Corona-Selbstest in der Schule
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Corona-Selbsttest in der Schule

Freitag so, Sonntag anders

Inzidenz-Chaos: Landkreis will Schulen und Kitas erst öffnen - dann kommt das böse Erwachen für Eltern

  • vonWolfgang Schörner
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Kommando zurück: Die Schulen und Kitas öffnen doch nicht. Das Landratsamt Weilheim-Schongau hat am Wochenende die Ankündigung von Freitag revidiert. Der Frust bei Eltern ist groß.

Landkreis - Die Schulen im Landkreis Weilheim-Schongau werden am Montag, 12. April, doch nicht für alle Schüler öffnen. Nichts wird es mit dem erst am vergangenen Freitag vom Landratsamt angekündigten Präsenzunterricht samt Testpflicht. Ab Montag gilt Distanzunterricht an den Landkreis-Schulen. Das teilte das Landratsamt am Wochenende mit.

Schulen und Kitas ab Montag wieder geschlossen - wegen zu hoher Inzidenz

Ausgenommen sind lediglich die vierten Jahrgangsstufen an den Grundschulen, die elften Jahrgangsstufen an Gymnasien und Fachoberschulen sowie die Abschlussklassen. Für sie kann Präsenz- oder Wechselunterricht stattfinden, wenn sie getestet sind und die Mindestabstände von eineinhalb Metern eingehalten werden können. Außerdem dürfen die Kindertagesstätten nicht öffnen. Sie können nur eine Notbetreuung anbieten.

Die neuen Regelungen gab das Landratsamt am Samstag bekannt. Grund ist, dass die Sieben-Tage-Inzidenz drei Tage hintereinander über 100 liegt. Abzusehen war das allerdings auch schon am vergangenen Freitag. An diesem Tag hatte das Landratsamt mitgeteilt, dass ab Montag wieder Wechselunterricht an den Schulen stattfinden darf. Voraussetzung für die Öffnung war, dass die Schüler einen Corona-Test machen.

Wut? Frustration? Mutter äußert Kritik wegen wechselnder Beschlüsse anhand der Inzidenz

Schulen, Lehrer und Kinder stellten sich auf die Schnelle darauf ein. Doch einen Tag später galt das nicht mehr. Nun müssen die Eltern schauen, wie sie Beruf, „Home Schooling“ und Kinderbetreuung in Windeseile unter einen Hut bringen können. Fassunglos ist zum Beispiel Tanja Kögl aus Schwabbruck über die „wechselnden, widersprüchlichen Beschlüsse innerhalb von drei Tagen“. Sie wisse nicht, was diese Nachricht in ihr auslöse: Wut? Frustration? Unverständnis? Resignation? Die Mutter berichtet, wie sie ihren zwei Töchtern, zehn und acht Jahre alt, erklärte, was Präsenzunterricht mit Testpflicht bedeutet. Sie habe mit ihnen einen von der Schule empfohlenen Informationsfilm über den Selbsttest angeschaut, habe ihnen Mut gemacht und versucht, ihnen die Angst vor einer möglichen Ausgrenzung an der Schule in Folge eines positiven Tests zu nehmen.

Kinder leiden: „Können Sie sich vorstellen, welches Durcheinander mittlerweile in deren Köpfen herrscht?“

Und jetzt darf die eine Tochter samt Tests in die Schule, weil sie Viertklässlerin ist, und die andere Tochter muss daheim bleiben. „Können Sie sich vorstellen, welches Durcheinander mittlerweile in deren Köpfen herrscht?“, schreibt sie an die Redaktion. Tanja Kögl sagt auch, dass sie selbst zwar zeitlich flexibel ist. Sie wisse aber von anderen Müttern, wie viel Stress und Unruhe die Entscheidung für den Distanzunterricht in deren Familien bringt. Ebenso erinnert sie an die Lehrer und Lehrerinnen, die sich von heute auf morgen den Entscheidungen anpassen müssten. „Auch ihnen gehen langsam die Kräfte aus, und die Motivation sinkt“, so die Schwabbruckerin.

Vater kritisiert: Landratsamt hätte Entwicklung absehen können

Nicht nachvollziehbar findet Ralph Kennig aus Weilheim das Vorgehen des Landratsamtes. Er kritisiert in einem Brief an die Redaktion, dass am Freitag die Entscheidung, die Schulen ab Montag zu öffnen, auf Basis des RKI-Werts von Donnerstag (unter 100) fiel, obwohl abzusehen war, dass er steigen wird. Landratsamt-Sprecher Rehbehn bestätigte am Sonntag, dieses Vorgehen. Der Grund nennt er die Verordnung für die Bekanntmachungen. Am Montag werde man besprechen, so Rehbehn, wie man dies künftig pragmatischer handhaben könne.

Einzelhandel: Ab Dienstag gilt im Landkreis „Click & Meet“ mit Testpflicht

Ab Dienstag, 13. April, gilt im Landkreis Weilheim Schongau die neue Regelung „Click & Meet“ mit Test. Das hat das Landratsamt-Sprecher Hans Rehbehn am Sonntag auf Nachfrage bestätigt. Kunden von Ladengeschäften müssen laut Gesundheits- und Wirtschaftsministerium vorher einen Termin in dem Geschäft buchen und dann ein negatives Corona-Testergebnis vorlegen: entweder einen PCR-Test (maximal 48 Stunden alt), einen Antigen-Schnelltest (maximal 24 Stunden alt) oder einen Selbsttest unter Aufsicht des Ladenbetreibers. Alle bedarfsnotwendigen Läden wie Lebensmittelmärkte sind weiterhin normal geöffnet. Das Landratsamt will am heutigen Montag auf seiner Internetseite eine Liste veröffentlichen, welche Geschäfte betroffen sind.

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