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Gerlinger zieht seine Brücke-Sammlung zurück

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Von: Dieter Roettig

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Ausstellungseröffnung Buchheim Museum
Bei der Ausstellungseröffnung von „Schmidt-Rottluff-Form, Farbe, Ausdruck“ im Jahr 2018 herrschte noch Harmonie zwischen Buchheim-Direktor Daniel J. Schreiber (links) und Kunstsammler Hermann Gerlinger (rechts). In der Mitte Landrätin Andrea Jochner-Weiß. © Archivfoto: Roettig

Bernried – Es war zweifellos ein Meilenstein in der Geschichte des Bernrieder Buchheim Museums, als 2017 der Kunstmäzen Hermann Gerlinger seine über tausend Werke umfassende Brücke-Sammlung als Dauerleihgabe für mindestens zehn Jahre an den Starnberger See transferierte. Nachdem sich die Sammlungen von Lothar-Günther Buchheim und Gerlinger unter dem symbolträchtigen Begriff „Brückenschlag“ zusammengetan hatten, entstand hier auf höchstem Niveau die wohl weltweit bedeutendste Präsentation der expressionistischen Brücke-Künstler. Die ist jetzt leider Geschichte.

Der inzwischen 90-jährige Haustechnik-Unternehmer und Kunstsammler Hermann Gerlinger aus Würzburg hat seine Bilder „wegen grundlegender Meinungsverschiedenheiten über die Durchführung des Leihverhältnisses“ zurückgezogen. Wie Museumsdirektor Daniel J. Schreiber mitteilte, habe man der Kündigung im Rahmen einer Vergleichsvereinbarung und gegen Erhalt einer Abstandszahlung enttäuscht zugestimmt. Denn die Unzufriedenheit Gerlingers konnte man nicht verstehen, weil man seit 2017 immerhin vier große Sonderausstellungen mit seinen Werken organisiert hatte.

Was nach dem Rückzug mit den Werken von Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel, Karl Schmidt-Rottluff, Emil Nolde oder Max Pechstein geschieht, war lange unklar. Bis jetzt eine Meldung des Münchener Auktionshauses Ketterer die Kunstwelt aufhorchen ließ: Die komplette Sammlung wird versteigert, allerdings nicht sofort, sondern in mehreren Schritten über die nächsten Jahre verteilt. Damit möchte Gerlinger seine seit 1950 zusammengetragenen Werke der „nächsten Generation von Sammlern“ zur Verfügung stellen.

Gerlinger, Träger des Verdienstordens von Bayern und Sachsen-Anhalt, Ehrenprofessor des Landes Schleswig-Holstein und Ehrenbürger der Stadt Halle an der Saale, verfolgt mit der Versteigerung allerdings keinerlei Gewinnabsicht. Der Erlös der Ketterer-Auktionen geht an drei gemeinnützige Organisationen: Stiftung Denkmalschutz, Bund Naturschutz und Julius-Spital in Würzburg.

Bevor Gerlingers Brücke-Sammlung ins Buchheim Museum kam, gastierte sie bereits im Schleswig-Holsteinischen Landesmuseum Schloss Gottorf und in der Moritzburg in Halle. Gerlingers großes Ziel war eigentlich das Mainfränkische Museum in seiner Heimatstadt Würzburg, was allerdings an Platzproblemen scheiterte.

Ein Sammler geht, ein anderer kommt. Das Buchheim Museum kann sich gleichzeitig mit Gerlingers Abgang über die Zustiftung der 1 300 Werke umfassenden Sammlung des „Expressiven Realismus“ des Tutzingers Joseph Hierling freuen. Sie wird im Museum bewahrt, erforscht und in immer wechselnden Konstellationen neu ausgestellt.

Hierling (80) war Leiter der Film- und Fernsehproduktion des Bayerischen Rundfunks. Seine Sammlung, aufgebaut in enger Zusammenarbeit mit dem Marburger Kunsthistoriker Rainer Zimmermann, gilt als größte und qualitätsvollste Kollektion von Gemälden des Expressiven Realismus. Als Hierling einst in Gauting ein eigenes Museum plante, fand Lothar-Günther Buchheim die Vorstellung „bestrickend“, dass es auf einer Bahnlinie mit dem Buchheim Museum liegen sollte. Jetzt hat die Sammlung Hierlings unter Buchheims Dach ein finales „Dahoam“ gefunden.

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