aus dem Gericht

Freispruch erster Klasse

Landkreis - Ein Schongauer war wegen Besitzes von Kinderpornos angeklagt. Ein  Gutachter konnte jedoch dessen Unschuld beweisen.

Wegen des Besitzes von Kinderpornographie musste sich ein 35-Jähriger vor dem Amtsgericht Weilheim verantworten. Doch er spazierte als freier Mann aus dem Gerichtssaal.

Der 35-Jährige saß trotz des brisanten Vorwurfs, des Besitzes von kinderpornografischen Schriften, sehr entspannt im Weilheimer Gerichtssaal. Dass die Dateien auf seinem Computer nicht ihm gehörten und er sie weder heruntergeladen noch angeschaut hatte, konnte in der Verhandlung zweifelsfrei bewiesen werden.

Ende 2012 erhielt der Angeklagte, der damals in Schongau wohnte, von seinem Freund einen alten Computer zum Ausschlachten geschenkt. Der Angeklagte benutzte diesen Computer dann auch für Spiele und zum Schauen von harmlosen Videos. Er stellte fest, dass einige private Dateien seines Freundes sich noch auf der Festplatte befanden, gespeichert unter dem Namen „Dateisicherheit“. „Ich habe mir die Daten nicht anschauen wollen, das war ja Privatsache meines Freundes“, sagte der 35-Jährige. Er benachrichtigte sogar seinen Freund, der das Ganze aber ignorierte.

Der Rechner war dem Angeklagten mit der Zeit nicht mehr schnell genug und geriet in Vergessenheit. Beim Auszug ließ er den Computer zurück. Als der Sohn der Vermieterin die Räume säubern wollte, fiel ihm auch der Rechner in die Hände. Er schaute sich die Daten auf dem Computer an und stieß dabei auf die kinderpornografischen Fotos und Videos. „Man kam ziemlich schnell daran. Sie waren nicht sonderlich verschlüsselt“, sagte er vor Gericht. Er brachte die Festplatte zur Polizei, so begannen die Ermittlungen. Nachdem der 35- Jährige steif und fest behauptet hatte, nichts von den Dateien zu wissen, schaltete man einen Computerexperten ein. Und der konnte den Angeklagten zweifelsfrei entlasten. Vor Gericht erklärte der Experte seine Untersuchungen. So konnte er feststellen, dass 2012 über eine so genannte ICQ-Adresse die kinderpornografischen Schriften auf den Rechner gelangten, nachweislich unter dem Kürzel des Freundes. Jeder Zugriff lief dann über diese Adresse, und diesen Pfad konnte der Experte einwandfrei verfolgen. In der Zeit, in der der Angeklagte im Besitz des Computers war, erfolgte somit kein Zugriff auf diese Dateien, erst wieder, als der Sohn der Vermieterin die Schriften auf der Festplatte entdeckte.

„Sie sind ein diskreter Mensch“, sagte sogar die Staatsanwältin und plädierte auf Freispruch. Das sah auch Richterin Katrin Krempl so, und sie fügte hinzu: „Wer lässt schon einen Computer mit solchen brisanten Daten in seiner verlassenen Wohnung zurück?“

Der Freund erschien als Zeuge vor Gericht. Er gab zu, dem Angeklagten den Computer gegeben zu haben. Auch der Zeitraum stimmte. Er leugnete jedoch, dass noch Daten darauf gewesen seien. Der 36-Jährige muss sich derzeit wegen eines ähnlichen Deliktes vor einem anderen Gericht verantworten.

Regina Wahl Geiger

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