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Solidarität in Weilheim: In seinem Bildungszentrum in der Oberen Stadt  sammelte  der Weilheimer  Asylhelferkreis Unterschriften  für den Verbleib der Flüchtlinge in ihren aktuellen Unterkünften.

Neue Regelung sorgt für Unmut

Flüchtlinge müssen umziehen

Landkreis - Die neue Regelung für Asylbewerber aus „sicheren Herkunftsländern“ sorgt bei Helfern für Empörung. Die Flüchtlinge müssen umziehen.

Vor den Kopf gestoßen fühlen sich die Asylhelferkreise in Weilheim und Penzberg. Mitarbeiter des Ausländeramtes hatten am Freitagnachmittag Asylbewerbern, die aus so genannten sicheren Herkunftsländern kommen, einen Brief zugestellt, dem zu entnehmen ist, dass sie ab morgigem Mittwoch aus ihren aktuellen Unterkünften ausziehen müssen. Sie sollen gesammelt in einer Turnhalle in Schongau untergebracht werden. Als Grund für den geplanten Umzug nennt Helmut Hartl, Sachgebietsleiter im Ausländeramt, das neue Asylgesetz, das am 1. Dezember in Kraft trat: Flüchtlinge aus „sicheren Herkunftsländern“ wie Serbien, Albanien, Montenegro, Ghana und dem Senegal bekommen demnach kein Geld mehr für Verpflegung. Sie werden in der Schongauer Sammelunterkunft gemeinsam versorgt.

Die Helferkreise sind empört, dass sie nicht im Vorfeld informiert wurden. „Wir haben erst von unseren neun Senegalesen davon erfahren“, sagt Dr. Anette Völker-Rasor, die sich im Penzberger Asylhelferkreis engagiert. „Unsere Jungs wohnen seit einem halben Jahr in ihrer Wohnung in Penzberg. Sie versuchen, sich so gut es geht zu integrieren. Jeder von ihnen hat einen 1-Euro-Job“, berichtet Julia Köhler aus Penzberg. Außerdem seien die meisten von ihnen in örtlichen Vereinen aktiv und würden zu städtischen Veranstaltungen beitragen. Die Helfer haben am Wochenende in Penzberg über 170 Unterschriften gesammelt, damit die Senegalesen in ihrer Wohnung bleiben dürfen. „Sie bemühen sich alle, unsere Sprache zu lernen, und haben bisher bei keiner einzigen Deutschstunde gefehlt. All die Integrationsarbeit wäre umsonst, wenn sie von ihrem neuen Zuhause wegmüssen“, ergänzt Köhler.

Gleiches gilt für die 55 Senegalesen in Weilheim. Auch dort würden sich viele in Vereinen engagieren oder einem 1-Euro-Job nachgehen, wie der evangelische Pfarrer Jost Herrmann berichtet. Auch sie müssten in die Sammelunterkunft ziehen – einige von ihnen sind schon seit knapp zwei Jahren in Weilheim. Deshalb sammelten die Ehrenamtlichen am Wochenende auch in Weilheim knapp 200 Unterschriften, die sie gestern gemeinsam im Landratsamt abgaben.

„Ich möchte mich dafür entschuldigen, dass wir die Helferkreise nicht informiert haben. Wir hatten keine Ahnung, dass die Verlegung solche Wellen schlägt“, so Hartl zu den Helferkreisen. Er sei im Gespräch mit der Landrätin, um weitere Optionen zu prüfen. Auch wenn die Asylbewerber nun anderswo untergebracht würden, „das Asylverfahren bleibt das gleiche“, versichert er. Die Flüchtlinge aus Staaten, die nicht unter „sichere Herkunftsländer“ fallen und noch in der Schongauer Turnhalle leben, werden in eine Unterkunft in Altenstadt verlegt.

Ob die Asylbewerber nun doch in ihrer aktuellen Unterkunft bleiben können oder nach Schongau umziehen müssen, war zu Redaktionsschluss noch nicht klar.

Jonas Regauer

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