Anspruch und Wirklichkeit klaffen auseinander

Weilheim - 184 Junghandwerker aus dem Oberland wurden in der Weilheimer Stadthalle frei gesprochen

Die Jahre zuvor hatte Kreishandwerksmeister Peter Sprenger die Gelegenheit gern genutzt, um auf die Politik zu schimpfen und die Aufweichung des Meisterzwangs als Gefahr für die handwerkliche Qualität zu geißeln. Bei der diesjährigen Freisprechungsfeier der Kreishandwerkerschaft Oberland in der Weilheimer Stadthalle verzichtete der Peitinger Unternehmer allerdings auf scharfe Worte zur wirtschaftlichen Lage. Stattdessen schrieb er dem beruflichen Nachwuchs zu den Klängen der Gymnasiums-Big-Band einen Bildungsauftrag ins Gebetbuch. Die Gesellenbriefe sind zwar „eine Auszeichnung und Würdigung Ihrer Leistung“, sprach er, „aber vor Ihnen liegt ein langes Berufsleben“. Sprenger mahnte dafür die Bereitschaft an, „über den eigenen Tellerrand hinaus zu blicken“. Sprenger beklagte „,mangelnde Kenntnisse“ mancher Lehrlinge, die einher gingen mit „schulischen Versäumnissen“. Der Unternehmer nahm kein Blatt vor den Mund: „Bei vielen klaffen Berufswunsch und fachliche Qualifikation auseinander.“ Aber das Handwerk mit seinen 4000 Betrieben in der Region könne „kein Auffangbecken für schlechte Schüler“ sein.

Deshalb war auch die Durchfall-Quote bei den Abschlussprüfungen relativ hoch. Nach dreieinhalb Jahren Lehre bestanden von 206 Prüflingen genau 184 die Abschlussprüfung. Schlimm für Sprenger: Von den 22 Erfolglosen scheiterten 15 bereits im theoretischen Teil.

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