Vor dem Amtsgericht Weilheim wurde verhandelt.
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Vor dem Amtsgericht Weilheim wurde verhandelt.

Amtsgericht Weilheim

Kinderporno öffentlich verbreitet - 30-Jähriger zu Bewährungsstrafe verurteilt

Weil er sich ein Video kinderpornografischen Inhalts auf sein Handy geladen, dann über Facebook öffentlich gestellt und somit weiterverbreitet hatte, wurde ein 30-Jähriger nun vom Amtsgericht Weilheim zu einer Bewährungsstrafe von acht Monaten verurteilt.

Von Regina Wahl-Geiger

Landkreis – Der Nigerianer, der in einer Asylunterkunft im östlichen Teil des Landkreises Weilheim-Schongau wohnt, bestritt den Vorwurf, den der Staatsanwalt verlas. Erwerb, Besitz und die Verbreitung von kinderpornografischem Material stand in der Anklageschrift. Er habe das Video, als er es gesehen habe, sofort gelöscht, ohne es anzuschauen, beteuerte der Angeklagte.

Das Handy solle gar nicht sein eigenes gewesen sein, das habe er bei seiner Verlegung an seinen neuen Wohnort verloren. Das Gerät mit dem brisanten Video will der Angeklagte von einem Bekannten geschenkt bekommen haben. „Da muss das Video schon drauf gewesen sein“, ließ er über seinen Dolmetscher verlauten. Für den Staatsanwalt war das eine „merkwürdige Aussage“, denn das Video wurde im Oktober letztes Jahr zu einem genau nachweisbaren Zeitpunkt nachts auf den Facebook-Account des Angeklagten hochgeladen. Facebook hatte das unerlaubte Video sofort an den Provider gemeldet. Man kam umgehend auf die zugehörige IP-Adresse, die zum Angeklagten führte. Damit konfrontiert, wollte dieser das Video plötzlich in einem E-Mail-Anhang erhalten haben, gesendet von einer Adresse, die auch zu seinem angeblichen Bekannten gehört.

Immer wieder gab er zu verstehen, dass er das Video sofort gelöscht haben will. Er sagte aber auch, dass in seinem Heimatland Nigeria solche Videos durchaus ungestraft geteilt werden würden, hier in Deutschland die Gesetze aber anders seien. „Aber ich brauche mir keine kleinen Mädchen anzusehen“, sagte er ziemlich aufgebracht.

Eine Aussage, die wiederum den Staatsanwalt verwunderte. „Sie haben doch gesagt, Sie hätten sich das Video gar nicht angeschaut“, meinte er. Ob durch einen möglichen Hackerangriff das Video irrtümlich auf das Handy gelangen konnte, schloss ein hinzugezogener Sachverständiger der IT-Forensik aus.

„Ein Hackerangriff hat immer ein Motiv und ist meist mit Geldforderungen verbunden“, sagte er. Die Person, die das Video hochgeladen hat muss sowohl den Benutzernamen als auch dessen Passwort kennen, somit käme in erster Linie der Angeklagte selbst in Frage, so der Sachverständige.

Die Vorsitzende Richterin Stephanie Rainer hielt nach der Beweisaufnahme den Sachverhalt zweifelsfrei als erwiesen an. Die Spuren würden eindeutig zum Angeklagten führen, der das Video nicht nur hochgeladen, sondern auch öffentlich verbreitet habe.

Denn genau das war geschehen. In Windeseile wurde das Video nach dem Hochladen geteilt. Eine Tatsache, die das Strafmaß erhöhte. In seinem letzten Wort erzählte der Angeklagte noch ausführlich seine desolate Familiengeschichte und erklärte, keinen Schulabschluss zu haben. „Aber bei der Polizei haben Sie gesagt, dass Sie auf der Universität waren“, gab die Richterin zu Bedenken.

Die Glaubwürdigkeit des Angeklagten zerbröselte immer weiter. Als Bewährungsauflage wurde dem Angeklagten ein Bewährungshelfer unterstellt. Außerdem muss er 120 Sozialstunden verrichten. Für eine Geldstrafe fehlen ihm die Mittel.

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