerung sorgt für Zwist im Dorf. Nun äußerte sich Bürgermeister Max Wagner.

Die Entscheidung der Gemeinde Raisting, die Trägerschaft für den Kinderhort ab Herbst selbst zu übernehmen, hat im Dorf für Ärger gesorgt. Es gab viel Kritik aus Reihen der Kirchenstiftung St. Raphael, dem bisherigen Träger, und von Eltern. Erster Adressat dieser Kritik war Bürgermeister Max Wagner, der sich bislang mit Äußerungen zurückgehalten hat. Im Interview spricht Wagner nun erstmals über die tatsächlichen Gründe für das Zerwürfnis zwischen Gemeinderat und Bürgermeister auf der einen und kirchlichem Träger auf der anderen Seite.

- Herr Wagner, erklären Sie bitte, wie die Betreuung von Klein- und Kindergartenkindern im Dorf geregelt ist.

Bei uns gibt es drei Tageseinrichtungen, einen Kindergarten in Trägerschaft der AWO mit angegliederter Krippe, dann zwei kirchliche Kindergärten, eine Gruppe mit fünf Kindern in der Alten Schule und den Kindergarten St. Raphael mit über 50 Kindern in zwei Gruppen. Zudem gibt es eine Schulkinderbetreuung, die vom Kindergarten St. Raphael geführt wird. Ab dem neuen Schuljahr eröffnet die Gemeinde einen Hort im Schulhaus.

-Diese Hort-Übernahme läuft gegen den Protest vieler Eltern und Betroffener - warum?

Weil viele Eltern fürchten, wir könnten nicht die gleichen Betreuungszeiten anbieten. Das stimmt nicht. Nach der Auflösung des Schulverbandes mit Pähl wollen wir unseren Kindern die gleichen Bildungsmöglichkeiten bieten wie in Ganztagesklassen an größeren Schulen. Und dazu brauche ich einen Kinderhort mit hoher Qualität. Dort unterrichten dann auch externe Lehrkräfte, zum Beispiel in Umweltkunde oder Musik.

-Ist das wirklich der einzige Grund für die Hortübernahme?

Nicht ganz. Wir sind ja auch Sachaufwandsträger in der Schule, und deshalb ist es versicherungstechnisch von Vorteil, wenn wir auch die Trägerschaft für den Hort übernehmen, der ja in der Schule untergebracht sein wird. Das sieht der Rektor genauso.

-Ist das wirklich alles oder gibt es nicht noch weitere Gründe?

Nun ja, unser kirchlicher Träger, die Kirchenstiftung St. Raphael, ist bei zahlreichen Gesprächen nicht auf unsere Forderungen eingegangen, wie wir uns die künftige Betreuung vorstellen. Außerdem würde es räumlich auch gar nicht gehen, die Hortkinder in St. Raphael unterzubringen. Für insgesamt 84 Kindern ist da kein Platz. Die Lösung in der Alten Schule war von Anfang an nur für ein Jahr gedacht. Noch etwas: Wir als Gemeinde haben über die Jahre keine gute Zusammenarbeit mit unserem kirchlichen Partner gehabt. Ich baue doch dann nichts Neues genau mit diesem Partner auf.

-Können Sie Letzteres näher erklären?

Ja. Der Gemeinderat und ich sind der Meinung, dass 120 Betreuungsstunden für den Kinderhort pro Woche maßlos übertrieben sind. Wir von der Gemeinde werden das wesentlich günstiger machen. Ich denke, wir kommen mit 65 bis 70 Betreuungsstunden aus, ohne dass die Qualität darunter leidet. Außerdem haben wir die Möglichkeit, eine erfahrene Sozialpädagogin als Leiterin zu gewinnen. Mit ihr wollen wir die hohe Qualität des Hortes aufbauen.

-Sie stehen bei dieser Entscheidung wie der Buhmann da. Wieso haben Sie sich mit ihren Äußerungen bisher so zurückgehalten?

Weil Verschiedenes nicht unbedingt erfreulich ist für die Beteiligten.

-Können Sie das konkreter erklären?

Die Zusammenarbeit mit St. Raphael ist - im Gegensatz zur AWO - einfach nicht gut. Zum Beispiel hält sich der kirchliche Träger überhaupt nicht an die Defizitvereinbarung. Es wird nicht richtig gewirtschaftet. Das sieht man schon daran, dass im vergangenen Jahr circa 7500 Euro an Überziehungszinsen auf dem Konto des Trägers angefallen sind. Und entgegen der Defizitvereinbarung hat der Träger eigenmächtig Personal eingestellt und die Öffnungszeiten verlängert. Das waren allein 15 000 Euro Mehrkosten. Das geht einfach nicht, die Gemeinde hätte dem zustimmen müssen. In der Vereinbarung steht klar drin, dass die Gemeinde allen Ausgaben und Änderungen zustimmen muss. Schließlich übernimmt sie ja auch rund 90 Prozent bzw. 100 Prozent des jährlichen Defizits.

-Wie sehr wird die Hortübernahme durch die Gemeinde das Kindergartenpersonal treffen?

Das kann ich nicht genau sagen. Aber wenn die 120 Stunden pro Woche stimmen, die ich, wie gesagt, für maßlos übertrieben halte, dann sind das drei Vollzeitstellen.

-Wie wollen Sie es schaffen, dass wieder Frieden im Dorf einkehrt?

Wir werden mit dem neuen Kinderhort beweisen, dass die Betreuung auf keinen Fall schlechter sein wird. Und mit den Jahren werden wir die Qualität so steigern, dass wir fast den Standard einer Ganztagesschule erreichen. Wenn sich jeder auf seine Aufgabe konzentriert, haben wir eine super Kinderbetreuung im Dorf. Die Kinder sollen im Mittelpunkt stehen und nicht die Eigeninteressen.

-Unter der Hand wird Ihnen auch vorgeworfen, Sie und der Gemeinderat hätten Vorbehalte gegen die katholische Kirche. Was ist da dran?

Gar nichts. Wir haben in den letzten Jahren rund 200 000 Euro für den Kindergarten ausgegeben, den Pfarrheimneubau haben wir mit 230 000 Euro unterstützt, und für die Kirchenrenovierung haben wir einen Zuschuss von 150 000 Euro gezahlt. Der Gemeinderat und ich möchten auf jeden Fall eine harmonische Zusammenarbeit. Aber man muss auch sehen, dass die Entscheidung für den Hort unter Trägerschaft mit 14:1-Stimmen im Gemeinderat gefallen ist. Und der Einzige, der dagegen war, ist meiner Meinung nach befangen. Ich persönlich habe überhaupt nichts gegen die Kirche, ich bin selbst katholisch. Aber mit den Vertretern des Trägers vor Ort können wir momentan wirklich nichts Neues beginnen.

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