Wieder Ärger mit der Werdenfelsbahn

Einsteigen verboten: Fahrgäste stehen gelassen

Huglfing - Auf der Werdenfelsstrecke gibt es seit sechs Wochen jede Menge Probleme, die die Geduld der Fahrgäste strapazieren. Jetzt kam ein neues Ärgernis hinzu: ein Zug, der am Bahnhof Huglfing stand, in Richtung München fuhr, aber keine Fahrgäste mitnahm.

Der Huglfinger Wilhelm Eberhardt fuhr am vergangenen Freitag kurz nach 8 Uhr zum Bahnhof in Huglfing. Er war schon vorab übers Radio informiert worden, dass mit Verspätungen zu rechnen ist. Am Bahnhof selbst gibt es dann keine Infos - weder über Lautsprecher noch über die digitale Anzeigetafel am Bahnsteig. Umso größer ist bei Eberhardt die Überraschung, als ein Zug pünktlich auf die Minute um 8.18 Uhr am Bahnsteig einfährt. Doch als er einsteigen will, erlebt er eine Überraschung: „Nichts regt sich, die Tür öffnet sich nicht. Ich versuche es bei einer anderen. Gleiches Ergebnis.“

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Den anderen Fahrgästen geht es genauso. Ein Schaffner ist nicht zu sehen. Nach zwei Minuten geht Eberhardt zum Lokfüher und klopft vorsichtig gegen die Scheibe. Der - laut Eberhardt „schon leicht genervt“ - gibt zu verstehen, dass hier kein regulärer Halt sei, demnach auch kein Einstieg möglich. Der Zug fährt ab.

Eberhardt vermutet daraufhin, dass es sich gar nicht um den regulären Zug handelt, sondern um einen verspäteten Expresszug, ein Halt in Huglfing wäre dann eigentlich nicht vorgesehen. Das bestätigt auch die Deutsche Bahn auf Nachfrage.

Eberhardt hat kein Verständnis dafür, dass die Türen für die fünf Pendler geschlossen blieben. „Was hätte es denn geschadet, den Fahrgästen Gelegenheit zur Mitfahrt zu geben. Lieber lässt die Bahn ihre Fahrgäste fünf Minuten vor verschlossenen Türen stehen wie dumme Schulbuben und fährt dann einfach weiter“, so Eberhardt.

Die Pressestelle der Bahn bestätigt Eberhardts Annahme. Der Expresszug habe in Huglfing außerplanmäßig halten müssen, weil es an diesem Freitagmorgen zu Verspätungen auf der Strecke gekommen war und der Zug in Huglfing auf einen Gegenzug warten musste. Der Bahnsprecher bedauert, dass es am Bahnsteig keinerlei Informationen gegeben habe: „Vermutlich lag ein Fehler in der Datenübertragung zugrunde.“ Warum der Zug keine Fahrgäste habe einsteigen lassen, erklärt der Bahnsprecher so: „Der Zug konnte keine weiteren Reisenden aufnehmen, da er mit jeder Minute auf die Fahrtfreigabe wartete, um sofort losfahren zu können und nicht noch weitere Verspätungsminuten anzuhäufen,“

Eberhardt teilt diese Sicht nicht: „Die Bahn lässt nicht nur Züge mit minderwertiger Technik fahren, sie ist auch noch unfähig, im Falle eines Falles einfache pragmatische Lösungen zu finden.“ jt

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