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„Ich kann keine Äpfel mehr sehen“

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Von: Marion Neumann

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Jede Menge Äpfel wurden auch noch am letzten Öffnungstag der Peißenberger Obstpresse angeliefert. Ohne Anmeldung ging nichts. Nach nur zweieinhalb Stunden waren es schon über 2200 Kilo. © Gronau

Tonnenweise Äpfel und zusätzliche Öffnungszeiten: Die Obstpressen in Weilheim, Hohenpeißenberg und Peißenberg liefen auf Hochbetrieb.

Landkreis – Die Obstpresse hat Josef Bauer aus Peißenberg längst gereinigt und auseinandergebaut. Doch immer noch sprechen ihm Anrufer, die nicht wissen wohin mit ihren vielen Äpfeln, Nachrichten auf den Anrufbeantworter. „Der Ansturm war riesig“, sagt er, „obwohl ich die Presse seit 30 Jahren betreibe, habe ich so etwas noch nie erlebt.“

142 Tonnen Äpfel wurden in der diesjährigen Saison bei der Obstpresse des Vereins für Gartenbau und Landespflege Peißenberg-Ammerhöfe angeliefert. Ein Rekordwert. Noch am letzten Presstag, dem 22. Oktober, war der Andrang der Lieferanten in der Peißenberger Bachstraße enorm. Laut Buchführer Anton Hohenleitner waren nur zweieinhalb Stunden nach Arbeitsbeginn schon „genau 2250 Kilo“ angeliefert und von fünf Mitarbeitern der Presse verarbeitet worden.

Größte Pressung seit Beginn der Aufzeichnungen

Bauer, dem die Chronik der vergangenen Jahrzehnte vorliegt, weiß: „Das war die größte Pressung seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1948.“ Auch den bislang höchsten Wert – 107 Tonnen Äpfel im Jahr 2012 – hat diese Saison getoppt. „Nur einmal zum Vergleich: Letztes Jahr hatten wir 12 Tonnen“, sagt er. Um die Massen an Äpfeln verarbeiten zu können, waren die Mitarbeiter der Obstpresse statt an nur einem Tag in der Woche an drei Tagen im Einsatz. „Nächstes Jahr wird es aber garantiert wieder weniger“, sagt er mit Blick auf die Bücher, „zwei solche Ernten hintereinander – das gibt es nicht.“

Ähnliches wie Bauer hat auch Georg Vogl, erster Vorsitzender des Obst- und Gartenbauvereins Hohenpeißenberg, die Saison erlebt. Die Obstpresse an der Hauptstraße war gefragt wie nie. „Unsere Presse ist etwas kleiner“, erklärt er, „aber wir haben in diesem Jahr 66 Tonnen Äpfel verarbeitet. Das sind drei Mal so viele wie normalerweise.“ Damit seien die Kapazitäten der Maschine, die aus dem Jahr 1954 stammt, dann aber auch erreicht gewesen. Einige Anrufer, die vorbeikommen wollten, musste Vogl deshalb abweisen. „Es haben Leute aus Rosenheim und München angerufen.“

Ein echtes Rekordjahr

Hans Fromm, Vorsitzender des Weilheimer Obst- und Gartenbauverein, spricht ebenfalls von einem „Rekordjahr“. Insgesamt 368 Tonnen Äpfel wurden bei der Presse am Schießstattweg angeliefert. 231 500 Liter Saft entstanden daraus – an 40 Presstagen. „Wir kamen an unsere Grenzen“, sagt er, „oft waren wir bis 11 Uhr beschäftigt.“

Nicht nur Einheimische hätten Termine zum Saftpressen vereinbart, sondern auch Interessenten mit weitem Fahrtweg. „Es kamen sogar Leute aus Dachau. Unsere Obstpresse war sozusagen international gefragt“, sagt er und lacht.

Nach den letzten Presstagen Ende Oktober ist auch hier die Saison beendet. Fromm ist ehrlich: „Ich kann keine Äpfel mehr sehen.“ Für alle, denen es ähnlich geht, hat er noch einen speziellen Tipp. „Man kann den selbstgepressten Saft auch sehr gut mit Schnaps mischen“, sagt er, „mit Wodka schmeckt er hervorragend.“

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