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Stadtrat Weilheim: Energiezentrale Kranlöchl nimmt nächste Hürde

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Von: Sofia-Leonie Wiethaler

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Kranlöchl Energiezentrale
Das Grundstück bietet viele Vorteile: Es ist bereits bebaut und gehört der Stadt. © Stadtwerke Weilheim

Weilheim – Als „tolles Vorzeigeobjekt“ bezeichnete Bürgermeister Markus Loth (BfW) die geplante Energiezentrale Kranlöchl.

In einer der letzten Stadtratssitzungen nahm das Projekt, für welches auch Staatsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) seine Unterstützung zugesagt hat, die nächste Hürde. Mehrheitlich, gegen die Stimme von Ullrich Klinkicht (WM), wurde beschlossen, das Verfahren zur Aufstellung des Bebauungsplanes auf der Basis des vorliegenden Planungsentwurfes förmlich einzuleiten.

Für den Vorhabensträger, die Weilheimer Stadtwerke, ging Stadtwerke-Chef Peter Müller nochmals genauer auf das Projekt ein. Das Grundstück, auf dem sich aktuell eine verfallene Gärtnerei befindet, bietet die Vorteile, dass es bereits bebaut ist und der Stadt gehört. Die Energiezentrale beinhaltet ein Heizhaus, Hackgutlager und ein Aschehaus. Ausgelegt ist die Anlage auf oberflächennahe Geothermie, Holzhackschnitzel, flüssiges Biomethan und eventuell auf Solarthermie. Als Wärmeerzeuger sind zwei Großwärmepumpen, zwei Holzfeuerungen für waldfrisches Hackgut, zwei flüssige Biomethan-BHKW (Betrieb ausschließlich in den Wintermonaten zum Ausgleich fehlender Photovoltaikleistung im lokalen Stromnetz) und ein Spitzenlast-/Redundanzkessel mit flüssigem Biomethan (Betrieb nur an sehr kalten Tagen, Beitrag zum Gesamt-Wärmebedarf im Fernwärmenetz nur circa drei Prozent) vorgesehen. Insgesamt ergeben diese circa 20 MW thermisch, wie Müller anhand seiner Präsentation aufzeigte.

Auch auf das Thema Holz ging der Stadtwerke-Chef ein. Die Energiezentrale Kranlöchl allein könnte im Endausbau 45 000 MWh Wärme pro Jahr liefern. Davon wären circa 75 Prozent aus Holz und circa 25 Prozent aus oberflächennaher Erdwärme/Solarthermie/Biomethan und so weiter. „45 000 MWh entsprechen mehr als vier Millionen Liter Heizöl“, wurde in der Präsentation veranschaulicht.

Der Stadtwald Weilheim liefert derzeit im Mittel circa 3 000 fm Holzeinschlag im Jahr. Würde der komplette Holzeinschlag des Stadtwaldes zu Holzhackschnitzeln verarbeitet werden (was nicht das Fall ist), so könnten im Endausbau vielleicht 15 Prozent der in der Energiezentrale Kranlöchl benötigten Holzhackschnitzel aus dem Stadtwald kommen. Die restlichen circa 85 Prozent würden dann von anderen Lieferanten im Umkreis bezogen. „Dass der Wärmebedarf von Weilheim allein aus dem Holzeinschlag des Stadtwaldes gedeckt werden könnte wurde von uns noch nie behauptet“, stellte Müller klar. Der Holzeinschlag decke lediglich einen Teil der für den Betrieb der Energiezentrale benötigten Holzhackschnitzelmenge ab. Derzeit gingen außerdem mindestens 30 000 srm Hackgut jährlich aus umliegenden Wäldern nach Österreich, weil die Hackschnitzel hier vor Ort keinen Absatz finden. Das entspreche wiederum mehr als zwei Millionen Litern Heizöl.

Die Anfuhr der Holzhackschnitzel, für die laut Müller im Winter in der Heizperiode drei Lkw pro Tag notwendig wären, soll über den Feldweg, der entlang der Tennisanlage verläuft, geschehen. Für die Ascheabfuhr sowie die Leitungsführung für die Fernwärme ist wiederum die Straße Kranlöchl vorgesehen. Im Zusammenhang mit Fußgängern und Radlern, die in der Gegend unterwegs sind, sieht Müller kein Problem. Diese würden auf der Strecke auch jetzt, unter anderem mit landwirtschaftlichen Fahrzeugen und Müllsammelfahrzeugen, zurecht kommen.

In seinem Resümee fand Müller abschließend klare Worte: „Die Energiezentrale Kranlöchl auf Basis weit überwiegend regenerativer Brennstoffe und die geplante Fernwärmeversorgung auf Basis weit überwiegend regenerativer Brennstoffe ist mit Abstand das größte Klimaschutzprojekt in Weilheim seit Jahrzehnten.“

Meinungen der Räte

Laut Horst Martin (SPD) stehe seine Fraktion zu „100 Prozent“ hinter dem Projekt. Einerseits wegen der Energiewende, andererseits weil man wisse, dass der Bedarf an alternativer Energie hoch sei. Auch das Grundstück biete als Standort einige Vorteile. Unter anderem gehöre es bereits der Stadt, sei weit genug von der Wohnbebauung entfernt und man müsse nicht viel neue Fläche für den Bau versiegeln.

Ebenfalls komplett hinter dem Vorhaben steht die CSU/FDP-Fraktion, wie Klaus Gast (CSU) betonte. Er nannte die Energiezentrale „innovativ und zukunftsträchtig“. Dank an Müller und sein Team kam von Energiereferent Karl-Heinz Grehl (Grüne). Er wohne selber in dem Gebiet und warte „sehnsüchtig auf die Fernwärme.“

Unterstützung für die Energiezentrale gab es ebenfalls von Dr. Roland Bosch (ödp). Ihn interessierte allerdings auch, ob das Holz ausgehen könnte, wenn andere Gemeinden ebenfalls in diese Richtung denken würden. Laut Müller gelte hier das „Windhundprinzip“. Wer als erstes komme, könne sich langfristige Verträge sichern.

Seine Zustimmung verwehrte letztlich nur Klinkicht (Referent für den Dietlhofer See). Ihm sei der Standort unter anderem zu weit draußen und zu nah am Dietlhofer See.

Bevor der Flächennutzungsplan geändert werden kann, stand aber noch ein Ortstermin mit der Regierung von Oberbayern auf dem Programm. An ihm nahmen Vertreter der Regierung, der Stadt sowie Stadtwerke-Chef Müller teil. Die schriftliche Stellungnahme der Regierung steht jedoch noch aus.

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