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Vor dem Amtsgericht wurde der Fall verhandelt.

Amtsgericht Weilheim

Verzwickter Fall um Blitzschaden - Freispruch für Metzgermeister

Ein 45-jähriger Metzgermeister wurde vom Amtsgericht Weilheim freigesprochen. Er war wegen Betrugs angeklagt, der konnte im jedoch nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden. Der Fall erwies sich als verzwickt.

VON REGINA WAHL-GEIGER

Landkreis – Der eigentliche Vorfall liegt schon fünf Jahre zurück. Im August 2015 fiel bei dem Metzgermeister aus dem östlichen Landkreis an einem Freitag die Kühlanlage aus. Er bemerkte den Schaden erst nach dem Wochenende. Verdorbene Waren im Wert von rund 20.000 Euro waren die Folge. Da an dem besagten Tag nachweislich ein starkes Gewitter herrschte, vermutete der Metzger, dass eine Überspannung in Folge eines Blitzeinschlags der Grund für den Ausfall der Kühlanlage gewesen sein könnte. Er informierte seine Versicherung, die einen Gutachter schickte. Gegen Schäden durch Blitzeinschlag hatte der Metzger die Anlage versichert.

Der Gutachter stellte jedoch eine andere Diagnose. Die Anlage sei veraltet, daher sei es zu einem Ausfall gekommen. Der Metzger wollte das aber so nicht akzeptieren, nahm sich einen Anwalt und zog vor das Zivilgericht, um die Schadenssumme einzuklagen. Dieses Gericht beorderte einen weiteren Gutachter, der die entsprechenden ausgebauten beschädigten Bauteile der Kühlanlage untersuchen sollte. Dieser stellte hingegen fest, dass die Bauteile manipuliert worden waren, um einen Blitzeinschlag vorzutäuschen.

Die Klage des Metzgers wurde nicht nur abgewiesen, er wurde auch wegen Betrugs beschuldigt und saß nun auf der Anklagebank. „Ich bin Metzgermeister und kein Elektroniker“, erklärte der Mann auf Nachfrage des Vorsitzenden Richters Lars Baumann. Er würde die Teile, die der Techniker der Wartungsfirma damals ausgebaut und dann dem Gutachter der Versicherung vorgelegt hatte, nicht kennen. Andere Bauteile landeten seinen Angaben zufolge in einer Kiste. Wieso der Sachverständige des Gerichts neben den schon von der Versicherung untersuchten Bauteilen auch noch zwei weitere bekommen habe, die angeblich auch noch manipuliert gewesen sein sollen, konnte sich der Angeklagte nicht erklären.

Der Gutachter der Versicherung sagte vor Gericht aus, dass es sich nach seinen Untersuchungen nicht um einen Überspannungsschaden gehandelt haben konnte. „Die Kühlanlage ist veraltet. Dieses Szenario ist kein Versicherungsfall“, sagte er. Auf Nachfrage des Gerichts konnte er jedoch einen möglichen Blitzeinschlag nicht ausschließen. Der gerichtliche Sachverständige erklärte anhand von Fotos die manipulierten Stellen der Bauteile, die ihm zur Untersuchung vorlagen. Es sei viel technisches Geschick nötig, um solche Veränderungen in Form von Schmauchspuren vorzunehmen, so der Gutachter. Einen Überspannungsschaden in Folge eines Blitzeinschlages schloss er aus.

„Waren denn diese manipulierten Bauteile überhaupt Elemente der Kühlanlage? Waren Sie jemals vor Ort und haben das überprüft?“, fragte der Staatsanwalt nach. Das verneinte der gerichtliche Sachverständige. Der Staatsanwalt plädierte daraufhin auf Freispruch. „Hier gibt es viele Unbekannte“, sagte er. Der Verteidiger hielt sein Plädoyer dementsprechend kurz. „Ich bedanke mich bei dem Staatsanwalt“, erklärte er nur.

Der Richter sprach den Metzger frei: „Es ist ein Fall mit einem schlechten Gefühl.“ Aber in dem Strafprozess sei dem Angeklagten nicht zweifelsfrei eine Täuschung nachgewiesen worden. Auf dem Schaden durch die Kühlanlage bleibt der Metzger jedoch sitzen.

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