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Drei Virtuosen, die verzauberten: Klarinettistin Sharon Kam, Pianist Enrico Pace und Cellist Gustav Rivinius (der kurzfristig für Daniel Müller-Schott eingesprungen war) im Bibliotheksaal. 

konzert im bibliotheksaal  

Sternstunde trotz einer Absage

Polling - Eine kurzfristige Absage entpuppte sich als Sternstunde. Am Trio um Sharon Kam kann sich das Pollinger Publikum kaum satthören.

Die erwartungsvolle Stimmung im bestens gefüllten Bibliotheksaal knistert bereits, als Veranstalter Georg Hörtnagel am Dienstagabend das Podium betritt. Er bedauert die extrem kurzfristige Absage des international bekannten Cellisten Daniel Müller-Schott wegen eines Trauerfalls im engsten Familienkreis. Dass der nicht minder renommierte Gustav Rivinius sich bereit erklärt hat, den Kollegen im Trio um Klarinettistin Sharon Kam zu vertreten, muss man ein Geschenk nennen. Dem Pollinger Publikum beschert diese Besetzung eine kammermusikalische Sternstunde.  Da man das Programm weitgehend aus Leckerbissen des gängigen Repertoires zusammengestellt hat, ist keine Änderung nötig. Rivinius und Enrico Pace am weit geöffneten Flügel verzaubern gleich mal mit einem Seelen-Schmankerl Robert Schumanns, seinen drei Fantasiestücken op. 73. In harmonisch schwingender Balance begegnen sich die beiden Musiker, als ob sie seit langem nichts anderes tun, als gemeinsam zu musizieren. Zartes Zurücknehmen, delikate Verzögerungen, weich fließende Bögen prägen die drei Sätze. Rivinius‘ umarmende Haltung gilt nicht nur seinem wunderbaren Instrument, sondern gleichermaßen auch der interpretierten Musik.

Keck und frisch wirft man sich dann zu dritt die Themenbälle von Beethovens viel geliebtem frühem „Gassenhauer-Trio“ op. 11 zu. Mit Klarinettistin Sharon Kam, allerorts bejubelte Ohren- und Augenweide gleichermaßen, musizieren Pace und Rivinius in großartiger Symbiose. Wer von den drei Künstlern den virtuosesten Finger-Galopp absolviert, ist jedenfalls kaum zu entscheiden. Mühelos changiert man zwischen den verschiedenen Stimmungszuständen. Hingegossen zelebriert Rivinius die Eröffnung des Adagio. Pianist Pace malt auf einer riesigen Palette, brilliert, ohne je aufzutrumpfen, bettet seine Partner wie auf Rosen. Da strömt eine solch zaubervolle Wonne aus dem Flügel, man kann sich gar nicht satthören.

Nach der Pause auch diesmal wieder Alban Berg und Johannes Brahms. Wie mit einem Wink von Till Eulenspiegel eröffnet Sharon Kam die vier knappen Miniaturen für Klarinette und Klavier von Berg. Experimentierfreudig, ganz dicht in der Spannung lotetet sie die Welt zwischen melancholischem Klagegesang, noblem Dialog, eruptivem Energieschub und minimalistischem Verlöschen aus.

Das Brahms-Trio op. 114 haben Kam und Rivinius bereits miteinander gespielt. Gemeinsam mit Pace eröffnen sie dem Publikum einen Raum, in dem den Hörer eine so traurige Schönheit angreift, dass er staunt, die Augen schließt, versinkt. Ganz anders als im heiter hellen Beethoven scheinen die Farben hier wie vom silbernen Mondlicht warm überströmt.

Dorothe Fleege

Nächstes Konzert

im Bibliotheksaal Polling: „Mariani Klavierquartett“ am Dienstag, 1. März, 19.30 Uhr. Info/Karten: 0881/686-11, www.hoertnagel.de.

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