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Vorsichtig lässt es Manfred Fischer in Peißenberg angehen und nimmt vorerst nur weniger Campinggäste auf als möglich. Er will erstmal das Corona-Konzept testen.
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Mit Pfeilen werden die Campinggäste in Rottenbuch im Sanitärhaus zu den WC- und Waschräumen geleitet.
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Verzichten auf Passions-Gäste müssen die Rottenbucher Iris und Christoph Echtler.
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Vom Bodensee an den Starnberger See sind Maik und Katja Vollrath mit ihren Söhnen Johannes und Jakob gefahren – weil es hier ruhiger und beschaulicher ist.
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Keine Besucher empfangen dürfen zurzeit Dauercamper und Touristen auf den Campingplätzen in Bayern.
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Hinter einer Trennwand aus Plexiglas arbeiten Julia und Matthias Lederer an der Rezeption in Seeshaupt.

Campingplätze nach der Wiedereröffnung

Einfach nur mal raus - auf den Campingplatz

Pfingstferien in Bayern, zweite Hälfte, Montag. Es scheint ein regenfreier Tag zu werden, einer der schönsten der Woche, so sagt der Wetterbericht voraus. Beste Gelegenheit, um nachzuschauen, wie es auf den Campingplätzen im Landkreis so zugeht – jetzt, nachdem sie wieder offen haben. Also, auf geht’s! Unser Autor Ralf Scharnitzky startet auf eine Rundtour nach Seeshaupt, Peißenberg und Rottenbuch: Camper schauen!

Auf der Fahrt von Weilheim an das Südufer des Starnberger Sees hängt man dem für die Geschichte eigentlich wichtigsten Gedanken nach: Was wird anders sein als sonst; beim Camping-Urlaub in Corona-Zeiten?

Keine Urlauber in Zelten

Man kann es beurteilen, hat man doch selbst den klassischen Weg eines Campingfreundes hinter sich: Zelt, Campingbus, Wohnwagen. Eines ist schon bei der Anfahrt klar: Urlauber in Zelten oder Campingbussen – immer noch mit Vorliebe VW-Bullys – wird man nicht zu sehen bekommen.

Denn eine der eindeutigen Regeln für die Betreiber von Campingplätzen in Bayern besagt: Aufgenommen werden dürfen nur Fahrzeuge, also Wohnwagen und Wohnmobile, mit eigener Sanitäreinheit; selbst wenn die Sanitärhäuser auf den Plätzen eingeschränkt nutzbar sind.

Viele Faktoren, die für‘s Camping sprechen

Der ADAC übrigens sieht im Camping auf den mehr als 3000 Plätzen in Deutschland mit insgesamt mehr als 220 000 angebotenen Stellplätzen die ideale kontaktarme Urlaubsform: „Wer mit dem Camper oder dem Wohnwagen unterwegs ist, muss sich an keinem Buffet mit anderen Urlaubern drängeln, sorgt für keinen Engpass im Hotelflur und bringt sein eigenes Gästezimmer quasi mit“, heißt es auf der Webseite.

Außerdem seien auf vielen Campingplätzen die Parzellen großteils so gestaltet, dass die Besucher ausreichend Abstand halten können, die Anreise erfolge sowieso individuell. „Viele Faktoren, die für ein geringeres Risiko sprechen, sich mit Covid-19 zu infizieren“, meint der Automobilclub, der auch in der Campingbranche kräftig mitmischt.

Seeshaupt: Seit Ende Mai ausgebucht

Hinter der Schranke vom „Camping Seeshaupt“ fällt dann eines sofort auf: nämlich, dass einem auf den ersten Blick nichts auffällt. „Wir sind seit 30. Mai praktisch ausgebucht“, erzählt Pächter Matthias Lederer. Die knapp 70 Stellplätze – in der Tat so wie der ADAC behauptet parzelliert und recht groß – sind fast alle belegt. „Fast“ deshalb, weil „Bettenwechsel“ ist: Am Wochenende sind einige abgereist, die neuen Gäste für die Stellplätze kommen noch im Laufe des Tages.

