Aus dem Gericht

Ein teurer Tritt gegen Tür

Landkreis - Wegen eines Trittes gegen eine Tür stand ein 59-Jähriger vor Gericht. Er bestritt die Tat, wurde aber zu einer Geldstrafe verurteilt.

„Ich lebe ganz zurückgezogen“, sagte der 59-Jährige und beschrieb sich selbst als depressiv. Die allgemeine Lebenssituation sei es, die ihn psychisch krank mache, so der Mann, der im Landkreis lebt, als er sich wegen Sachbeschädigung vor dem Weilheimer Amtsgericht verantworten musste.

Seit 2009 ist der Mann arbeitslos. Außerdem hat er Schulden abzuzahlen. Im Bundeszentralregister gibt es unter seinem Namen zehn Eintragungen. Von Diebstahl über Beleidigung, fahrlässige Körperverletzung, Urkundenfälschung bis hin zu Sachbeschädigungen hat der 59-Jährige schon so einige Straftaten begangen. Ein möglicherweise zu Grunde liegendes Alkoholproblem stritt der Mann energisch ab. Auch fachliche Hilfe für seine Depression lehnte er bisher ab, obwohl er im Gerichtssaal ganz offen zugab: „Ich bin psychisch ziemlich am Boden.“

Am Tattag im August 2015 soll er in einem Mehrparteienhaus die Eingangstür seines Nachbarn eingetreten haben. Der Schaden betrug 1400 Euro. Der Angeklagte bestritt die Tat. „Ich habe die Haustür zugeschmissen und weiter nichts gemacht“, sagte er.

Das schilderte sein Nachbar anders. Mit einem Freund hatte dieser an dem Tag in der Garage an seinem Motorrad gebastelt. Einige andere Fahrzeuge seines Fuhrparks standen draußen. Als der Angeklagte mit seinem Auto nach Hause kam, parkte er nach Ansicht seines Nachbarn so ungeschickt, dass die Arbeiten an dem Motorrad behindert wurden. „Ich bat ihn mehrmals höflich, sein Fahrzeug doch woanders abzustellen“, sagte der 56-Jährige. Doch der Angeklagte habe ihn nicht beachtet, sei wortlos an ihm vorbeigegangen und habe dann nach einem kurzen Wortgefecht das Haus betreten. Der Nachbar und sein Freund hörten das heftige Zuschlagen der Haustür und dann einen Knall, aber sie dachten sich nichts weiter dabei. Erst als die Männer später ins Haus gingen, stellten sie fest, dass die Eingangstür des 56-Jährigen eingetreten war. „Ich habe in der Zeit keinen Menschen herein- oder herausgehen sehen“, sagte er. „Das Eintreten meiner Tür kann nur der hier Beschuldigte gemacht haben.“ Richterin Kathrin Krempl hielt die Wahrnehmung der Zeugen für glaubwürdig. „Es kommt für die Tat kein Anderer in Frage“, sagte sie in der Urteilsbegründung. Ein weiterer Eintrag im Bundeszentralregister ist dem Mann nach der Verurteilung nun sicher. Die Richterin verhängte eine Geldstrafe von 95 Tagessätzen zu je 15 Euro.

Regina Wahl-Geiger

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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