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Petra Stragies und ihre Hunde leisten Demenzhilfe

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Von: Ursula Gallmetzer

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Petra Stragies mit den Hündinnen Sissi und Celia.
Petra Stragies engagiert sich in der Alzheimer Gesellschaft Lechrain. Ihre Hündinnen Sissi (li.) und Celia begleiten sie zu den Senioren. © Gallmetzer

Weilheim – Die Veränderungen kommen oft schleichend. Interessen gehen verloren, Fähigkeiten lassen nach, das Gedächtnis wird immer schlechter. Wenn die Diagnose Demenz schließlich ausgesprochen wird, sind viele Betroffene und ihre Angehörigen überfordert und hilflos. Petra Stragies versucht, sie auf ihrem Weg in ein neues Leben mit der Krankheit zu unterstützen. Der Kreisbote hat sich mit ihr getroffen.

Als junge Frau studierte Petra Stragies Sozialarbeit. Dabei beschäftigte sie sich intensiv mit der sozialen Gerontologie, die die Fragen der sozialen Beziehungen im Alter, die gesellschaftliche Teilhabe älterer Menschen sowie die Sicherung ihrer individuellen Bedürfnisse in den Mittelpunkt stellt. Stragies berufliche Zukunft wurde zu dieser Zeit bereits geprägt. Zwar hatte sie auch die Arbeit mit Kindern ausprobiert, doch schnell wurde ihr klar: „Ich habe mein Herz an die zweite Lebenshälfte der Menschen verloren.“ Von da an widmete sie sich Senioren und ihren Belangen.

Als es die Dortmunderin Ende der 90er-Jahre der Liebe wegen an den Ammersee und im Jahr 2000 schließlich nach Weilheim verschlug, merkte sie, „dass es hier wenig bis gar nichts für Senioren gibt.“ Zunächst arbeitete sie daher im öffentlichen Dienst; doch die Idee, mehr für ältere Menschen anzubieten, ließ sie nicht los. Nach dem Tod ihrer Mutter 2003 fasste sie einen Entschluss: „Ich musste einfach machen, was ich für richtig und wichtig hielt“, erinnert sich die 61-Jährige zurück. Und so gründete sie die Alzheimer Gesellschaft Pfaffenwinkel.

Zunächst lief es nicht gut. Wenige Menschen kamen und die Finanzierung war kaum zu bewältigen. Stragies jedoch gab nicht auf. „Ich bin eine Kämpferin und wollte beweisen, dass ich es hinkrieg‘.“ Mit der Anerkennung als niederschwelliges Betreuungsangebot 2005 ging es aufwärts. Bis heute ist die Alzheimer Gesellschaft in Weilheim ein Erfolg. Stragies ist inzwischen Frührentnerin und hat den Verein ihren Nachfolger*innen übergeben. „Es fiel mir zwar schwer und war schmerzhaft, doch es war richtig.“ Denn die gewonnene Zeit konnte sie gemeinsam mit ihrem damals schwerkranken Mann verbringen. Anfang dieses Jahres starb er.

Doch die Witwe blickt trotz ihrer Trauer zuversichtlich in die Zukunft. Im letzten Jahr gründete sie gemeinsam mit Doris Kettner die Alzheimer Gesellschaft Lechrain und engagiert sich seitdem dort ehrenamtlich. „Es gibt immer wieder viele lustige Momente. Wir können oft gemeinsam lachen“, genießt Stragies das Zusammensein mit den dementen Personen. Besonders wichtig ist ihr dabei, die Menschen so zu akzeptieren, wie sie sind. „Wir haben einen anderen Blick auf die Situation als die Angehörigen und können die Erkrankten ohne Ballast annehmen.“

Ein Lächeln auf dem Gesicht

Ein wichtiger Halt der Weilheimerin sind ihre Hündinnen. Bereits 2004 erfüllte sich die Tierliebhaberin einen Herzenswunsch und machte eine Ausbildung, um mit West-Highland-Terrier-Dame Sissi gemeinsam Senioren zu besuchen. Streicheln, kuscheln oder kleine Spaziergänge muntern die kranken Menschen oft auf. Auch Klinikbesuche sind möglich. Doch auch an Sissi geht die Zeit nicht spurlos vorbei. Die Hundeoma braucht mehr Ruhe. Unterstützung bekommt sie daher seit Kurzem von Terriermischling Celia. Sie hat auch Stragies nach dem Verlust ihres Mannes zu neuer Tatkraft verholfen. „Ich gehe wieder mehr raus“, freut sie sich. Nicht nur privat, auch im Verein möchte sich Stragies künftig noch intensiver mit den Hunden beschäftigen. Derzeit trainiert sie mit Celia und einer Hundetrainerin, um bald kranken Senioren mit beiden Hunden ein Lächeln auf das Gesicht zu zaubern.

Aber auch ohne ihre Tiere setzt sich Stragies in vielen Bereichen für Demente ein. Sie berät, hält Vorträge, klärt in Schulen über die Krankheit auf, besucht mit den Betroffenen und ihren Angehörigen Museen oder Bauernhöfe und am heutigen Samstag und dem morgigen Sonntag läuft in Schongau ein Aktionswochenende zum Thema Demenz (Infos dazu unter www.alzheimer-lechrain.de). Bei so viel Einsatz für Senioren bleibt nicht mehr viel Zeit für andere Hobbys, gesteht Stragies. Um daheim zu entspannen, liest sie gerne Mittelalterromane. Doch viel lieber ist sie unterwegs und trifft Leute: „Ich brauche einfach andere Menschen.“

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