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Wer Marihuana konsumiert hat, soll und darf nicht Auto fahren.

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Immer mehr Autofahrten unter Drogen

Landkreis - In den vergangenen Wochen häuften sich im Landkreis Meldungen über Fahrten unter Drogeneinfluss. Klaus Schürgers ist Leiter der Dienstelle des operativen Ergänzungsdiensts (OED) in Murnau und erklärt, wie Beamte vorgehen, wenn sie einen berauschten Fahrer erwischen.

2015 waren es fünf, 2016 waren es bis Weihnachten 21. Das ist schon ein denkwürdiger Anstieg von Fällen, in denen es um die Personen geht, die im Bereich Weilheim mit Drogen am Steuer erwischt wurden. Die Zahlen stammen von Harald Bauer, Leiter der Polizeiinspektion Weilheim. In den meisten Fällen waren Marihuana und Haschisch im Spiel, gefolgt von Kokain. Das ist in Schongau nicht anders, auch dort häuften sich die „Drogenfahrten“.

Klaus Schürgers ist Leiter der Dienstelle des operativen Ergänzungsdiensts (OED) in Murnau. Dessen Mitarbeiter sind in den Landkreisen Weilheim-Schongau, Bad Tölz-Wolfratshausen und Garmisch-Partenkirchen im Einsatz. Er vermutet, dass der Anstieg mit den vermehrten Kontrollen durch junge Kollegen zu tun haben könnte. Diese hätten ein Jahr lang an einer Schulung teilgenommen, und Schwerpunkt sei im vergangenen Jahr das Erkennen von Drogendelikten gewesen. Wegen der auffallend hohen Anzahl von Drogendelikten am Steuer werde man dieses Programm fortsetzen. Schließlich könnten Drogen am Steuer schwerwiegende Folgen für den Straßenverkehr haben und Ursache für den ein oder anderen Unfall sein. Zur Dunkelziffer könne Schürgers jedoch keine Einschätzung abgeben.

Die Verkehrskontrollen erfolgen aus dem fließenden Verkehr heraus. Schürgers sagt jedoch, „Zufall“ sei das falsche Wort. Oft erkenne man, ob sich jemand unsicher im Straßenverkehr verhalte oder ob er sozusagen aus dem „Raster“ falle. „Dafür braucht es aber ein geschultes Auge.“

Auch Johannes Schmid, Rauschgiftsachbearbeiter bei der Polizei in Schongau, weiß, die Intuition des Beamten ist nicht zu unterschätzen. Kommt es zu einer Verkehrskontrolle, sprechen die Polizisten die Fahrer explizit auf einen möglichen Drogen- oder Alkoholkonsum an. „Dabei achten wir auf Anzeichen wie eine verlangsamte Reaktion, wie sie unter anderem Marihuana und Haschisch hervorrufen können, oder eine auffallende Unruhe, die beispielsweise Amphetamine, Speed oder Kokain auslösen können“, so Schmid. Auch Augenreflexe, Schweißausbrüche oder ein unsicherer Gang könnten Hinweise geben, sagt Schürgers. Riechen könne man es eher nicht, wenn jemand unter Drogeneinfluss steht. Es sei generell alles etwas schwieriger als wenn es um Alkohol am Steuer ginge.

Tests bringen Klarheit

Ein Hauttest oder auch ein Urintest liefert mittels einer chemischen Reaktion dann sofort Gewissheit, ob der Fahrer Drogen konsumiert hat. Der wird normalerweise im geschützten Bereich vorgenommen, kann aber vor Ort erfolgen, wenn der Fahrer einverstanden ist. Der nächste Schritt sieht so aus: Wird ein Urintest verweigert, können die Polizisten einen Bluttest anberaumen, wenn Hinweise vorliegen, die dies rechtfertigen. Aber auch nach einem Schnelltest wird zum Beweis Blut entnommen.

Liefern die Tests ein positives Ergebnis, muss geprüft werden, ob ein Fall nach dem Paragraphen 316 vorliegt (Ausfallerscheinungen während der Fahrt, Schlangenlinien und anderes Symptome). Bei diesem drohen unter anderem Freiheitsstrafen bis zu einem Jahr. Ist dies nicht der Fall, liegt eine Ordnungswidrigkeit vor und der Fahrer muss mit einer Geldstrafe und einem Fahrverbot rechnen, das normal bei einem Monat liegt.

Dessen Dauer kann sich bei wiederholtem Delikt laut Schürgers verlängern. So oder so wird die Führerscheinbehörde informiert. Ob eine medizinisch-psychologische Untersuchung angesetzt wird, die für die Wiedererlangung der Fahrerlaubnis nötig ist – der berühmte „Depperltest“ –, ist laut Schürgers Sache der Führerscheinbehörde. Das Bußgeld werde bei mindestens 500 Euro liegen. Bei einer Straftat wie einem durch Drogeneinfluss verursachten Unfall sei die Höhe der Summe Sache des Gerichts. Werden beim Fahrer Drogen gefunden, kommt es zusätzlich zu Ermittlungen wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz.

Schmid stört die Bagatellisierung bei dem Thema: „Viele sagen mir dann im Verhör: Das macht doch jeder.“ Außerdem gefährden Autofahrer unter Drogeneinfluss nicht nur sich, sondern auch andere Verkehrsteilnehmer. Er sei bei seiner Arbeit in Schongau über den enthemmten Umgang mit Drogen überrascht gewesen. Für Schmid besonders besorgniserregend: In rund einem Drittel der Fälle, in denen er ermittelt, sind die Beschuldigten unter 18 Jahre alt. Laut Schürgers sind ein Großteil der „Drogenfahrer“ zwischen 18 und 25 Jahre alt.

Franziskus Reich und Luca von Prittwitz

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