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Schreckschusswaffen dürfen in der Öffentlichkeit getragen werden, vorausgesetzt, der Besitzer hat einen so genannten kleinen Waffenschein. Die Nachfrage danach hat im Landkreis stark zugenommen. 

Kleiner Waffenschein begehrt 

Die Bürger rüsten auf

Landkreis - Kleiner Schein groß im Kommen: Die Nachfrage nach dem  kleinen Waffenschein hat sich im Landkreis innerhalb eines Jahres verdoppelt. 

 Immer mehr Bürger wollen den kleinen Waffenschein. Dies stellt Helmut Stork fest, der im Landratsamt Weilheim-Schongau für öffentliche Sicherheit und Ordnung zuständig ist. Im Jahr 2014 seien 27 Anträge bewilligt worden, 2015 waren es bis Anfang Dezember bereits 59, also mehr als doppelt so viele. Insgesamt gebe es im Landkreis rund 450 Personen, die den kleinen Waffenschein haben.

Woran die wachsende Nachfrage liegt, weiß Stork nicht, auch nicht, ob es eine bestimmte Nutzergruppe gibt. Um den Schein zu bekommen, müsse nämlich kein spezielles Bedürfnis nachgewiesen werden. Vielmehr erhalte jeder Volljährige auf Wunsch diesen Schein, der zum Führen von Schreckschuss-, Signal- und Reizstoffwaffen in der Öffentlichkeit berechtigt.

Allerdings gilt er nur für Waffen, die das Prüfzeichen der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt tragen, das ihnen bescheinigt, dass die Energie eines Schusses weniger als 7,5 Joule beträgt.

Dass Schreckschuss- und ähnliche Waffen die Sicherheit des Trägers erhöhen, bezweifelt Stork. Nach seiner Einschätzung kann eine solche Waffe den Benutzer, der sich nur damit verteidigen will, sogar gefährden. Ein anderer, der eine Schreckschusswaffe nicht als solche erkenne, könnte seinerseits in Selbstverteidigungsabsicht mit einer richtigen Waffe zurückschießen.

Bei der Polizei ist der kleine Waffenschein „im Moment kein Thema“, so der Pressesprecher des Polizeipräsidiums Süd, Stefan Sonntag. Es gebe derzeit „kaum Fälle, in denen die Träger solcher Waffen die Polizei vor Probleme gestellt“ hätten.

Neben dem kleinen Waffenschein gibt es die Waffenbesitzkarte und den Waffenschein. Die Waffenbesitzkarte müssen laut Stork alle Jäger und Sportschützen haben. Auf ihr sind alle Waffen eingetragen, die der Inhaber der Karte zur Verfügung hat. Er darf dann diese Waffen zu ihrem Einsatzort, also ins Jagdrevier oder an den Schießstand, transportieren, allerdings nur in ungeladenem Zustand und in einem verschlossenen Behältnis.

Der eigentliche Waffenschein ist laut Stork „relativ selten“. Im Landkreis seien derzeit nur rund 20 Stück ausgestellt. Er berechtigt zum Führen der Waffe, also zum Tragen der Waffe in der Öffentlichkeit. Die meisten Waffenscheine hätten Mitglieder von Bewachungsunternehmen, die im Personenschutz tätig sind. Diese dürften aber nur so genannte Kurzwaffen, also Pistolen und Revolver, mit sich führen.

Eine Ausnahme gebe es nur für Einsätze im maritimen Bereich. Wachpersonal, das Schiffe sichere, dürfe auch Langwaffen, also Gewehre, benutzen. Maschinengewehre und Maschinenpistolen sind laut Stork der Polizei und der Bundeswehr vorbehalten.

Bei Sammlern sieht die Sache etwas anders aus. Die Waffenbesitzkarte für Sammler werde vom Bundeskriminalamt ausgestellt. Der Sammler müsse diese Waffen gesichert aufbewahren. Auch nach Deutschland einreisende Personen dürfen laut Stork nicht unkontrolliert Waffen mit sich führen. Wer zur Jagd oder zu einer Schießsportveranstaltung nach Deutschland kommt, müsse einen europäischen Feuerwaffenpass vorlegen können. Außerdem sind für den Transport über die Grenze Genehmigungen erforderlich.

Probleme mit Erbstücken

Laut Stork gibt es auch die Möglichkeit, unwissentlich Besitzer einer Schusswaffe zu sein, etwa, wenn man ein Haus erbt, in dem man dann eine Waffe findet. Diese dürfe man nicht behalten, wenn man dazu nicht berechtigt sei, dürfe sie aber an einen Berechtigten verkaufen. In jedem Fall sollte man die Waffenbehörde am Landratsamt informieren. Wenn diese nicht erreichbar sei, etwa am Wochenende, sollte man den Fund der Polizei melden.

Alfred Schubert

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