Beschädigt: An sechs Gemeindebäumen am Reitweg wurden mit der Axt die Efeupflanzen eingekerbt. foto:jep

"Falsch verstandene Baumliebe"

Bernried - Die Gemeinde Bernried hat Strafanzeige gestellt, weil Efeupflanzen an Alleebäumen beschädigt wurden.

Bernried bezeichnet sich gern als „Baumdorf“ - und das nicht ohne Grund. Fast überall im Gemeindegebiet stehen alte Baumriesen in der Landschaft, viele davon in den beiden Parkanlagen oder an den vielen Alleen im Ort. Die Stämme werden gehegt und gepflegt. Entsprechend allergisch reagiert man darauf, wenn sich selbsternannte „Baumpfleger“ an den Bäumen widerrechtlich zu schaffen machen - so wie unlängst am Reitweg oberhalb des Grundweihers.

Dort wurden mit der Axt an sechs Gemeindebäumen die Wurzelgehölzer der an den Stämmen hochrankenden Efeupflanzen eingekerbt - „aus falsch verstandener Baumliebe“, wie Bürgermeister Josef Steigenberger vermutet. „Wir sind erschrocken, als wir das erfahren haben“, berichtete der Rathauschef in der jüngsten Gemeinderatssitzung und versicherte: „Von der Gemeinde ist da nichts veranlasst worden. Die Efeustöcke sind dilettantisch eingekerbt worden.“ Wer an den Rankpflanzen die Axt angelegt hat, ist bislang nicht bekannt. Allerdings will man im Rathaus die Angelegenheit nicht auf sich beruhen lassen, sondern ist um Aufklärung bemüht: „Es kann ja wohl nicht sein, dass hier jemand mit der Axt rumläuft und eventuell sogar noch die alten Bäume beschädigt“, echauffierte sich Christine Philipp (Bernrieder Liste) im Gemeinderat ebenso wie Veronika Bischoff (ÜFW): „Es muss doch klar sein, dass man an fremdem Eigentum nicht rumschnippelt. Aber offenbar meinen einige, dass man das kann.“

Kann man aber nicht, weshalb Steigenberger im Namen der Gemeinde Strafanzeige gestellt hat - wegen Sachbeschädigung: „Das ist in dem Fall gar nicht so einfach. Wenn dich der Polizist danach fragt, wie hoch der Schaden ist, dann ist man erst einmal blöd dran“, so Steigenberger, da der Schaden nicht beziffert werden könne.

In der nächsten Gemeinde-Info will das Rathaus nun darüber aufklären, dass die Efeu-Pflanzen entgegen der Volksmeinung die Bäume nicht schädigen oder abwürgen. Im Gegenteil: Der Efeu schützt die Stämme vor Rindenbrand oder dient der Vorbeugung von Frostrissen. Vor allem aber fördert er die Artenvielfalt. Er dient speziell Bienen, Käfern und Hummeln als wichtige Nahrungsquelle, so Steigenberger bei der Sitzung.

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