„Der Siedlungsdruck wird gewaltig“

Landkreis - Mit einem deutlichen Bevölkerungszuwachs in der Region rechnet Bernrieds Bürgermeister Josef Steigenberger, der auch im Gemeindetag aktiv ist.

Eine Studie der Bertelsmann-Stiftung sagt für den Großraum München bis ins Jahr 2030 ein Bevölkerungswachstum von bis zu 250 000 Einwohnern voraus - inklusive Flüchtlinge sollen es sogar 400 000 sein. Was das alles mit dem Landkreis Weilheim-Schongau und letztlich auch mit der Gemeinde Bernried zu tun hat? Nach Meinung von Bürgermeister Josef Steigenberger „sehr viel“: „Der Siedlungsdruck nach außen in die Regionen wird gewaltig werden.“

Es sei nicht nur München, sondern ganz Oberbayern betroffen, prognostiziert der Rathauschef, der durchaus weiß, wovon er spricht: Steigenberger ist neben seinem Bürgermeisteramt noch als Vorsitzender im Bezirksverband des Bayerischen Gemeindetags tätig - und in dieser Funktion ist er nicht nur bis in die höchsten Ebenen der Landespolitik vernetzt, er sitzt damit auch direkt an den Informationsquellen.

Während man im Landratsamt keinerlei statistische Zahlen vorliegen hat, rechnet Steigenberger für den Landkreis für die nächsten 10 bis 15 Jahre mit einem Bevölkerungszuwachs von bis zu 20 000 Einwohnern: „Diese Zahl kann ich mir vorstellen“, sagt Steigenberger. Schließlich liege der Landkreis im nächsten Ring um die Metropolregion München. „Und das Thema ,Asyl‘ ist ein Beschleuniger des Problems.“ Beim Gemeindetag bemüht man sich schon seit längerem, die Folgen des Siedlungsdrucks zu veranschaulichen - zuletzt im Rahmen einer Bezirksversammlung in Germering, bei der Steigenberger einen 25-minütigen Vortrag zum Thema hielt. Unter dem Strich geht es dabei vor allem um die Auswirkungen auf kleinere Kommunen wie Bernried. Wie lassen sich dörfliche Strukturen erhalten, wie können neue Wohnräume sowie Arbeitsplätze geschaffen werden, und wie sieht es eigentlich mit der Planungshoheit der Gemeinden aus - sprich, sind die Kommunen aufgrund des Flüchtlingszustroms eventuell sogar zum Wachstum gezwungen? All das sind Fragen, die im Gemeindetag auf der Agenda stehen.

In punkto „Asylpolitik“ spricht sich Steigenberger übrigens wie die Kanzlerin gegen Obergrenzen aus: „Frau Merkel hat da meines Erachtens Recht.“ Was Steigenberger jedoch ärgert: „Dass nicht über die Welle danach gesprochen wird.“ Wenn Asylbewerber den Status als anerkannte Flüchtlinge erhalten, dann sind die Kommunen als Obdachenlosenbehörden für deren Unterbringung zuständig - das heißt, dass die Gemeinden in der Region nicht nur den Siedlungsdruck aus München abfangen, sondern auch Wohnraum für die Flüchtlinge aus dem Boden stampfen müssen. Eine Umfrage des Gemeindetags hat jedoch ergeben, dass sich die meisten Kommunen äußerst schwer tun, neues Bauland zu erschließen.

Auch in Bernried sind die Grundstücke knapp. Fast 80 Prozent des Gemeindegebiets liegen im Landschaftsschutzgebiet. Steigenberger wünscht sich für Bernried ein „organisches Wachstum“, in dem sich Gewerbe und Infrastruktur parallel zur Bevölkerungszahl mitentwickeln. Denn eines darf laut Steigenberger nicht passieren: „Dass die ländlichen Gemeinden zu Schlafstädten verkommen. Es braucht in der Region Arbeitsplätze. Es darf sich nicht alles auf München konzentrieren.“

„Gleiche Lebensbedingungen in Stadt und Land“, das ist für Steigenberger ein zentraler Baustein, damit die Außenlandkreise den Siedlungsdruck und den Flüchtlingszustrom bewältigen können. In diesem Zusammenhang fehlt dem Rathauschef aber noch ein landesplanerisches Gesamtkonzept: „Wir wissen, dass die Leute kommen. Momentan laufen wir aber ungeplant in die Situation rein.“

Steigenberger wünscht sich für die Kommunen mehr Flexibilität, finanzielle Unterstützung beim Wohnungsbau und gesetzliche Lockerungen - wobei er vor allem das städtebauliche Anbindungsgebot für Gewerbeflächen im Visier hat: „Wir brauchen unbedingt die Arbeitsplätze auf dem Land, aber eine Firma wie ,Roche’ in Penzberg dürfte nach der heutigen Gesetzeslage gar nicht mehr gebaut werden.“ Dennoch: Steigenberger sieht nicht pessimistisch in die Zukunft. „Pro-aktiv handeln“ lautet sein Credo: „Es ist eine Aufgabe, die wir schaffen müssen - weil wir keine andere Möglichkeit haben“, sagt Steigenberger.

Bernhard Jepsen

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Winter hat Bahn- und Straßenverkehr fest im Griff
Landkreis – Inzwischen hat er sich eingerichtet, der Winter, der zum Jahresbeginn dann doch Einzug gehalten hat. Was Kinder und Freunden der kältesten Jahreszeit große …
Winter hat Bahn- und Straßenverkehr fest im Griff
Leberkasessen oder Schlittenfahren?
Landkreis –Viele Urlauber kommen besuchen im Sommer den Pfaffenwinkel, doch wie sieht es im Winter aus? Die Heimatzeitung hat nachgefragt.
Leberkasessen oder Schlittenfahren?

Kommentare