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Symbolfoto.

Konsumenten im Landkreis immer jünger

Schon Kinder greifen zum Joint

Landkreis – Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung und das bayerische Innenministerium schlagen Alarm: Drogen gehören an Schulen zum Alltag wie Tafelkreide und Lehrbücher.

Dass dies immer wieder auch an Schulen im Landkreis ein Thema ist, zeigte ein Fall im Juli 2015 in Weilheim. Damals wurde ein 15-Jähriger Gymnasiast im Unterricht verhaftet und nach Drogen durchsucht. Die Fahnder wurden fündig: Der Schüler hatte Marihuana bei sich. Die Droge verkaufte und verteilte er wohl auch regelmäßig an seine Mitschüler.

Obwohl er das Weilheimer Gymnasium nur ein Jahr besucht hatte, war es ihm nach damaligen Angaben der Polizei gelungen, eine Reihe von Kindern und Jugendlichen um sich zu scharen und sie mit Marihuana vertraut zu machen. Ein zweiter Bub war von der Polizei aus dem Unterricht an der Weilheimer Realschule herausgenommen worden, weil bei ihm der Verdacht bestand, Drogen an seine Mitschüler weitergegeben zu haben. Er war erst 13 Jahre alt und damit noch nicht strafmündig.

Dass die Buben und Mädchen, die Drogen nehmen, oft noch Kinder sind, deckt sich mit den Erfahrungen der Polizei Weilheim. „Die Konsumenten werden jünger“, sagt Harald Bauer, Leiter der Polizeiinspektion. Vor allem Kräutermischungen, Haschisch und Marihuana würden von Kindern und Jugendlichen konsumiert. „Die Zahl der Konsumenten nimmt weiter zu“, sagt Bauer.

Dass Drogen zum Schulalltag gehören, kann Bauer aber für den Inspektionsbereich „so nicht unterstreichen“. Betäubungsmittel seien zwar unter Jugendlichen generell ein Thema, das sich auch in den schulischen Bereich hineinziehe. Die Zahl der Betäubungsmitteldelikte dort steige aber nicht auffällig an.

Das deckt sich mit den Erfahrungen der Penzberger Polizei: „Eine signifikante Steigerung von Drogendelikten an Penzberger Schulen gibt es nicht“, sagt der stellvertretende Leiter der dortigen Polizeidienststelle, Michael Bayerlein. Dass Schüler Drogen konsumieren und vielleicht auch mal innerhalb der Schule tauschen, wird es seiner Einschätzung nach „immer geben“. Doch das sei schwierig zu kontrollieren. Es gebe immer wieder Hinweise, denen die Polizei dann auch nachgehe. „Das sind immer so Wellenbewegungen“, sagt der Chef der Polizeiinspektion Weilheim.

Das hat auch die Direktorin des Weilheimer Gymnasiums, Beate Sitek, beobachtet: „Es ist alle paar Jahre der Fall, dass das Thema hochkommt und Schüler entlassen werden müssen.“ Dann sei in der Regel wieder für ein paar Jahre Ruhe. Schüler, die in der Schule Drogen konsumieren und an Mitschüler verkaufen, sowie Jugendliche, die Betäubungsmittel in der Schule konsumieren, müssten die Schule in der Regel verlassen, so Sitek. „Eine Insel der Seligen ist das Gymnasium in dieser Beziehung sicher nicht mehr“, sagt die Direktorin. Ihrer Beobachtung nach gehören Cannabis und Haschisch nicht nur unter Jugendlichen mehr zum Leben als früher, sondern auch für viele Erwachsene. Um Schüler und Eltern für die Folgen von Drogenkonsum zu sensibilisieren, würden die Themen „Drogen“ und „Sucht“ nahezu in jeder Klassenstufe in verschiedenen Fächern auf unterschiedliche Weise behandelt.

An der Weilheimer Berufsschule spielen Drogen so gut wie keine Rolle, sagt der Rektor der Schule, Dr. Burkhard Küster. „Das Thema ist zwar über den gesamten Jugendbereich präsent, bei unserem Klientel aber eher selten.“ Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen an seiner Schule seien mit Lernen, Ausbildung und Arbeit so gefordert, dass sich dies nicht mit einer heftigen Drogenkarriere vereinbaren ließe. „Wenn jemand eher harte Drogen nimmt, ist er nicht ausbildungsfähig“, sagt Küster.

Kathrin Hauser

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