Krankenhaus-Zukunft in Penzberg: Landrat wird mit Pfeifkonzert empfangen

Penzberg - Mit Buh-Rufen und Pfeifkonzert wurde der Landrat am Mittwoch in Penzberg empfangen. Fast 1000 Zuhörer drängten sich in der Stadthalle: Es ging um die Krankenhaus-Zukunft.

Die Penzberger Stadthalle war überfüllt, selbst der Nebensaal war geöffnet. Menschen standen in den Seitengängen und auf der Empore. Unter den Besuchern: rund zwanzig der sechzig Kreisräte sowie viele Bürgermeister aus der Nachbarschaft. Schon 20 Minuten vor Beginn der Bürgerversammlung war im Saal kein Sitzplatz mehr zu finden. Er habe im Vorfeld gewarnt, dass eine schnelle Umsetzung einen Sturm der Entrüstung auslöse, sagte Bürgermeister Hans Mummert eingangs. „Das hat sich bewahrheitet.“

Die Entrüstung entlud sich bereits in den ersten Minuten lautstark. Als Mummert vom Podium den Landrat und die GmbH-Direktorin Elisabeth Ulmer begrüßte, folgte ein ohrenbetäubendes Pfeifkonzert. Was den Rathaus-Chef zu der Warnung veranlasste, er werde bei erheblichen Störungen und Beleidigungen die jeweilige Personen des Saals verweisen werde. Danach verlief die Versammlung relativ gesittet – im Großen und Ganzen konnte jeder ausreden.

Frenetischen Applaus und Jubel gab es, als Berta Senger, Vorsitzende des Krankenhaus-Fördervereins die Zahl der Unterschriften für die Rettung des Krankenhauses verkündete: insgesamt 11 742. Parteien und Förderverein hatten sie innerhalb von 13 Tagen gesammelt. Die Unterzeichner, so Berta Senger, würden damit kundtun, dass ein Krankenhaus mit Chirurgie und Innerer Abteilung notwendig sei.

Eingepackt in weiß-blaues Rautenpapier und mit Disteln versehen, überreichte Berta Senger die Listen an Landrat Zeller („Danke für die Blumen“), der in der Versammlung wie Direktorin Elisabeth Ulmer für die Übertragung des Penzberger Krankenhauses an die „Klinikgruppe Enzensberg“ warb. Deren Gechäftsführer Klaus Krotschek erläuterte sein Fachklinik-Konzept, das nur eine innere, aber keine chirurgische Abteilung beinhaltet. Das „Krankenhaus klassischer Prägung“ habe keine Zukunft, sagte Zeller, der in den dreieinhalb Stunden harte Kritik einstecken musste. Vorgeworfen wurde ihm unter anderem Arroganz. Auch von einer Spaltung des Landkreises war die Rede. Niedergelassene Ärzte und BRK warnten eindringlich vor dem Ende des Hauses in seiner jetzigen Form.

Bürgermeister Mummert stritt in seiner Rede ebenso für dessen Rettung. Außerdem sagte er, es zeichne sich ab, dass es im Kreistag am 17. Juli „keine Mehrheit für einen vorschnellen Beschluss“ gebe – also für die Übertragung an die Enzensberg-Gruppe. Tatsächlich ist die Sache allerdings noch offen. Ein Kreisrätin meldete sich in der Versammlung zu Wort, die eigentlich den Penzberger Bürgern vorbehalten war: Agnes Edenhofer (ÖDP), die ihr Nein zum Enzensberg-Antrag ankündigte – eine Wortmeldung, die zwei andere Kreisräte, Markus Loth und Dr. Nobert Vidal (beide BfL, Weilheim) an den Rand eines Wutausbruches brachte (weitere Berichte in der Freitagsausgabe).

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