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Günter Ortner: Der Pferdeflüsterer aus Unterhausen

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Von: Ursula Gallmetzer

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Günter Ortner aus Unterhausen
Bei seinen Pferden fühlt sich Günter Ortner aus Unterhausen am wohlsten. © Gallmetzer

Unterhausen – Günter Ortner lebt für seine Pferde und das Kutschefahren. 29 Jahre durfte er das Gespann der Wiesnwirtsfamilie Roiderer lenken, setzte sich als Pionier für Veranstaltungen mit traditionellen Anspannungen in Bayern ein und lehrte im eigenen Fahrstall 30 Jahre lang seinen Schützlingen das Kutschefahren. Noch immer genießt er in der Region den besten Ruf.

Im Stall bei seinen Pferden vergisst Ortner alles um sich herum. „Wenn ich hier bin, geht es mir gut“, schwärmt der gebürtige Franke und tätschelt liebevoll den Kopf eines seiner Tiere, während Rauhaardackeldame Everl sich an seine Beine schmiegt. Einst waren alle zehn Boxen besetzt, heute sind es noch vier. Die Tiere darin dürfen ihren Lebensabend in ihrer gewohnten Umgebung verbringen. Das älteste der Pferde ist 32 Jahre alt, kann das Futter nicht mehr richtig kauen. Alle zwei Stunden muss Ortner den Hengst mit Spezialfutter versorgen. „Er ist noch immer ein Schlitzohr“, lächelt der Unterhausener, als er von der imposanten Pferdenase angestupst wird, und leert den vollen Futterkübel in einen Trog.

An viele schöne Momente erinnert sich Ortner, wenn er seine Tiere anblickt. Seine Passion für Pferde entdeckte er schon als kleiner Junge, als er in Eckersmühlen, einem Gemeindeteil von Roth bei Nürnberg, aufwuchs. „Ich war ein ganz braver Bub“, berichtet er. „Doch wenn ein Pferd vorbeikam, dann war ich weg.“ Seine Eltern gewährten ihm sein Hobby. Die ersten Reitstunden bekam er von einem ehemaligen Major. „Ein ganz kerniger Mann, der nicht zurückhaltend war mit Lob und Tadel“, denkt Ortner zurück an die Zeit, in der er das Reiten von der Pike auf lernte.

Als es um seine berufliche Zukunft ging, war klar: In die Fußstapfen des Vaters, der Schreiner war, will er nicht treten. So absolvierte er seine Ausbildung an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf und wurde praktizierender Landwirt, schlug dann eine Beamtenlaufbahn bei der landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft in Bayreuth ein. Er arbeitete sich hoch und landete schließlich am Arbeitsministerium in München, wo er in der Abteilung für landwirtschaftliche Sozialversicherungen seinen Platz fand. „Ich habe dort mit viel Herzblut und Sachverstand gearbeitet. Ich konnte mir ja jedes Szenario einer Landwirtschaft gut vorstellen“, weiß er nur Gutes über seinen Dienst in der Landeshauptstadt zu berichten.

Dennoch fehlte ihm etwas. „Mein Spleen war ein Bauernhof. Das war aus mir nicht rauszukriegen“, erzählt der 80-Jährige. Das Reihenhaus in Pöcking wurde abgetreten, dafür kaufte Ortner 1990 einen verfallenen Hof in Unterhausen direkt neben der Kirche. „Das war eine richtige Bruchbude“, sagt er und lacht. Mit viel Liebe und einem Händchen für die historische Substanz wurde das Gebäude Stück für Stück saniert. Ortners Ehefrau Gerda packte kräftig mit an. Auch sie ist Pferdenärrin. „Wir haben uns beim Reiten kennengelernt, nachdem meine erste Frau verstorben war“, erzählt der rüstige Senior, der noch immer glücklich darüber ist, dass das Schicksal ihm ein zweites Mal zu einer großen Liebe verhalf.

Auf dem eigenen Hof konnte Ornter seinen Traum endlich ausleben. Unter der Woche war er im Münchener Büro, nach Feierabend bei seinen Pferden. Am Wochenende gab er Theorie- und Fahrkurse für künftige Kutscher. In die Prüfung habe er nur geschickt, wer schon genug gelernt hatte, und das nötige Gespür für die Kommunikation mit den Tieren hatte. Kurz überlegt Ortner und resümiert: „Es waren bestimmt 1 000 Schüler und Schülerinnen über all die Jahre und nur ein einziger ist durchgefallen.“ Auch im Bereich der traditionellen Anspannungen machte er sich einen Namen. Er initiierte den Concours d’Elegance in Weilheim und war wesentlich an der Entstehung der Starnberger-See-Rundfahrt beteiligt.

Auch wenn Ortner heute aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr selber die Kutschen lenkt, genießt er jeden Moment, in dem er mitfahren kann. Die außergewöhnliche Bindung zu den Tieren pflegt er weiterhin. „Die Pferde haben begriffen, dass ich auch ein Lebewesen bin“, erklärt Ortner und schließt nach einem kurzen Kopfkraulen das Tor der Pferdebox. Auf dem Weg vom Stall zurück in die gemütliche Wohnküche hält er kurz inne und sagt: „Ich blicke auf ein erfülltes Leben zurück.“ Er ist zufrieden, auch wenn er gerade durch einen eingeklemmten Nerv körperlich eingeschränkt ist. Ortner weiß: Auf die Unterstützung von Nachbarn und Freunden kann er sich jederzeit verlassen: „Ich bin umgeben von so vielen furchtbar netten Leuten. Dafür bin ich unendlich dankbar.“

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