Die Inhaber der Zimmerei „Berger & Ottl“ schalten nach zweimaligem Einbruch Anzeige in der Heimatzeitung und bitten Bürger um Mithilfe

Das ist die Geschichte hinter der Anzeige

"Nichtsnutzige Grattler" beklauen Handwerker

Obersöchering - Die Zimmerei "Berger & Ottl" aus Habach sucht per Anzeige nach "nichtsnutzigen Grattlern". Die Annonce verbreitet sich via Facebook - und wir erzählen die Geschichte dahinter:

Am vergangenen Wochenende war in dieser Zeitung eine Anzeige zu lesen: Die Zimmerei „Berger & Ottl“ aus Obersöchering bittet die Leser um Mithilfe. In die Halle des Handwerksbetriebes wurde eingebrochen, Maschinen gestohlen. Die Täter? „Nichtsnutzige Grattler“, so steht es zumindest in der Zeitungsanzeige. Wer etwas beobachtet hat, soll sich melden.

Diese Anzeige erschien im Lokalteil.

Einen Hinweis habe es seit dem Erscheinen der Anzeige gegeben, sagt Rudolf Ottl, Inhaber der Zimmerei. „Der hat sich aber inzwischen erledigt“, so der Handwerker. Trotzdem hofft Ottl, dass sich weitere Bürger melden – schließlich haben die Täter schon zwei Mal zugeschlagen. Der erste Einbruch in die Lagerhalle, die in Dürnhausen steht, geschah vor rund zwei Monaten. Die Diebe flexten das Schloss am Hallentor auf und gelangten so nach innen. Dann brachen sie einen darin stehenden Container auf, packten daraus Schleifmaschinen, Kreissägen und andere Hand-Zimmereimaschinen ein und machten sich aus dem Staub. Das zweite Mal verschafften sich die Täter – die Polizei geht davon aus, dass es die gleichen sind wie beim ersten Einbruch – von Freitag, 31. Mai, auf Samstag 1. Juni Zutritt zur Halle, und wieder nahmen sie Maschinen mit. Der Schaden für Rudolf Ottl liegt insgesamt bei rund 14 000 Euro. Ganz abgesehen von dem Ärger, den er durch die Einbrüche hatte.

Weil die Einbrecher nicht alle Maschinen mitgenommen haben, sondern es auf ganz bestimmte abgesehen hatten, vermutet der Handwerker Täter „vom Fach“. „Die Einbrecher wussten, was sie tun.“ Vielleicht haben sie die Maschinen „auf Bestellung“ zusammengeklaut und verkaufen sie jetzt weiter, vermutet der Zimmerer. Ottls Bitte lautet deshalb: Wer eine Zimmerei-Handmaschine angeboten bekommt, soll sich melden. Auf einen solchen Hinweis hofft auch die Penzberger Polizei. Da in der letzten Zeit in keinem anderen Betrieb im Landkreis eingebrochen wurde, geht sie nicht davon aus, dass eine Bande am Werk war. Die Täter seien eher aus der Region.

So oder so bleibt Zimmerer Ottl auf dem Schaden sitzen – versichert hat er seine Maschinen nämlich nicht. „Das wäre viel zu teuer“, sagt er. Tatsächlich müsse ein Handwerksbetrieb abwägen, ob sich eine Versicherung für Handmaschinen lohnt, sagt Jan von Gruchalla, Betriebsberater der Handwerkskammer. „Würde man gegen alle Risiken versichern, wäre man schnell pleite.“ Er rät eher dazu, sich vor Einbrüchen zu schützen. Das hat jetzt auch Rudolf Ottl vor. Er will eine Überwachungsanlage an der Halle installieren. Das muss reichen: „Ich kann ja keinen scharfen Hund da drin einsperren.“ Er hofft einfach, dass der Spuk jetzt ein Ende hat. Sonst müsse er sich um seine Existenz sorgen: „Passiert das noch zwei Mal, bin ich weg vom Fenster.“

Veronika Stangl

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