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Dr. Konrad Rennerleitet das Veterinäramt.

aktuelles interview mit Dr. Konrad renner

„Ich bin Fachmann, nicht Politiker“

Landkreis - Der Leiter des Amts für Tiermedizin und Verbraucherschutz blickt auf 2015 zurück. Er spricht über Risiken von Lebensmitteln und Personalmangel.

Zu Beginn des neuen Jahres blickt Dr. Konrad Renner, Leiter des Amtes für Tiermedizin und Verbraucherschutz, auf 2015 zurück, das überregional von zahlreichen Lebensmittelskandalen überschattet war. Im Landkreis ist nach Ansicht von Renner, der seit Jahren über Personalnot klagt, aber die Welt noch in Ordnung.

Wenn man die Zahlen aus Ihrem Sachgebiet ansieht, fällt auf, dass wieder weniger kontrolliert wurde. Hat das einen Grund?

Dies ist dadurch begründet, dass 2012 mit der Pensionierung eines Lebensmittelüberwachungsbeamten von den vier Stellen am Landratsamt erstmalig eine halbe Stelle gestrichen worden ist, und dasselbe im Juli 2015 geschah, als ein Kollege nach ganzjähriger Unterstützung des Landratsamtes in Garmisch-Partenkirchen (zur Vorbereitung des G7-Gipfels) nach Weilheim zurückkehrte. Wir bedauern dies sehr, hatten aber mit unserem Vortrag bei der Regierung von Oberbayern, auf diese erneute Kürzung zu verzichten, keinen Erfolg.

Als Landesvorsitzender der verbeamteten Tierärzte haben Sie sich im Fall „Bayern-Ei“ jüngst weit aus dem Fenster gelehnt und den Personalmangel und die Regelungswut kritisiert: Haben Sie Ärger bekommen von oben?

Als Landesvorsitzender bin ich natürlich verpflichtet, mich zu Themen meines Verbandes zu äußern; in aller Regel natürlich fachlich intern. Und nein, ich habe keinen Ärger bekommen, sondern habe durchaus den Eindruck, dass unsere Anliegen berücksichtigt werden und an Lösungen gearbeitet wird.

 Was würden Sie anders machen, wenn Sie als Minister die Verantwortung hätten?

Die Frage, was ich als Minister anders machen würde, stellt sich für mich nicht. Ich bin als Fachmann und nicht als Politiker tätig.

Zurück zum Landkreis: Was sind die größten Sorgenkinder?

Größte Sorgenkinder haben wir keine.

Was raten Sie dem Verbraucher, worauf sollte er achten beim Einkauf und bei der Behandlung?

Es macht keinen Sinn, dem Verbraucher zu suggerieren, dass alle Lebensmittel zu 100, noch besser 150 Prozent sicher sind. Der mündige Verbraucher, und von dem sollte man ausgehen, weiß um die Risiken bestimmter Lebensmittel. So sollte es allgemein bekannt sein, dass zum Beispiel Hühnereier ohne irgendeine Vorbehandlung in der Regel nach einer Prüfung mittels Durchleuchtung in den Verpackungskarton gelangen. Der „mündige Verbraucher“ weiß, dass mit Fäkalkeimen auf der Oberfläche des Eies gerechnet werden muss, auch wenn diese nicht optisch sichtbar sind. Dies schließt das unwahrscheinliche, aber mögliche Vorhandensein von Salmonellen mit ein. Auch beim Geflügelfleisch ist immer vorsorglich von einer bakteriellen Belastung auszugehen, die aber bei kompletter Durcherhitzung des Geflügelfleisches keine Gefahren birgt.

Und wie sieht es bei der Belastung mit Radioaktivität aus?

Die Becquerelwerte von unter 1Bq/kg können vernachlässigt werden. Mit bis zu 600 Bq/kg bliebe die Ware handelsfähig. Der Messwert bei einem Pilz überrascht ebenfalls nicht. Allerdings werden gerade bei Pilzen höchst unterschiedliche Werte festgestellt; je nachdem, wie stark der radioaktive Fallout nach Tschernobyl in der entsprechenden Region war. Hier hat die Stärke der Niederschläge damals eine entscheidende Rolle gespielt.

2015 gab es einmal ein Zwangsgeld und einmal sogar eine Betriebsschließung im Landkreis. Worum ging es in diesen Fällen?

Dabei handelte es sich um eine befristete Teilschließung eines Produktionsbetriebes wegen Hygienemängeln. Das Zwangsgeld wurde ebenfalls wegen Hygienedefiziten in einem Betrieb verhängt. Insgesamt stellen sich unsere Lebensmittelbetriebe aber sehr gut dar.

Fragen: Johannes Thoma

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