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Aktionsbündnis gegen B2-Ausbau: Andere Möglichkeiten der Entlastung

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Von: Stephanie Novy

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Symbolfoto: Nahaufnahme einer Straße.
Das Aktionsbündnis „Nein zum Ausbau der B2“ zweifelt eine Entlastung durch den Straßenausbau an. © Symbolfoto: PantherMedia / JANIFEST

Weilheim – Weilheimer Umfahrung, ja oder nein? Für 30 Akteure, die sich zu einem Aktionsbündnis zusammengeschlossen haben, ist die Antwort eindeutig: Nein – es gibt andere Lösungen, um dem Kfz-Verkehr Herr zu werden.

Wie berichtet, haben sich Anfang August 30 Organisationen, Vereine, Parteien und Bürgerinitiativen zu einem Aktionsbündnis formiert. Sie alle eint ein Ziel: keine Umfahrung in der Kreisstadt. Bei einem Pressegespräch haben zehn Vertreter des Aktionsbündnisses ihre Meinung nochmals deutlich gemacht. Die Argumente, die sie dabei anbrachten, sind bekannt. Eine Entlastung des Kfz-Verkehrs werde massiv angezweifelt, erklärte Felix Henkel von der Weilheimer SPD, unter deren Federführung das Aktionsbündnis läuft. Auch die Folgen für die Umwelt wurden von den Anwesenden betont: wertvolle Landwirtschaftsfläche gehe verloren, Naherholungsgebiete würden „geopfert“, die Umfahrung führe zur Leistungssteigerung und damit zu mehr CO2.

Gleichzeitig machte Henkel deutlich: „Das Bündnis richtet sich nicht gegen die Anwohner, die in Lärm und Dreck sitzen.“ Dass eine Entlastung für Weilheim notwendig ist, zweifelte bei dem Pressegespräch niemand an. Doch wie soll das funktionieren ohne eine weitere Straße? Die Lösung schlechthin kann das Aktionsbündnis nicht liefern. Aber darum geht es wohl auch gar nicht. Möglichkeiten gebe es viele, so Henkel. Man müsse diese untersuchen, diskutieren. Heinz Botsch (Bund Naturschutz, Schutzgemeinschaft Weilheimer Moos) brachte den zweigleisigen Ausbau der Werdenfels Bahn ins Spiel. Karin Knöthig (BI Heimat 2030, Greenpeace) verwies auf Tempo 30 und Einbahnstraßenregelungen, um den Binnenverkehr unattraktiver zu machen. So wie das zum Beispiel in vielen Orten in Baden -Württemberg der Fall ist. Henkel warf die Idee von einem großen Parkplatz außerhalb der Stadt mit E-Bike-Sharing-Möglichkeiten ein. Auch der Ausbau des Radwegenetzes und die Anbindung der umliegenden Orte an den ÖPNV sehen die Akteure als wichtige Maßnahme.

Bei all diesen Dingen betont Roland Bosch (ÖDP Weilheim, Stadtrat) den zeitlichen Faktor. Die Umfahrung käme wahrscheinlich im Jahr 2035. „Aber wenn wir eine Entlastung wollen, dann jetzt.“ Das sei mit anderen Maßnahmen als einem Straßenbau möglich. Annette Schulze (Grüne Weilheim) meinte in diesem Zusammenhang, dass die Umfahrung für die Babyboomer gebaut werde, die, so fügte sie überspitzt an, in 15 Jahren sowieso den Führerschein abgeben werden. Die jüngere Generation hingegen fahre dann vermutlich gar nicht mehr so viel Auto.

Echte Bürgerbeteiligung gefordert

Letztlich gehe es, da waren sich alle einig, ums Umdenken und eine Verhaltensänderung. Sowohl bei den Bürgern und Bürgerinnen, als auch in der Politik. Um das zu erreichen, seien Gespräche und Diskussionen notwendig. Und echte Bürgerbeteiligung. Von der aktuell laufenden Umfrage hält das Aktionsbündnis wenig, wie im Gespräch klar wurde. Noch mehr: die Anwesenden übten harsche Kritik. Als „schein-demokratisch“ bezeichnete sie gar Bernhard Kerscher (SPD Weilheim). Abgesehen davon, dass die Befragung nicht bindend sei, sondern letztlich der Bund durch den Verkehrswegeplan darüber entscheide, ob gebaut wird oder nicht, ist die Befragung laut Schulze „statistisch unsauber“. Ein „valides Ergebnis“ könne es so nicht geben. Sie kritisierte, dass alle, die bei der ersten Frage mit „Nein“ stimmen, bei der Variantenwahl nicht mehr entscheiden dürfen.

Ein weiterer Kritikpunkt ist fehlende Objektivität bei der Information. Das erklärte Thomas Meiwald (ÖDP Weilheim). Er bezeichnete die Befragung sogar als „höchst manipulativ“. Dieser liegt lediglich ein Infoflyer des Staatlichen Bauamts bei. Dieses wolle „Straßen bauen“, das sei die Aufgabe des Amtes. Daher habe das Amt „keine objektive Meinung“. Nach Meiwalds Dafürhalten hätte auch ein Infoflyer zum Beispiel von einer Bürgerinitiative beiliegen müssen, um ein ausgewogenes Meinungsbild zu bekommen.

Stefan Schwaller (BI Heimat 2030) ergänzte, dass die Informationen gar nicht vollständig seien. Die ortsnahe Ostumfahrung zum Beispiel könne gar nicht so gebaut werden wie geplant, da ein Autohaus Neubau genau auf der Trasse liege. Wie die Ostumfahrung nun aussehen soll, darüber sei die Öffentlichkeit bisher nicht informiert worden.

Das Aktionsbündnis hofft, dass möglichst viele Bürger gegen eine Umfahrung stimmen werden. Auf Flyern, die das Bündnis an Haushalte verteilt, findet sich ein QR-Code für eine WhatsApp-Gruppe. Hier wolle man sich mit Gegnern und Befürwortern sachlich austauschen. Zudem sind Infostände am Marienplatz an den kommenden Samstagen (10. / 17. / 24. September) um jeweils 10 Uhr geplant.

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