Nachdem Bayerns CSU-Ministerpräsident Markus Söder Anfang Mai bekannt gegeben hatte, zum letzten Wochenende des Monats den Shutdown für die weiß-blauen Campingplätze unter Auflagen aufzuheben, „glühten bei uns die Leitungen“, so Lederer. „Mehr als 150 Anrufe und bis zu 200 Mails täglich gingen anfangs in der Rezeption ein.

Dort hat sich einiges geändert: zwischen Gast und Gastgeber Plastikwände, Mundschutz- und Abstandspflicht; wie auf allen Plätzen auf der Tour: auch in den Sanitäranlagen, am Kiosk, im Laden und in den Restaurants. Der junge Platzbetreiber hat Mitte 2016 mit seiner Frau Julia die gemeindliche Anlage als Pächter übernommen, zusammen mit der Gemeinde Seeshaupt mit einem kleinen siebenstelligen Batzen Geld aufgehübscht und die Plätze der Dauercamper verringert.

Extra große Plätze für Oberklasse und Luxus-Liner

Seine neueste Errungenschaft: Die Zeltwiese direkt an der Liegewiese am Seeufer wurde aufgelöst und extra große Plätze für die Oberklasse und die Luxus-Liner geschaffen – fahrende Mobilhomes, so zwischen acht und zwölf Metern Länge und in der Regel mit Preisen von 80 000 bis 300 000 Euro. Wer will, kann aber auch um die 1,5 Millionen Euro ausgeben. Aber selbst am Starnberger See dürfte so ein Gefährt nur selten unterwegs sein.

Auf einem dieser Super-Plätze trifft man Familie Vollrath aus Überlingen am Bodensee vor ihrem Dethleffs-Mobil; kein Millionen-Objekt, aber auch nicht für jedermann erschwinglich. Maik und Katja sind mit ihren Söhnen Johannes (10) und (7) nicht nur in den Ferien quer durch Deutschland unterwegs: „Wir sind einfach gerne in der Natur. Stehen oft so in der schönen Gegend.“

Mit dem Wohnbus geht das, die Familie ist autark: Strom liefern Solarzellen auf dem Dach, Wasser ist genug an Bord und das Abwasser wird aufgefangen. Sie sind nach Seeshaupt gefahren, obwohl sie selbst an einem See wohnen, am Bodensee: „Da ist es richtig voll, seit Beginn der Pfingstferien in Baden-Württemberg“, erklärt Maik Vollrath. Hier sei es ruhiger, beschaulicher. Bedenken wegen Corona haben sie nicht: Viel Platz, alle Vorschriften erfüllt – „alles bestens“.

Von Karlsruhe nach Seeshaupt

Gerade beim Aufbauen ihres Wohnwagens sind Viktor und Anke Vöhringer aus der Nähe von Karlsruhe. Mit ihren beiden Kleinen Jakob (4) und Lena (2) wollten sie eigentlich an den Gardasee, hatten zuletzt aber gedacht, dass ein Urlaub über Pfingsten heuer gar nicht klappt: „Als wir dann gehört haben, dass in Bayern die Campingplätze doch vorher aufmachen, hat meine Frau sofort reserviert.“

Erst waren sie an der Zugspitze in Grainau, nun sind sie am Starnberger See. „Wir freuen uns, dass wir jetzt einmal diese Gegend erleben können“, sagt Viktor Vöhringer, der ebenso wie seine Frau im Lehramt tätig ist. Deshalb sind auch sie auf die Ferien angewiesen.

Ferien oder Schulzeit – für Dauercamper spielt das eine eher untergeordnete Rolle. Auch sie dürfen wieder zu ihren rollenden, aber meist vom Straßenverkehr abgemeldeten Behausungen. Anders als Kleingärtner waren sie von ihren Herbergen ausgesperrt; für viele unverständlich – von wegen Gleichbehandlung.

Peißenberg: Im Jahresurlaub nicht zum Dauercamping

Bernadette Schmidt aus Gilching (Landkreis Starnberg), eine von 150 Dauercampern auf dem „Campingplatz Ammertal“ in Peißenberg, ist froh, dass sie wieder in ihren Wohnwagen kann. Für sie noch nachträglich ärgerlich: „Ich hatte kürzlich drei Wochen Jahresurlaub – und konnte nicht hierher.“

Auf der Wiese mit den Touristenplätzen direkt am kleinen Badesee unterhalb des Ammerdamms stehen gerade mal eine Handvoll Wohnwagen. „Wir wären ausgebucht“, sagt Platzeigentümer Manfred Fischer. Aber er ist vorsichtig, nimmt nicht jede Anfrage an: „Ich will erst einmal ausprobieren, wie es geht mit den Corona-Vorschriften.“ Wenn alles gut geht, wird es in den nächsten Wochen dann voller auf den etwa 50 Stellplätzen.

