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Will als Kulturführerin die Menschen für den Pfaffenwinkel begeistern: Elisabeth Welz. Das Bild wurde am Ölberg bei Rottenbuch aufgenommen. 

Elisabeth Welz im Porträt

Sie vermittelt Kultur auf die erfrischende Art

Radom-Führungen in Raisting sind bei Elisabeth Welz am meisten gefragt. Die 40-Jährige ist Kulturführerin im Landkreis.

Schongau – Sie arbeitet beim Tourismusverband, und sie ist eine der drei Kulturführerinnen im Landkreis Weilheim-Schongau: Elisabeth Welz bringt vielen Menschen aus nah und fern Sehenswürdigkeiten im Pfaffenwinkel näher. Im Radom in Raisting oder auf dem Hohen Peißenberg vermittelt sie auf eine erfrischende Art ebenso Wissenswertes wie in der Klosterkirche Rottenbuch, in der Wies oder in Schongau.

„Wir machen das alle aus der Leidenschaft heraus“, erklärt die 40-jährige Schongauerin, warum sie ebenso wie Maria Sporer aus Schwabsoien und Edith Brey aus Steingaden die Fortbildung zur „Pfaffenwinkler Kulturführerin“ gemacht hat und inzwischen seit einigen Jahren dafür auch gebucht werden kann. Es sei ein bereicherndes Gefühl, wenn sie nach einer Tagestour, die für die Interessierten immer maßgeschneidert sei, das Feedback bekomme, dass es kurzweilig und erfrischend gewesen sei.

Die größte Nachfrage verzeichnet Elisabeth Welz fürs Radom bei Raisting. 20 Mal im Jahr hält allein sie dort eine Führung. Wenn sie die Termine ihrer beiden Kolleginnen dazurechnet, sind es ungefähr 60. Eine starke innere Bindung verspürt sie jedes Mal, wenn sie für Rottenbuch gebucht wird. Denn dort hat sie auch den praktischen Teil für ihre Prüfung zur Kulturführerin abgelegt, ergänzt die Frau mit den schulterlangen blonden Haaren. Prägend für Rottenbuch war das Augustiner-Chorherrenstift. Der Weg des heiligen Augustinus sei „nicht immer gradlinig“ verlaufen. Aber trotz Irrungen und Wirrungen habe er nie das Vertrauen verloren, dass sich Vieles zum Guten wendet. Diesen Leitsatz möchte Elisabeth Welz, die getrennt lebt und einen Buben mit acht Jahren sowie eine Tochter mit fünf Jahren hat, auch auf den eigenen Werdegang ummünzen, der von manchen Veränderungen geprägt ist.

Als sie fünf Jahre war, zog sie mit den Eltern von Peiting nach Schongau. Im Anschluss an die Realschule machte sie eine Ausbildung zur Optikerin. Dann besuchte sie die Berufsoberschule in Kaufbeuren. Ein Jahr war sie Au-pair bei einer Familie in der Provence. Wieder zurück in Oberbayern, verbrachte sie ein Jahr im Kloster: In Scheyern absolvierte sie die 13. Klasse der BOS im technischen Zweig; in dieser Zeit lebte sie innerhalb der Klostermauern.

2004 kam sie nach Schongau, wo sie ihren Mann kennen lernte. Es folgte eine neunmonatige Schulung in Weilheim im Bereich „Vertrieb und Marketing“. „Eine gute Entscheidung“, so Elisabeth Welz rückblickend. 2007 fing sie sie bei der „Touristinfo“ in Schongau an. Nur ein gutes Jahr später wechselte sie zum „Tourismusverband Pfaffenwinkel“ ins Büro an der Bauerngasse. Mittlerweile ist sie dort neun Jahre beschäftigt. Sie liebe die Arbeit und sie schätze die Kollegen, sagt die Schongauerin. Den Wechsel bezeichnet sie heute noch „als Glücksgriff“. Beim Tourismusverband arbeitet sie in Teilzeit in einem fünfköpfigen Team. Sie ist Ansprechpartnerin für Gäste, gibt Tipps zu Reisen und Ausflügen, beantwortet telefonische Anfragen aus ganz Deutschland, hilft bei der Aktualisierung der Internetseite oder kümmert sich um bestimmte Projekte, wozu die neue Homepage gehört, die Ende des vergangenen Jahrs freigeschaltet wurde.

Vom Tourismusverband kam auch die Anregung, sich zur Kulturführerin ausbilden zu lassen, hält Elisabeth Welz Rückschau. 14 Frauen und Männer aus dem Landkreis waren es, die sich anfangs dafür interessierten. Die Ausbildung ging über ein halbes Jahr und fand an mehreren Wochenenden statt. Wer das ganz durchgezogen hat? Das sind die Frauen, die bestens vernetzt sind, sich regelmäßig absprechen und sich zum Jahresresümee treffen: Welz, Maria Sporer und Edith Brey.

Hochsaison haben die Kulturführerinnen im Frühling und im Frühherbst. Geordert werden sie häufig übers Internet; Anfragen kommen auch von örtlichen Touristinfos, von der Gastronomie, von Pfarreien, von Vereinen und von Betrieben. Zur Hälfte sind es einzelne Stationen – wie Führungen in Steingaden in der Kirche mit Klostergarten und Marktplatz oder auch in Füssen. Zur anderen Hälfte sind es Pakete mit mehreren Programmpunkten, wie Radom, eine Schifffahrt auf dem Ammersee, ein Aufenthalt im Kloster Andechs und die Fahrt auf den Hohen Peißenberg.

Welz hat beruflich viel mit Kultur zu tun. Gefallen findet sie privat an Rock und Pop, Open Airs und auch an klassischen Konzerten. Ausgleich findet sie beim Wandern, Laufen, Klettern in den Ammergauer Bergen, im Werdenfels und in den Allgäuer Alpen. Ihre Lieblingsfarbe ist das kraftvolle Rot, bekundet die temperamentvolle Frau, die zugleich die Ansicht vertritt, dass Emotionen „rausmüssen“, damit Freude im Herzen einkehren kann.

Ihre Lieblingsspeise? Es ist ein Dessert: Apfelstrudel zum Cappuccino. „Am besten auf einer Berghütte“, denkt sie an die süße Belohnung nach dem Aufstieg. Zur Kultur gehören für Elisabeth Welz auch die Gaumenfreuden. Apfelstrudel und Cappuccino hat sie sich neulich auch in einem Gasthof in der Wies gegönnt – beim Gespräch für diesen Beitrag.

Johannes Jais

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