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Ausnahme-Künstlerin im Buchheim-Museum Bernried

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Von: Dieter Roettig

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Katharina von Werz im Buchheim-Museum
Die inzwischen 81-jährige Katharina von Werz und Buchheim-Direktor Daniel J. Schreiber vor einem der jüngsten Werke der Künstlerin mit dem Titel „Gebirgsgarten“. © Roettig

Bernried – Einen echten Solitär der Kunstszene präsentiert das Buchheim-Museum bis zum 15. Januar 2022: Die Malerin und Bildhauerin Katharina von Werz zeigt 75 Gemälde sowie Skulpturen aus den vergangenen 54 Jahren ihres künstlerischen Schaffens. Die Ausstellung sollte bereits im vergangenen Jahr anlässlich des 80. Geburtstages der Grand Dame stattfinden, wurde aber coronabedingt verschoben. Zur Eröffnung ihrer großen Retrospektive kam die vitale Künstlerin persönlich an den Starnberger See.

Ins Fünfseenland fuhr sie oft als junge Frau mit ihrem „fliegenden Atelier“, wie sie ihr Auto nannte. Abseits ihrer Heimatstadt München war sie auf der Suche nach Motiven und Situationen, die Stimmungen hervorrufen und Gefühle spiegeln. In den 1980er Jahren lernte sie bei einer Veranstaltung in der Münchner Villa Stuck Lothar-Günther Buchheim kennen, nicht mal im Ansatz davon träumend, eines Tages in einem Atemzug mit seinem Namen in Verbindung gebracht zu werden.

Dafür sorgte der Werz-Kenner und Kunsthistoriker Prof. Dr. Bernhart Schwenk, der den Kontakt zu Museums-Direktor Daniel J. Schreiber herstellte. Zusammen kuratierten sie jetzt die Werz-Ausstellung „Tanz vor der Stadt“, ganz sicher ein Highlight in der Reihe der ganz großen Präsentationen im Buchheim-Museum. Das mehrfach variierte Titelmotiv „Tanz vor der Stadt“ zeigt einen auf zwei Tanzbeinen aufsteigenden Farbknäuel in einer weiten Ebene. Am Horizont leuchtet rotglühend eine Millionenstadt auf. So wie hier soll auf fast allen Werz-Bildern die Figur als solche zwar erkennbar bleiben, aber eine eindeutige und klare Form sind nicht ihr Ziel. Bewusst verfremdet die Malerin die Figur oder bettet sie in ein Netz von Kritzeleien ein. In der Abstraktion erfindet sie eine neue, andere Figur in einem Raum, der gleichfalls zu Fantasien anregt.

In ihren Bildern moduliert von Werz Körper und Volumina, die sie mit geradezu physisch spürbaren Pinselgesten in Schwingung versetzt. Sie verleiht ihrer Malerei auf diese Weise eine unverwechselbare Plastizität und Räumlichkeit, die jede präzise Darstellung des gegenständlichen Motivs als nachranging behandelt und damit eine lebendige, gleichsam atmende Bildoberfläche erschafft. Die Künstlerin malt dynamisch und spontan. Am Anfang steht die vage Vorstellung vom Thema. Nach ein paar gestischen Hieben auf die Leinwand gewinnen Formen und Farben ein Eigenleben, das die Vorstellungskraft der Künstlerin beflügelt. Sie ergänzt, übermalt, trägt ab, trimmt die Farbpaste in ihre Gestalt, bis die Formwerdung abgeschlossen ist. So wird aus der Bewegung eine Komposition. Die Augen des Betrachters fahren die Linien ab, verharren bei den Farbkonzentrationen, versuchen Verbindungen herzustellen, bis sich das Bild eines Gesichts, eines Arms, einer bewegten Figur oder einer landschaftlichen Umgebung ergibt. Buchheim-Direktor Daniel J. Schreiber: „Die Wahrnehmung des Kunstwerks wird selbst zu einem hochkreativen künstlerischen Prozess.“

Kein Wunder, dass Werz-Werke in Galerien sowie vielen privaten und öffentlichen Sammlungen vertreten sind, unter anderem in der Staatlichen Graphischen Sammlung München, in der Bayerischen Staatsgemäldesammlung, in der Städtischen Galerie im Lenbachhaus oder in der Sammlung von Herzog Franz von Bayern. Einzelausstellungen fanden unter anderem in München, Köln, Hamburg, Berlin und Zürich statt. Sogar im Museum für angewandte Kunst in St. Petersburg wurden ihre Bilder gezeigt.

Von Werz ist die Tochter des bekannten Architekten Helmut von Werz, der unter anderem das Funkhaus des Bayerischen Rundfunks in der Münchner Arnulfstraße entworfen hat. Katharina studierte zunächst an der Akademie für das Graphische Gewerbe in München, wechselte dann zur Kunstakademie in Genf. Ab 1969 war sie mit ihren Bildern regelmäßig bei der Großen Kunstausstellung im „Haus der Kunst“ vertreten. Wie sie unter anderem zu Berufung und Beruf inspiriert wurde, erzählte von Werz beim Gespräch mit dem Kreisboten. Zusammen mit ihrem Bruder und einem befreundeten Kunstgeschichtsstudenten unternahm sie als 17-Jährige einen Ausflug nach Murnau zu der damals schon 80-jährigen Expressionistin Gabriele Münter. Der Bruder kaufte ihr eine Zeichnung ab. Als Dank für den jugendlichen Besuch und das Interesse an ihrer Kunst schenkte Münter der Gruppe zwei weitere Zeichnungen.

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