Pressegespräch kbo-Lech-Mangfall-Klinik
+
Freuen sich über die neuen Behandlungsmöglichkeiten, die in der kbo-Lech-Mangfall-Klinik entstehen (v.li.): Geschäftsführerin Katharina Kopiecny, Chefarzt Dr. Florian Seemüller, Sabine Kühnel, die das Projekt betreut, Thomas Lippmann (Geschäftsführer Krankenhaus GmbH), kbo-Vorstandsvorsitzender Martin Spuckti und Landrätin Andrea Jochner-Weiß.

Eine Station ohne Betten

Klinik setzt auf mobile Teams

  • Ursula Gallmetzer
    VonUrsula Gallmetzer
    schließen

Peißenberg/Landkreis – Eine flexible und individuell an die Bedürfnisse der Behandelten angepasste Therapie und das nicht etwa in einer psychiatrischen Station, sondern zu Hause: Durch den Einsatz mobiler Teams erschafft die kbo-Lech-Mangfall-Klinik eine neue Möglichkeit für Patient*innen, die mit dem Angebot einer vollstationären Therapie vergleichbar ist.

„Es ist eine neue Station ohne Mauern und ohne Betten“, erklärt Dr. Florian Seemüller, Chefarzt der kbo-Lech-Mangfall-Kliniken Garmisch Partenkirchen und Peißenberg. Es könnten nahezu alle psychiatrischen Diagnosen im Rahmen der Stationäquivalenten Behandlung (StäB) bedient werden. Ausnahmen gebe es lediglich wenige, beispielsweise bei akuter Selbst- oder Fremdgefährdung sowie bei primären Suchterkrankungen.

„Es ist die derzeit modernste psychiatrische Behandlungsform“, freut sich Seemüller darüber, in der Region etwas anzubieten, was es in Bayern bisher nur in einer weiteren Klinik in München gibt. Ein multiprofessionelles Team wird sich – zu Beginn im 30-minütigen Autoradius von Peißenberg – um die Patienten kümmern. Sieben Tage die Woche je mindestens eine Stunde. „Das ist eine sehr gute Therapiedichte“, erklärt Seemüller. Zusätzlich wird das Team auf Bereitschaftshandys rund um die Uhr zu erreichen sein. Im Dezember geht es mit sechs Behandlungsplätzen los. Ziel ist es, in eineinhalb Jahren auf bis zu 20 aufzustocken.

Seemüller sieht in dieser Therapieform die Möglichkeit, auch diejenigen zu erreichen, die sonst durchs Raster fallen würden. Menschen, die aufgrund ihrer Lebenssituation nicht von Zuhause weg können oder wollen. Menschen, die das Haus durch Angst- und Zwangserkrankungen nicht verlassen können. Menschen, die sich nicht in eine Psychiatrie trauen, da sie Stigmatisierungen fürchten. Auch junge Mütter mit postnataler Depression seien ideale Kandidatinnen für die StäB, da sie so die Beziehung zu ihrem Baby weiter pflegen können. „Wir werden die Patienten eine Zeit lang im Leben begleiten und Weichen stellen“, sagt Seemüller.

Für die Patienten hat die Therapie im gewohnten Umfeld zahlreiche Vorteile. Denn in einer Klinik werden ihnen manche Aufgaben abgenommen. Zu Hause müssen sie sich weiterhin selbst um vieles kümmern und bleiben somit alltagsfähig. Außerdem sind sie nicht isoliert und können weiterhin am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Die Therapie daheim kann ganz unterschiedlich aussehen. „Jeder macht das mit dem Patienten, was gerade möglich ist“, verdeutlicht Seemüller. So könne es auch durchaus passieren, dass ein Arzt die Spülmaschine ausräumt, wenn das gerade ansteht. Ganz nach dem Prinzip: „Jeder macht alles.“

„Wir können aktiv daran arbeiten, dass erst gar keine Einweisung stattfinden muss“, hebt kbo-Vorstandsvorsitzender Martin Spuckti einen weiteren wichtigen Punkt hervor. Die StäB sei zwar eine Herausforderung, doch ein „Idealweg – und wir haben die Erfahrung dafür.“

Landrätin Andrea Jochner-Weiß ist begeistert von dem Konzept. „Wir haben dadurch eine komplette Station. Das ist das Modell der Zukunft.“ Ob diese Zukunft langfristig in Peißenberg oder Weilheim stattfindet, das ist noch unsicher. „Wie es weitergeht, werden wir weiter verhandeln“, so die Landrätin. „Wir wollen Richtung Weilheim, mehr können wir noch nicht sagen.“

Das bisher für eine vollstationäre Psychiatrie im Gespräch gewesene Grundstück neben dem Weilheimer Krankenhaus sei eine örtliche Option, ergänzte Thomas Lippmann. Ein neues Konzept werde dort stattfinden, so der Geschäftsführer der Krankenhaus GmbH. Er ist ebenfalls von der StäB überzeugt und sieht neue Möglichkeiten für seine Kliniken: „Wir müssen abgestufte Angebote in die Region zu den Menschen bringen.“

Man spreche von einem Zeithorizont von zehn bis 20 Jahren und noch stehe nichts fest, stellte Jochner-Weiß klar. „Ob wir uns auf den Weg machen dürfen oder nicht, um bestimmte Dinge abzuklären, wird im Kreistag entschieden.“

Bilder, Videos und aktuelle Ereignisse aus Ihrer Heimat: Besuchen Sie den Kreisboten Weilheim-Schongau auch auf Facebook.

Quelle: Kreisbote

Kommentare