Aus dem Gericht

Faustschläge nach Ärger im Tennisclub

Zwei einstige Tennispartner haben sich gestritten – so stark, dass einer von ihnen vor dem Weilheimer Amtsgericht erscheinen musste. Ihm wurde Körperverletzung vorgeworfen. Laut Anklage hatte der 50-Jährige seinen ehemaligen Sportskollegen und einen Nachbarn geschlagen.

Landkreis Der Angeklagte bestritt die Tat und legte Einspruch ein. Der Staatsanwalt musste erst kräftig nachhaken, um den Hintergrund des Zerwürfnisses der Tennispartner in einem Dorf im Landkreis zu erfahren. Man habe einstimmig beschlossen, ihn aus der Mannschaft auszuschließen, so der Angeklagte. Das habe in verärgert, zumal ihm das nur in einem kurzen Telefongespräch mitgeteilt worden war. Ab diesem Zeitpunkt grüßte er die anderen nicht mehr.

Die Stimmung in dem Dorf war zerstört. Im November vergangenen Jahres begab sich de Angeklagte in ein Gasthaus im Dorf. Dort saßen – überraschend für ihn – sein einstiger Tennispartner, ein ehemaliger Nachbar des Angeklagten und ein weiterer Mann zusammen am Tresen. „Sie waren ganz schön betrunken“, sagte der Beschuldigte vor Gericht aus.

Er habe nur zu ihnen herübergeschaut und nichts gemacht. Dann sei der Wirt gekommen und habe ihn gebeten das Lokal zu verlassen. Das tat er auch. Was dann weiterhin geschah schilderte der Mann folgendermaßen: zunächst sei sein Tennispartner aus der Tür gekommen und habe ihm einen Faustschlag aufs Ohr gegeben. Noch heute würde er schlecht hören deshalb. Ein ärztliches Attest dafür konnte er jedoch nicht vorweisen. „Ich renn’ ja nicht gleich zum Arzt“, sagte der Mann. Einen Hörschaden auf Grund einer Krankheit ist bei ihm vorhanden, hat aber nichts mit dem angeblichen Faustschlag zu tun.

Dann sei auch noch sein ehemaliger Nachbar auf ihn zugekommen und habe ihn gepackt. Er habe nur eine abwehrende Handlung gemacht, daraufhin sei der Mann gestürzt. Dieser zog sich laut Arztbericht einen Bruch am Sprunggelenk zu.

Der nun in den Zeugenstand gerufene Tennispartner, der Vorsitzende des hiesigen Tennisclubs, schilderte den Tatvorgang vollkommen anders. Der Ausschluss des Angeklagten aus dem Tennisverein sei eine einmalige Sache. „Das hatten wir noch nie in unserer Vereinsgeschichte“, sagte er. Der Angeklagte sei häufig auf Streit aus gewesen, habe keine Lust gehabt zu spielen, sei einfach vom Platz gegangen. „Ich habe immer schlichten müssen“, so der Zeuge.

Am Tattag sei der Mann in die Gaststätte gekommen und habe unvermittelt gesagt: „Darauf habe ich schon ein Jahr gewartet“. Die Stimmung sei aufgeladen gewesen. Getrunken habe er nur zwei Bier. Nachdem der Wirt den Angeklagten rausgebeten hatte, wollte der ehemalige Nachbar des Angeklagten, dass der Tennispartner ein paar klärende Worte mit seinem Ex-Sportskameraden reden sollte. „Ich ging nach draußen und hatte gleich einen Faustschlag im Gesicht“, sagte der Zeuge aus. Dann bekam er mit, wie der Nachbar, neugierig geworden, vor die Tür kam. Auch dieser bekam sofort einen Faustschlag, sodass er stürzte und sich die Fußverletzung zuzog.

Die Polizei wurde zunächst nicht gerufen. „Ich wollte keinen Strafantrag stellen“, sagte der Zeuge. Als der Angeklagte aber seinerseits ihn bei der Polizei anzeigte, sei das Fass übergelaufen und er habe doch Strafanzeige gestellt.

Nach dieser Zeugenaussage bat der Verteidiger überraschend um eine Unterbrechung. Mit dem Ergebnis, dass sich der Einspruch dann nur noch auf die Rechtsfolgen bezog. Anstatt der im Strafbefehl veranschlagten Geldstrafe von 5400 Euro minderte die Vorsitzende Richterin Christiane Serini dann auch die Geldstrafe aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Verhältnisse des Angeklagten auf 2025 Euro. Das Urteil ist rechtskräftig.

Regina Wahl-Geiger

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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