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Krankenhaus-Debatte: Aufsichtsrat räumt verklausuliert Großkrankenhaus-Pläne ein

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Von: Sebastian Tauchnitz

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Das Gelände des Schongauer Krankenhauses: Der Aufsichtsrat hat in seiner Anzeige bestätigt, dass Diskussionen darüber laufen, ob hier in Zukunft noch eine stationäre Versorgung angeboten werden soll.
Das Gelände des Schongauer Krankenhauses: Der Aufsichtsrat hat in seiner Anzeige bestätigt, dass Diskussionen darüber laufen, ob hier in Zukunft noch eine stationäre Versorgung angeboten werden soll. © HANS-HELMUT HEROLD

In einer großformatigen Anzeige meldete sich am Samstag der Aufsichtsrat der Krankenhaus Weilheim-Schongau GmbH in der Heimatzeitung zu Wort. Und bestätigte darin nahezu alle Gerüchte, die zur Zukunft der Krankenhäuser im Landkreis seit Wochen kursieren.

Landkreis – Nachdem die Heimatzeitung über die Details aus dem Krankenhaus-Gutachten berichtet hatte, war die Aufregung groß. In Schongau gründete sich eine Bürgerinitiative, die den Erhalt der beiden heutigen Krankenhäuser in Weilheim und Schongau zum Ziel hat.

Aus den Reihen des Kreistags wurde derweil Kritik laut. Michael Deibler (CSU/Peiting) behauptete beispielsweise, es sei nicht wahrheitsgemäß berichtet worden und verwies darauf, man solle doch auf eine Pressemitteilung warten. Diese gab es bis zum heutigen Tag nicht, dafür aber die eingangs erwähnte Anzeige. Diese ist von der Landrätin Andrea Jochner-Weiß, die auch Vorsitzende des Krankenhaus-Aufsichtsrates ist, sowie allen Aufsichtsratsmitgliedern unterschrieben.

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In der Anzeige räumt der Aufsichtsrat ein, dass „aktuelle und langfristig wirkende bundespolitische Auflagen mit unseren heutigen strukturellen Möglichkeiten der Gesundheitsversorgung kaum noch zu erfüllen seien“. Auf gut Deutsch: So wie bisher kann es mit der Krankenhaus GmbH, die auf einen jährlichen Zuschuss von zehn bis 15 Millionen Euro durch den Landkreis angewiesen ist, nicht weitergehen.

Die Schlussfolgerung des Aufsichtsrates: „Wir wollen keine kurzfristigen Entscheidungen, weder jetzt noch in Zukunft, sondern wir wollen echte langfristige Planbarkeit.“ Dabei werden auch die Ziele künftiger Entwicklungen benannt. Man wolle die kommunale Trägerschaft des Landkreises erhalten. Damit wird ein Verkauf an private Krankenhausbetreiber wie beispielsweise Helios oder die Asklepios-Gruppe de facto ausgeschlossen. Man wolle auch weiterhin ein attraktiver Arbeitgeber bleiben, heißt es weiter.

Betont wird, dass man auch in Zukunft von den Bewohnern des Landkreises „als Gesundheitsversorger gut angenommen werden“ und noch stärker mit Kooperationspartnern einer höheren Versorgungsstufe wie dem Uni-Klinikum Rechts der Isar zusammenarbeiten wolle.

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Danach geht es in der Anzeige des Aufsichtsrates ans Eingemachte. Es wird die in den vergangenen Wochen wiederholt geäußerte Kritik aufgegriffen, dass gerade erst hohe zweistellige Millionenbeträge in die Krankenhäuser in Weilheim und Schongau investiert wurden. „Wir haben jetzt die Krankenhäuser modernisiert und wissen aber, dass in spätestens 15 Jahren neue Investitionen in großem Umfang anstehen.“

Damit wäre dann auch der Zeithorizont abgesteckt, den sich die Verantwortlichen gesteckt haben: Entweder man investiert in 15 Jahren wieder immense Beträge in die bestehende, hochdefizitäre Krankenhausstruktur – oder man geht neue Wege.

Wie diese aussehen könnten, wird ebenfalls verraten. Da ist die Rede davon, dass die Standorte Weilheim und Schongau „als moderne Gesundheitsversorger“ weiterentwickelt werden sollen. Was sich auf den ersten Blick so liest, als ob das eine Garantie für die Zukunft der Krankenhausstandorte in Weilheim und Schongau sein könnte, erweist sich bei genauem Hinschauen als das genaue Gegenteil. Denn im nächsten Punkt heißt es: „Bündelung der stationären Gesundheitsversorgung an einem zentralen Standort.“

Indirekte Bestätigung der Großkrankenhaus-Pläne

Was bedeutet das nun ganz konkret? Der Aufsichtsrat bestätigt hiermit das Ziel, ein Großkrankenhaus für den Landkreis errichten zu wollen. Der Verweis auf die stationäre Gesundheitsversorgung in diesem Neubau würde bedeuten, dass in Weilheim und Schongau künftig nur ambulante Angebote vorgehalten werden sollen.

Wie das aussehen könnte, kann man heute schon sehen. Sowohl am Krankenhaus in Weilheim als auch am Krankenhaus in Schongau gibt es so genannte „Medizinische Versorgungszentren“, die sehr erfolgreich arbeiten, aber über keine eigenen Betten verfügen.

Überlegt man nun, wo der „zentrale Standort“ im Landkreis liegen könnte, an dem das neue Großkrankenhaus errichtet werden könnte, lohnt sich ein Blick auf die Landkarte: Einer der wenigen Bereiche, der von allen Ecken und Enden des Landkreises in etwa gleich gut zu erreichen ist, wäre der Raum Peißenberg. Und genau dort soll der Neubau nach Informationen der Heimatzeitung auch errichtet werden.

Knackpunkt ist die Finanzierung der Multimillionen-Investition

Der Aufsichtsrat stellt in seiner Anzeige allerdings auch klar, dass die Klärung der Standortfrage nicht gleich zu Beginn der Konzeptentwicklung geklärt werden soll. Zuerst muss ohnehin geklärt werden, ob und wie sich dieser fundamentale Umbruch in der Krankenhaus-Landschaft des Landkreises überhaupt finanzieren ließe.

Entscheidend dabei ist, ob der Freistaat überhaupt bereit wäre, schon wieder Millionensummen zur Verfügung zu stellen. Der Geschäftsführer der Starnberger Kliniken, Dr. Thomas Weiler, hatte unlängst im Gespräch mit der Heimatzeitung angezweifelt, dass München schon wieder die Schatulle öffnen würde. Vor allem mit Blick auf die Zweckbindungsfristen für die erheblichen Fördersummen, die in die Modernisierung des Weilheimer Krankenhauses investiert wurden. Diese seien deutlich länger als die genannten 15 Jahre, so Weiler. Schlimmstenfalls müssten also Fördermittel zurückgezahlt werden, während fraglich ist, ob man mit einer erneuten Förderung für das Großkrankenhaus rechnen kann.

Das räumt auch der Aufsichtsrat indirekt ein, wenn er schreibt: „Wir werben dafür, die Zukunftsaufstellung für eine moderne Gesundheitsregion Weilheim-Schongau 2035 weiter voranzutreiben und als Landkreis in Gespräche mit der Bayerischen Staatsregierung einzutreten, um eine Diskussion über konkrete Entwicklungschancen zu schaffen.“

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