Der Ettinger Bach - ein Juwel

Etting - Der Ettinger Bach ist einzigartig: Er speist sich aus sprudelnden Quellen, lässt an seinen Ufern seltene Tiere leben und bringt Orchideen zum Blühen. Idylle pur - wenn da nicht zwei Sorgenkinder wären.

Vor einem Jahr fotografierte Biologe Burkhard Quinger den Ettinger Bach südlich des Dorfes. Dieser Teil des Gewässers war von Brunnenkresse bewachsen. Beobachtenswert, aber noch nicht so schlimm, fand Quinger. Vor kurzem suchte der Fachmann, der den Ettinger Bach für das Regierungsprojekt „Natura 2000“ (siehe Kasten) begutachtete, die Stelle noch einmal auf - und bekam einen Schreck. Überall Brunnenkresse, die den anderen Pflanzen am Bachufer den Lebensraum raubt. Eine „gravierende Belastung“ habe er festgestellt, sagte Quinger vergangene Woche bei einem Treffen mit Vertretern der Regierung von Oberbayern, der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt und interessierten Ettingern. Die einzige Lösung, der Brunnenkresse Herr zu werden: Entkrautung unter fachlicher Aufsicht.

Abgesehen von der Brunnenkresse und einem Biber, der den Ettinger Bach mit seinen Burgen aufstaut, und so die angrenzenden Wiesen unter Wasser setzt, ist der Bach und das FFH-Gebiet drumherum in einwandfreiem Zustand, so das Urteil des Biologen. Von einem Juwel spricht gar Regierungs-Vertreter Elmar Wenisch. An diesem einzigartigen Stück Natur sehe man deutlich, dass die Pflege funktioniert.

Diese übernehmen seit jeher die Landwirte, denen die Streuwiesen am Bach gehören. Umsichtig erledigen sie regelmäßig die Mahd. Und sie merken, wenn etwas nicht stimmt mit „ihrem“ Bach. „Unsere Viecher weiden am Bachufer. Doch zur Zeit kommen sie nicht mehr hin und zurück“, so eine Landwirtin. Selbst für das leichte Jungvieh seien die Wiesen zu nass. Die Tiere sinken ein, berichtet die Frau. Schuld daran sei auch die Brunnenkresse. Sie verhindert, so Biologe Quinger, dass das Wasser aus Quellen, die in dem Gebiet überall im Boden verborgen sind, in den Bach abläuft. Stattdessen staut es sich auf den Wiesen. Weil der Gemeinde Polling, zu der Etting gehört, der Bach ein Anliegen ist, werde sie sich um das Problem „Kresse“ kümmern, versprach Gemeinderat Nikolaus Morgenroth. Noch heuer werde der Pflanze unter der Aufsicht von Experten der Garaus gemacht. Auch dem anderen Sorgenkind wird das Leben am Ettinger Bach schwerer gemacht: Mithilfe von Rohren soll der fleißige Biber in seiner Bautätigkeit gebremst werden.

Veronika Stangl

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