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Urlaub mit Demenz

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Von: Rasso Schorer

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Kettner Demenz Alzheimer Urlaub
Setzen sich für den demenzsensiblen Urlaub auf dem Bauernhof ein: Doris Kettner (Vorsitzende Alzheimer Gesellschaft Lechrain) und Sylvia Neumeier (Leitung der Geschäftsstelle Bauernhof- und Landurlaub im Bayerischen Alpenland (v. links). © Kettner

Landkreis – Demenz und Urlaub, lässt sich das vereinbaren? Ja, findet die Alzheimer Gesellschaft Lechrain e.V. Selbsthilfe Demenz und hat gleich selbst ein entsprechendes Angebot geschaffen, den „demenzsensiblen Urlaub auf dem Bauernhof“. Das Fazit falle nach der ersten Saison aber noch „zwiespältig aus“, sagt 1. Vorsitzende Doris Kettner.

Im Altlandkreis Schongau und im Landkreis Landsberg engagiert sich die Gesellschaft, zu den gemeinsamen Aktivitäten für Demenzerkrankte und ihre Angehörigen gehören auch Ausflüge auf einen Bauernhof in der Nähe des Staffelsees. Dieses Angebot werde sehr gut angenommen, freut sich Doris Kettner.

Bei Gesprächen mit Landwirtsfamilien und den zuständigen Verbänden und Interessenvertretern kam schnell die Idee auf, auch die Höfe mit einzubeziehen, die bereits „Urlaub auf dem Bauernhof“ anbieten. So entstand eine Zusammenarbeit mit dem Bauernhof- und Land­urlaub im Bayerischen Alpenland e.V., denn: „Der Lechrain und der Pfaffenwinkel sind Ferienregionen mit Tradition, die von Kultur und bäuerlichen Betrieben geprägt ist – so, wie man sich Bayern eben vorstellt“, erklärt Doris Kettner.

Der Gedanke: Einige Anbieter von Ferienwohnungen auf dem Bauernhof empfangen Gäste, die mit einem Familienmitglied oder Ehepartner mit einer frühen oder frühen mittleren Demenz zu einem entspannenden Urlaub kommen. „Und wir spannen dafür eine Art Sicherheitsnetz“, so Kettner. Vor dieser Sommersaison schulte die Demenz Partner Initiative der Deutschen Alzheimer Gesellschaft e.V. die Gastgeber, Doris Kettner und ihr Team sahen sich auf den Höfen um und sind im Hintergrund Anlaufstelle für Rückfragen und Probleme.

„Für die Anbieter war es zwar vorab wichtig zu wissen, dass sie keinerlei pflegerische Tätigkeiten übernehmen müssen. Aber letztlich hat sich bei den Gesprächen herausgestellt, dass alle unsere Urlaubsanbieter bereits persönliche Erfahrung durch eine Demenzerkrankung in der Familie gemacht hatten und daher eine gewisse Sensibilität für dieses Thema mitbringen“, schildert Doris Kettner. Als Gastgeber mit dabei in der zurückliegenden Sommersaison waren die Böbinger Familien Rudolf und Schelle, die Familie Scholz in Burggen und Agnes Gstöttenbauer in Irschenberg.

Das Projekt stieß einerseits auf „tolle Resonanz“, freut sich Doris Kettner: der Bundesverband Deutsche Alzheimer Gesellschaft und die Demenz Partner Initiative waren voll des Lobes und sprachen Empfehlungen aus; das Magazin alzheimeraktuell berichtete und auch reisemaulwurf.de, eine Internetplattform für Menschen mit Hilfe- und Pflegebedarf und deren pflegende Angehörige, wurde aufmerksam.

Doch erreichten in diesem Jahr erst zwölf Buchungsanfragen die vier Gastgeber; zustande kam dabei kein Aufenthalt. Auffällig bei den eingegangenen Kontaktaufnahmen war: Alle Interessenten stammten von weiter weg. Aus Augsburg, aber beispielsweise auch aus Braunschweig und Dortmund.

Dabei steht für Kettner fest: Das Angebot richte sich freilich auch an Demenzerkrankte und ihre Angehörigen aus der hiesigen Region, die sich gemeinsam ein paar schöne Tage machen wollen. Bei zwei der diesjährigen Anfragen war der Wunschtermin schon ausgebucht, alle anderen hätten Pflege oder Betreuung benötigt. „Ob wir das realisieren können, überlegen wir uns gerade“, beschreibt Doris Kettner. „Wir bräuchten dafür einen sehr flexiblen Partner.“

Die kommenden Wochen will sie nutzen, um das Projekt demenzsensibler Urlaub weiter anzuschieben. Weitere Infos finden sich im Internet unter www.alzheimer-lechrain.de.

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