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Vereint gegen Mobbing: (von links) Andreas Hörner, Sebastian Kohler und Werner Röll von „ver.di“. 

Konfliktberater im Landkreis

„Das Schlimmste ist: Mobbing funktioniert“

Landkreis - "Mobbing" ist ein Dauerthema. „ver.di“ hat mit Andreas Hörner nun einen Konfliktberater, der für den Landkreis zuständig ist.

Der Fall ist typisch: Eine ältere Mitarbeiterin in leitender Funktion im Gastronomiebereich im Werdenfelser Land werden immer öfter Fehler und Versäumnisse vorgeworfen, die Kollegen meiden sie. Eine jüngere Kollegin steht schon als Nachfolgerin bereit. Irgendwann wird es der Betroffenen zu viel. Sie wendet sich an Konfliktberater Sebastian Kohler von der Gewerkschaft „ver.di“. Der erzählte den exemplarischen Fall nun bei einem Pressegespräch in Weilheim.

Bislang war Kohler als ehrenamtlicher Konfliktberater für den ganzen „ver.di“-Bezirk Allgäu zuständig, der auch die Landkreise Weilheim-Schongau und Garmisch-Partenkirchen umfasst. Nun gibt es mit Andreas Hörner einen weiteren Konfliktberater, der ab sofort speziell Opfer von Mobbing in den Landkreisen Weilheim-Schongau und Garmisch-Partenkirchen berät und an verschiedene Stellen weitervermittelt.

Ungefähr jede zweite Woche kommt ein „ver.di“-Mitglied zu Kohler und bittet um Hilfe, weil es sich gemobbt fühlt. In den meisten Fällen trifft das laut Kohler auch zu. „Der Leidensdruck ist groß, bis jemand zu uns kommt.“ Das kann sogar bis zum Suizid führen. Laut Hörner, der über eineinhalb Jahre vier mehrtägige Fortbildungen besucht hat, sind 15 Prozent aller Suizid-Fälle Opfer von Mobbing gewesen. „Und das Schlimmste ist: Mobbing funktioniert“, so Hörner, der bei der Integrierten Leitstelle in Weilheim arbeitet. Er meint damit, dass Opfer, auch wenn sie gegebenenfalls vor dem Arbeitsgericht Recht bekommen, meist nicht an ihren Arbeitsplatz zurückkehren.

Das bestätigt auch Werner Röll, der „ver.di“-Bezirksleiter aus Kempten hat schon viele Opfer vor dem Arbeitsgericht vertreten. Er verwies beim Pressegespräch auch auf den volkswirtschaftlichen Schaden, der durch Mobbing entstehe, wenn Mitarbeiter monatelang ausfallen oder gar vorzeitig in Ruhestand gehen. Und für die Menschen selbst bedeute ein vorzeitiger Eintritt in die Rente meist auch erhebliche finanzielle Einbußen.

Einig sind sich die „ver.di“-Vertreter, dass den Chefs eine zentrale Rolle beim Mobbing zukommt. In der Hälfte der Fälle bundesweit geht Mobbing direkt vom Chef aus, in einem weiteren Viertel der Fälle werde Mobbing vom Chef schlichtweg ignoriert. Wenn der Chef mobbe, habe das meist mit dessen geringem Selbstwertgefühl zu tun. Wenn der Chef das Problem ignoriere, liege das meist daran, dass er nicht in der Lage ist, Konflikte anzugehen, so Kohler. Aber auch Firmen nutzten die soziale Ausgrenzung von Mitarbeitern zum Stellenabbau. „Das ist leider so“, sagte Kohler.

Das typische Mobbing-Opfer ist zwischen 40 und 49 Jahre alt und weiblich. Wobei Fälle von Sexismus weniger häufiger vorkommen, als viele landläufig glauben, so Hörner. Hingegen seien auch Auszubildende häufiger Opfer von Mobbing.

In den vergangenen zehn Jahren – so lange berät Kohler Betroffene – habe er in den meisten Fällen weiterhelfen können. Er vermittelt die Menschen weiter zum Arzt, zum Chef oder zur Rechtsberatung. Genauso wichtig aber sei es, den Menschen Selbstbewusstsein zu vermitteln. „Ich möchte die Betroffenen zum aufrechten Gang ermutigen.“

Übrigens: Die eingangs erwähnte Mitarbeiterin bekam Recht vor dem Arbeitsgericht, schied aber aus dem Unternehmen aus.

Die Beratung

für Opfer von Mobbing ist nur für „ver.di“-Mitglieder. Die wenden sich an die Telefonnummer 0831/521 880.

Johannes Thoma

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