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Wir leergefegt war  der Platz, an dem die Leonhardifahrt Peißenberg starten  sollte. 

Bis  zu 117 Stundenkilometer schnell 

„Herwart“ sorgt für Schäden – und Ärger

Mit bis zu 117 Stundenkilometern jagte Sturm „Herwart“ am Sonntag über den Landkreis. Auf der Kochelseebahn fuhren zwischen Iffeldorf und Penzberg den ganzen Tag keine Züge. Und in Peißenberg wurde die Leonhardifahrt abgesagt. Doch der Ausweichtermin am Reformationstag sorgt bei der evangelischen Kirche für Kritik.

Landkreis– „Es war schon stark“, meldete am Sonntag  gegen 15 Uhr Wetterbeobachterin Doris Richter aus dem Observatorium auf dem Hohen Peißenberg. Die Experten des Deutschen Wetterdienstes hatten am Sonntag im Schnitt schwere Sturm- und Orkanböen mit über 100 Stundenkilometern gemessen. Spitzenreiter war eine Böe gegen 7 Uhr mit 117 Stundenkilometern – Windstärke 12 und damit ein Orkan. Am heftigsten tobte der Sturm von 6.50 Uhr bis 9.30 Uhr über dem Landkreis. Gemessen wurde auf dem Hohen Peißenberg im Mittelwert Windstärke  8. Nachmittags flaute der Sturm ab, dennoch warnte der Deutsche Wetterdienst weiter vor stürmischen Böen im Flachland mit 60 bis 70 Stundenkilometern

Angesichts des Unwetters zogen die Verantwortlichen des Leonhardivereins Peißenberg-Ammerhöfe nach einem Krisentreffen um 6 Uhr die Konsequenz: Die traditionelle Leonhardifahrt, die um 9.30 Uhr starten sollte, wurde abgesagt. Die Brauchtumsveranstaltung, die alljährlich 10 000 Besucher anlockt und zu der 250 Pferde und 55 Wagen erwartet wurden, findet jetzt am morgigen Reformationstag, 31. Oktober, statt. Aufstellung ist um 9 Uhr, um 9.30 Uhr setzt sich der Zug zur Feldmesse um 11 Uhr vor Maria Aich in Bewegung. „Es wäre einfach zu gefährlich für Mensch und Tier gewesen, begründete Schriftführerin Maria Achleitner die Entscheidung des Vereins, die schweren Herzens getroffen worden sei. Ein anderer Termin als der am Reformationstag sei aus organisatorischen Gründen nicht möglich, hieß es, weil am nächsten Sonntag andere Ritte stattfinden. 2012 war die Peißenberger Fahrt wegen starken Schneefalls komplett ausgefallen.

Der Ausweichtermin sorgt aber bei der evangelischen Kirchengemeinde für Kritik, wie Peißenbergs Pfarrer Rainer Mogk gestern mitteilte: „Mit Befremden“ nehme man zur Kenntnis, dass das Ereignis mit katholischem Feldgottesdienst „ausgerechnet auf diesen einmaligen bundeseinheitlichen Feiertag des Reformationsgedenkens verschoben wurde und auch noch zeitgleich stattfinden soll“.

Der Sturm sorgte für zahlreiche Einsätze. Kreisbrandrat Rüdiger Sobotta zählte um die 25 Einsatzstellen für die Feuerwehren im Landkreis. Schwerpunkt war der östliche Landkreis um Penzberg, Antdorf, Bernried und Seeshaupt. Es sei zum Glück „nichts Dramatisches“ passiert, so Sobotta am Nachmittag – die Helfer räumten Bäume und Äste von den Straßen. Jedoch: Bei vielen Einsätzen hätte sich herausgestellt, dass sie „nichts für die Feuerwehr“ waren, kritisierte Sobotta.

Am schlimmsten traf „Herwart“ die Kochelseebahn zwischen Iffeldorf und Penzberg: Die Strecke musste laut Bahn am Sonntagvormittag gesperrt werden. Wie die Feuerwehr Penzberg mitteilte, war es zu einem Brand gekommen, weil ein Baum umgestürzt und in die Oberleitung gefallen war. Die Züge aus Richtung München/Tutzing endeten in Seeshaupt. Die Bahn richtete einen Schienenersatzverkehr mit Bus ein. Gegen 17.40 Uhr teilte sie mit, dass die Sperrung aufgehoben wurde und der Zugverehr zwischen Seeshaupt und Kochel ohne Beeinträchtigung läuft.

Die Weilheimer Polizei zählte bis zum Nachmittag acht Einsätze, die Kollegen in Penzberg rückten zu zwei umgestürzten Bauzäunen aus und stellten diese wieder auf. In Böbing ereignete sich ein Unfall, weil ein Autofahrer (20) aus Peißenberg gegen 11.40 Uhr auf der Fahrt von Böbing nach Peißenberg einem Ast ausweichen musste. Der Wagen kam von der Straße ab, der Mann blieb zum Glück unverletzt.

Aufgrund des Sturms gab es gegen 6.50 Uhr einen Stromausfall im Raum Schongau. Das teilten die Lechwerke (LEW) mit. Ursache war ein umgestürzter Baum in einer Mittelspannungsleitung. Betroffen waren vor allem Teile von Schongau, Altenstadt und Schwabsoien. Nach etwa einer Stunde waren die meisten Haushalte wieder versorgt, so LEW. Unabhängig davon gab es eine zweite, halbstündige Störung in Peiting um kurz vor 8 Uhr, auch hier war die Ursache wohl ein Ast in der Leitung. ab/wos/mg/bo

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