Flüchteten sie vor der Bleibe?

Asylbewerber spurlos vom Auerberg verschwunden

Bernbeuren - Das Ex-Kreisjugendheim auf dem Auerberg ist vom Landkreis Weilheim-Schongau als Asylbewerberunterkunft angemietet worden. Am Donnerstag trafen zehn Männer aus Syrien ein. Doch acht sagte die Bleibe nicht zu. Sie marschierten davon.

„So etwas ist uns noch nie passiert“, berichtet Helmut Estermann, Leiter der Ausländerbehörde im Weilheimer Landratsamt. Derzeit sei nicht bekannt, wo sich die acht Syrer aufhalten.

Zur Vorgeschichte: Alles musste ganz schnell gehen. Am Mittwochnachmittag hatte Estermann erfahren, dass am nächsten Tag - also am Donnerstag - 20 Asylbewerber aus Syrien im Landkreis Weilheim-Schongau eintreffen werden. „Darauf waren wir eigentlich gar nicht vorbereitet“, hieß es aus dem Landratsamt.

Doch dann ergab sich relativ schnell eine Lösung. Zehn Syrer fanden in der Gemeinde Ingenried in einem Privathaus eine Unterkunft, die anderen zehn sollten auf dem Auerberg untergebracht werden. Dort ist das ehemalige Kreisjugendheim vorsorglich schon mal umgebaut worden. Von den bisher 24 Schlafplätzen sind zwölf entfernt worden. Auch die sanitären Anlagen wurden erneuert. Da gibt es jetzt nichts mehr zu beanstanden

Doch oben auf dem Auerberg fühlen sich die Asylbewerber anscheinend nicht wohl. „Einige haben die vorgesehene Unterkunft überhaupt nicht betreten“, schildert Estermann gegenüber der Heimatzeitung. Bei einem Besuch auf dem auerberg haben die Schongauer Nachrichten gestern Nachmittag allerdings drei Syrer angetroffen. Sie sagen im Gegensatz zu Estermann, dass sie insgesamt zu zwölft waren.

Die drei heißen Mustafa, Ali und Ismail. Letzterer wünscht sich nichts sehnlicher, als dass seine Familie, die noch in Syrien in einer zerbombten Wohngegend ausharrt, nach Deutschland nachkommt. „Zum Urlaub machen eignet sich die Unterkunft wunderbar“, sagen die drei Asylbewerber in einem gebrochenen Englisch. Aber dort oben hätten sie keinerlei Kontakt zur deutschen Bevölkerung. Wie sollten sie da die deutsche Sprache lernen? Sie dürften die Auerberg-Gaststätte nicht betreten, nicht einmal zum Zigarettenholen. Die müssten sie sich im vier Kilometer entfernten Bernbeuren besorgen.

Vor der neuen Asylbewerberunterkunft ist ein eineinhalb Meter großer Bauzaun aufgestellt worden, damit die Syrer das angrenzende Umland nicht betreten können. Zwischen Haus und Bauzaun bleibt für den Zugang zur Unterkunft somit nur ein schmaler Gang, gerade mal einen halben Meter breit.

Zum Hintergrund: Eigentlich hätte der Landkreis Weilheim-Schongau das Kreisjugendheim weiterhin für Freizeitaufenhalte von Kindern und Jugendlichen anpachten wollen, nachdem der alte Pachtvertrag nach 50 Jahren ausgelaufen war. Doch dazu hätte man auch das Umfeld um das kleine Häuschen benötigt. Diesbezüglich kam aber keine Einigung mit dem Besitzer des Panorama-Gasthofs zustande - und dies bedeutete auch das Aus für das Kreisjugendheim.

Laut Stefan Frey, Pressesprecher der Regierung von Oberbayern, sind die Asylbewerber eigentlich verpflichtet, die zugewiesene Unterkunft anzunehmen. Andernfalls wäre das ein Verstoß gegen das Aufenthaltsbestimmungsrecht. Nach einer gewissen Zeit würde dies sicherlich auch geahndet.

Frey geht allerdings davon aus, dass die fehlenden Asylbewerber freiwillig wieder zurückkehren, denn der ganze Schriftverkehr mit dem Bundesamt für Migration, der das Asylverfahren betrifft, geht an die Adresse auf dem Auerberg. Dorthin würden auch die Lebensmittelpakete geliefert. „Die jungen Männer tauchen bestimmt bald wieder auf“, rechnet der Regierungssprecher.

Laut Estermann dürfen sich die Asylbewerber im Landkreis Weilheim-Schongau und auch in Oberbayern frei bewegen - sowie auch im angrenzenden Landkeis Ostallgäu.

mg

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