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Iffeldorfer Bürgermeister Hans Lang und die ersten 100 Tage: „Komplett anders als erwartet“

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Von: Wolfgang Schörner

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Im Büro des Iffeldorfer Rathauses: Vor 100 Tagen hat Bürgermeister Hans Lang die Amtsgeschäfte übernommen.
Im Büro des Rathauses: Vor 100 Tagen hat Bürgermeister Hans Lang die Amtsgeschäfte übernommen. © Wolfgang Schörner

Iffeldorf – Seit 100 Tagen ist Hans Lang (SPD) als Iffeldorfer Bürgermeister im Amt. Der 64-Jährige, der bis zu seinem Vorruhestand bei der Telekom gearbeitet hat, war zuvor sechs Jahre Stellvertreter seines Vorgängers Hubert Kroiß (CSU). Redakteur Wolfgang Schörner sprach mit ihm über die 100 Tage.

Herr Lang, 100 Tage sind rum. Hatten Sie schon Zeit zum Verschnaufen?

Bis jetzt nicht wirklich. Aber da geht’s mir wie vielen anderen, das ist völlig in Ordnung. Die Zeit nach dem harten Lockdown und vor den Sommerferien war auch für unsere Verwaltung sehr fordernd.

Wie haben Sie die ersten 100 Tage im Amt erlebt?

Komplett anders, als ich es erwartet habe. Ich habe ja das Amt am 1. Mai mitten im Lockdown übernommen. Hier im Rathaus war Schichtbetrieb, um Ansteckungsrisiken zu reduzieren. Viele Dinge konnten nicht stattfinden, andere waren umständlicher zu organisieren. Wir hätten uns eigentlich auf den Besuch aus der Partnergemeinde Châteaubourg Ende Mai gefreut. Er wurde abgesagt, wie viele andere Veranstaltungen auch. Und jetzt erlebe ich in den letzten Wochen, dass viele Menschen nachholen wollen, was sie zurückgestellt haben. Wir werden richtig bestürmt mit Bauanträgen, Anfragen oder Gesprächsterminen. Der Terminkalender ist voll.

Anders als erwartet, obwohl Sie als langjähriger Vize-Bürgermeister ja Erfahrung haben.

Die Stimmung war anders, die Aufgabenerledigung war umständlicher und ich war ja, wie jeder andere, auch persönlich vom Lockdown betroffen. Das abzuarbeitende Pensum führte zwangsläufig dazu, eine sehr hohe Präsenz im Rathaus zu haben.

Ist es also ein Vorteil, das Bürgermeisteramt als Ruheständler auszuüben?

Ich bin fest davon überzeugt, dass es anders gar nicht geht. Man wird sich irgendwann auch überlegen müssen, ob Iffeldorf einen hauptamtlichen Bürgermeister braucht.

Sie haben einen recht selbstbewussten Gemeinderat. Sind Sie eher Moderator oder Dompteur?

Moderator. Es sind lauter vernünftige Leute im Gemeinderat, die eine eigene Meinung haben. Ich bemühe mich, im Vorfeld die Inhalte der Tagesordnungspunkte zu verinnerlichen, sie im Gemeinderat umfassend zu erklären, und dann lasse ich die Diskussion gern laufen. Ich glaube, dass gute Ergebnisse dann erzielt werden, wenn alle Standpunkte eingebracht werden. Das ist auch eine Sache der Wertschätzung. Darum ist bei uns im Gemeinderat das Klima auch gut.

Sie haben zum Start ihrer Amtszeit gesagt, eigene Akzente setzen zu wollen. Sie nannten Umwelt, Verkehr und Energie. Was schwebt Ihnen da vor?

Wir werden bei Liegenschaften der Gemeinde den Ausbau der Solarenergie verstärken, dort, wo er sich rechnet. Mein Stellvertreter Georg Goldhofer hat sich des Themas angenommen. Er treibt es als Vorsitzender des Ausschusses für Umwelt, Energie und Verkehr voran. Beim Mehrfamilienhaus, das die Gemeinde baut, habe wir uns entschieden, das gesamte Dach für Solarenergie zu nutzen. Wir erreichen damit eine hohe Autarkiequote von 52 Prozent ohne Speicher. Zusätzlich schaffen wir die Vor-aussetzungen, dort später eine Solartankstelle zu installieren. Außerdem wird dem Schutz unseres Naturschutzgebiets, unterstützt vom Tourismusverband, dem Landratsamt und dem WWF, ab Juni 2021 ein deutliches Augenmerk gewidmet.

Zum Thema Verkehr?

Die Probleme sind da sehr vielschichtig. Sie betreffen den ruhenden und fließenden Verkehr. Wir haben natürlich das Verkehrsproblem an den Wochenenden, wenn viele Ausflügler im Dorf sind. Wir haben aber auch wie andere Kommunen das Problem, dass viele Autos auf der Straße parken, weil Grund und Boden immer teurer werden, was dazu führt, dass an manchen Stellen die Müllabfuhr oder Rettungsfahrzeuge nicht mehr durchkommen. Beim fließenden Verkehr haben wir eine sehr hohe Belastung an der Hofmark, der Staltacher und der Kochler Straße. In der September-Sitzung werden wir ein Straßen- und Wegekonzept in Auftrag geben. Wir wollen die Probleme von Profis beleuchten lassen. Darin wird es zum Beispiel um die Schulwegsituation und Parksituation in der Hofmark gehen, um Radwege und innerörtliche Erschließungswege, um die Staltacher Straße, bei der seit vielen Jahren eine Dorfverschönerung im Gespräch ist, oder um die Kochler Straße in Untereurach. Aber auch Anwohnerstraßen werden wir begutachten lassen

Und weitere Prioritäten?

Das Thema Bauen und Wohnen. In unserem Arbeitskreis Wohnen, den es seit etwa zwei Jahren gibt, ist Seniorenwohnen das Schwerpunktthema. Wir wollen uns verschiedene Einrichtungen anschauen, von der kleinen beschaulichen bis zur großen Lösung wie am Tiefentalweg in Seeshaupt. Mal schauen, für was wir hier Beteiligung und Begeisterung schaffen können. Und die gemeindlichen Wohn-Immobilien werden wir kurzfristig auf den Prüfstand stellen.

Das ist eine ganze Menge. Dafür sind doch sechs Jahre Amtszeit zu kurz.

100 Tage sind knapp fünf Prozent der gesamten Amtszeit. So gesehen, sind sechs Jahre wirklich recht kurz.

Sie müssen also weitermachen?

Ja, ich muss praktisch weitermachen (lacht). Im Ernst: Wofür sechs Jahre auf jeden Fall reichen, sind die entscheidenden Weichenstellungen.

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