+
Ein Mittel zum „Nicht-Vergessen-Werden“: Auch dafür ist der Außer-Haus-Verkauf gut, hier (v.l.) Chefkoch Jürgen Lohwasser, Valentin Jurcane sowie Inhaberin Katharina Haller vom Gasthof Sonne in Peißenberg.

Das sagen Wirte im Landkreis Weilheim-Schongau

Coronavirus: Gaststätten müssen noch auf Lockerungen warten - „Wir hängen total in der Luft“

Dass Hotels, Restaurants, Cafés und Bars trotz einiger leichter Lockerungen der Corona-Einschränkungen noch nicht öffnen dürfen – das hatten die meisten Gastronomen im Landkreis erwartet. Und sie haben dafür durchaus auch Verständnis. Aber selbst wenn nach Pfingsten, wie jetzt von der Politik angedeutet, die Gastronomie wieder hochgefahren werden sollte: Es gibt Verärgerung über die Unsicherheit, wie es weitergeht.

VON RALF SCHARNITZKY

Landkreis „Insgesamt habe ich in dieser Situation für alles Verständnis“, sagt Gerlinde Sirch vom Grill-Shop in Weilheim. Sie bietet in ihrem Restaurant seit vergangenen Mittwoch nach dreiwöchiger Schließung über Mittag wieder Speisen zum Mitnehmen an: „Vor allem wegen unserer Mitarbeiter und unserer Stammkunden, die sehr glücklich sind, dass wir wieder was anbieten.“ Im Nachhinein fragt sie sich, ob die Schließung notwendig gewesen wäre: „Aber hinterher ist man ja immer schlauer.“ Es wird weitergehen, sagt die Geschäftsfrau, auch wenn einige Betriebe wohl leider aufgeben werden: „Wir für uns sind zuversichtlich.“

Wirtin der „Sonne“: Die Gesundheit geht vor, entlassen wird niemand

Dass die Gastronomiebetriebe bei den aktuellen Regelungen noch kein Thema sind, war für Katharina Haller schon vorher klar: „Die Gesundheit der Menschen geht vor.“ Die Besitzerin des „Gasthaus Sonne“ in Peißenberg glaubt, dass derzeit sowieso kaum Gäste kommen würden: „Viele hätten sicher noch Probleme mit einem Gasthausbesuch.“

Der Wirtin, die auch stellvertretende Kreisvorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbandes ist, ist es lieber, noch eine Weile abzuwarten. Nichts wäre nach ihrer Ansicht schlimmer, als jetzt die Gastronomie zu öffnen und „dann wieder schließen zu müssen, weil die Infektionszahlen steigen“. Der Außer-Haus-Verkauf in der „Sonne“ ist für Haller auch ein Mittel zum „Nicht-Vergessen-Werden“. Ihre Mitarbeiter sind in Kurzarbeit: „Entlassen wird niemand. Ich brauche sie ja, wenn es wieder losgeht.“

Richtig planen lässt sich auch für die Zeit nach Pfingsten nicht

„Wir hängen total in der Luft“, beklagt sich Uschi Daisenberger vom Landgasthof „Zum Eibenwald“ in Paterzell. So richtig planen kann sie auch für die Zeit nach Pfingsten nicht: Bis in den Oktober hinein hat sie zum Beispiel jedes Wochenende Hochzeitsfeiern in ihrem Kalender stehen – aber fällt ein Fest mit leicht mal mehr als 100 Gästen unter Großveranstaltung? Die künftigen Brautpaare rufen an und fragen nach, ob ihre Feier stattfinden kann: „Was soll ich denen sagen? Wir brauchen von der Politik endlich mal klare Aussagen“, sagt die Wirtin des Ausflugsrestaurants, die aber weiß, dass das für die politisch Verantwortlichen sicher schwierig ist. Auch sie versucht, ihre festen Mitarbeiter zu halten. Drei ihrer vier Lehrlinge sind für die Verkauf nach draußen eingesetzt.

Strobl-Wirt sorgt sich auch um die Künstler

Komplett geschlossen hat inzwischen der „Stroblwirt“ in Oberhausen – alle Mitarbeiter sind in Kurzarbeit und der Lieferdienst sowie der Außer-Haus-Verkauf sind eingestellt. Franz Strobl nutzt die Zeit, um Renovierungen im Haus vorzunehmen, die eigentlich im Juni stattfinden sollten: „Mein Heizungsbauer und mein Elektriker haben sich aktuell Zeit für mich nehmen können.“ Auch für ihn ist klar: „Ich entlasse keine Leute.“ Kritik übt er am zu geringen Kurzarbeitergeld und an der fehlenden Absicherung der 450-Euro-Kräfte. Und er denkt an seine Künstler, die nun nirgendwo auftreten können: „Die trifft es besonders hart.“ Einige gestrichene Auftritte in seiner Kleinkunstbühne hat Strobl aufs zweite Halbjahr verschoben.

Für Reinhard Bott ist klar: „Wir müssen über die Runden kommen. Wir können den Kopf nicht in den Sand stecken.“ Der Gastronom hat erst Mitte vergangenen Jahres mit großem finanziellen Aufwand den „Pöltner Hof“ mit Restaurant und Hotel eröffnet. Lediglich drei bis fünf der mehr als 40 Zimmer sind pro Woche belegt: mit Geschäftsleuten, die ihr Frühstück auf dem Zimmer einnehmen müssen.

Viele Gastronomen haben To-Go-Angebote

Relativ entspannt sieht Miriam Sacher von der „KostBAR“ in Penzberg die Situation: „Schön ist es nicht. Aber die Gesundheit der Menschen ist wichtiger.“ Sie betreibt die Cafebar in der Rathauspassage seit Juni 2019 zusammen mit ihrer Schwester, die derzeit aber auf ihre Kinder aufpassen muss: „Aber das, was ich zurzeit an Arbeit habe, schaffe ich auch alleine.“ Sie hofft, dass ihr To-Go-Angebot über Mittag noch mehr nachgefragt wird, wenn die Geschäfte in ihrer Einkaufspassage wieder geöffnet werden dürfen. Sie hält ihr Café aber auch noch aus einem sozialen Grund mittags offen: „Ich habe viele ältere allein stehende Kunden, für die meine Bar bei ihrem täglichen Spaziergang ein Fixpunkt ist – für einen kurzen Ratsch.“

Lesen Sie auch: Corona-Krise - So ist die Situation im Landkreis Weilheim-Schongau

Und: Badespaß 2020 am Dietlhofer See: Noch ist vieles unsicher

Auch interessant: Masken-Gebot trifft auf Masken-Not - doch die Unterschiede sind groß

Über ein „Danke“ in Zeiten von Corona freuen sich wohl viele Mitarbeiter in systemrelevanten Berufen. In Weilheim haben sie nun besondere Botschaften erhalten.

Weilheim als zweites Wuhan? Peta-Tierschützer wollen den Kleintiermarkt verbieten - wegen der Gefahr einer neuen Pandemie nach Corona.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Kommentare