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„Happy Welcome“: zwei „Clowns ohne Grenzen“ in der zentralen Aufnahmeeinrichtung für Asylbewerber in Zirndorf.

Kinofilm von Walter Steffen

Willkommen in Deutschland

Seeshaupt - Regisseur Walter Steffen begleitet für seinen Kinofilm „Happy Welcome“ Clowns in Flüchtlingslagern. Im Interview erzählt er übers Projekt.

Mit seinem neuen Dokumentarfilm „Happy Welcome“ will der Seeshaupter Filmemacher Walter Steffen auf die Initiative der „Clowns ohne Grenzen“ aufmerksam machen. Die Künstler besuchen auf ihrer Deutschlandtour acht Erstaufnahmeeinrichtungen, in denen sie vor Flüchtlingen ihr pantomimisches Bühnenstück spielen, um den Menschen auf diese Art zu sagen: „Ihr seid willkommen!“. Steffen begleitet die Tour derzeit mit zwei Drehteams – und berichtet im Interview über das außergewöhnliche Projekt. Der Film wird voraussichtlich ab 19. November bundesweit in den Kinos laufen.

Wie ist es dazu gekommen, dass Sie mit den vier „Clowns ohne Grenzen“ unterwegs sind?

Ich schätze die Arbeit dieser Künstler schon seit einigen Jahren und wollte sie schon viel früher begleiten, bisher hatte es aber nicht geklappt. Im letzten Jahr hab’ ich mitbekommen, dass sie nochmal durch Deutschland touren wollen, weil das Flüchtlingsthema hier noch akuter geworden ist.

Welche Aufnahmestationen besuchen Sie während des Roadtrips?

Die „Bayern-Kaserne“ in München, außerdem die Erstaufnahmeeinrichtungen in Zirndorf, Suhl, Meißen, Sachsen-Anhalt, Nordrhein-Westfalen, Köln und Baden-Württemberg. Wir haben einen sehr straffen Drehplan, denn wir haben nur knapp zwei Wochen Zeit. Aber deshalb drehen wir auch mit zwei Teams.

Wie läuft eine Begegnung der Clowns mit den Asylbewerbern ab?

Walter Steffen, Dokumentarfilmer aus Seeshaupt.

In den Einrichtungen befinden sich viele hundert Flüchtlinge, die nur darauf warten, dass etwas besser wird. Wenn die Künstler anfangen, die Bühne aufzubauen, merken die Flüchtlinge, es passiert etwas. Erst haben viele Angst und sind vorsichtig, aber dann sind sie sehr neugierig und kommen näher. Die Clowns zeigen ein Stück, in dem viele Situationen vorkommen, die die Flüchtlinge kennen. Beispielsweise Hunger zu haben, sich fremd zu fühlen, mit der Kommunikation Schwierigkeiten zu haben. Und die Künstler lösen diese Konflikte in spielerischer Form auf. Das ist sehr berührend, aber auch heiter anzusehen.

Was empfinden Sie persönlich in diesen Momenten?

Es ist sehr bewegend und fühlt sich einfach toll an. Die Asylbewerber wissen nicht, wohin – und in dem Moment, in dem sie die Künstler sehen, gewinnen sie an Hoffnung. Sie können die Clowns verstehen, und man merkt, das alles hat wirklich einen Sinn.

-Das Ziel Ihres Filmprojektes ist es, die Willkommenskultur zu verbessern. Wie gastfreundlich, finden Sie, ist Deutschland?

In meiner Jugendzeit war es gang und gäbe, dass die Tür immer offen steht. Mittlerweile haben wir da ein bisschen was verloren. Ich bin viel gereist und habe festgestellt, dass man beispielsweise in arabischen Ländern sehr gastfreundlich aufgenommen wird. Das hängt wohl leider auch sehr vom Wohlstand eines Landes ab.

Was, hoffen Sie, werden der Kinofilm – und die Zukunft überhaupt – an positiven Effekten bringen?

Ich bin Utopist, ich wünsche mir einfach, dass die Menschheit erkennt, dass die Welt keine Grenzen braucht und die Menschenwürde überall gleich ist. Ich würde mich freuen, wenn das Projekt die Menschen inspiriert und sie sich denken: Es ist einfach, auch selber aktiv zu werden.

Wie finanziert sich das Filmprojekt?

Über private Sponsoren haben wir bereits die Dreharbeiten gesichert, jetzt hoffen wir, dass wir über die Crowdfunding-Seite „startnext.de“ mindestens 12 500 Euro Spenden erhalten, da der Aufwand doch relativ groß ist und auch in der Postproduktion noch einiges an Kosten auf uns zukommen wird. Die Sponsoren erhalten fürs Spenden allerdings auch tolle Prämien als Dankeschön, zum Beispiel signierte Filmplakate oder eine DVD.

Informationen und Fotos

rund um das Projekt und die Künstler gibt es unter www.happywelcome.de. Unter www.startnext.com/happywelcome kann man den Film unterstützen und sich über die Prämien informieren.

-Luca von Prittwitz-  

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