Nach Wochen des Lockdowns: „Einfach nur mal raus“

An einem der Wohnwagen, jetzt mit noch viel Platz drumherum, redet man mit einer Familie aus Lindau, die Verwandtschaft in Weilheim hat. Ivonne Burger, in Bad Tölz geboren, ist in der Kreisstadt aufgewachsen. Mit Mann Andreas und den Kindern Samantha (6) und Atreju (9) nutzen sie den Aufenthalt nun auch für Verwandtenbesuche: „Wir wollten einfach nur mal raus aus den vier Wänden“, sagt Andreas Burger. Verständlich, nach den langen Wochen des Lockdowns.

Da spielt auch das etwas verregnete Wetter, das für die meisten Tage der zweiten Ferienwoche angekündigt ist, keine Rolle: „Das ist in diesem Jahr zweitrangig.“ Sie waren noch nie auf dem Platz, sind aber sehr angetan. „Ende Juli, wenn die Sommerferien beginnen, wollen wir wiederkommen“, blickt Ivonne Burger voraus.

Rottenbuch: Passionsspiele in Oberammergau abgesagt - herbe Verluste damit verbunden

Das Wetter ist auch in Rottenbuch zweitrangig, nicht aber die Passionsspiele im nahen Oberammergau beziehungsweise deren Absage. Die coronabedingte Verlegung auf das Jahr 2022 beschert den Besitzern des „Terrassen-Camping am Richterbichl“, Iris und Christoph Echtler, einen herben Verlust: „Wir waren mit Besuchern der Spiele von Mitte Mai bis Ende September ausgebucht“, hört man von Platz-Chef Echtler.

Und auch die vielen Stammgäste aus den Niederlanden und Dänemark, denen in ihren Ländern noch von nicht notwendigen Reisen abgeraten wird, fehlen auf dem Campingplatz am Südrand des Klosterdorfes. Auf den vier Terrassenebenen, die zwei oberen für Dauercamper reserviert, sind daher nur wenige Touristen.

Martin und Cornelia Oeder aus dem Landkreis Germersheim in Rheinland-Pfalz sind nicht nur von der Ruhe begeistert, sondern vor allem auch von der Gegend: „Wir sind große Bayern-Freunde. Es gibt hier so viel zu sehen“, sagt die Camperin. Und ihr Mann ergänzt: „Wir haben es nicht so mit den weiten Fahrten ins Ausland.“ Nach Bayern wollten sie, wie in so vielen Jahren, heuer im Frühjahr sowieso – nun sind sie halt ein wenig später gekommen.

Saisonende schon im September - bis dahin Zeit, Verluste auszugleichen

„Später kommen“ ist auch ein Stichwort für „Richterbichl“-Besitzer Christoph Echtler, der auf ein großes Problem seiner Branche aufmerksam macht: „Wir haben nur bis Ende September Zeit, unsere Verluste ein wenig abzumildern. Dann ist die Saison für uns, anders als für die Gastronomie und die Hotellerie, vorbei.“ Da sei es nur gut, dass man als Eigentümer keine Pacht für das Gelände zahlen müsse.

Ein Vorteil, auf den auch der Peißenberger Platzbesitzer Fischer vorher schon hingewiesen hatte. Bei Pächter Lederer in Seeshaupt hat sich die Kommune großzügig gezeigt – und die Pacht für die beiden geschlossenen Monate April und Mai gestundet. Es wird trotzdem ein verlustreiches Jahr für die Branche werden. Denn das beliebte Camping hat im April im Freistaat praktisch gar nicht stattgefunden.

Campingbranche boomt: Hoffnung liegt auf nächstem Jahr

Nach den aktuellen Zahlen des Bayerischen Landesamtes für Statistik in Fürth von Mitte dieser Woche betrug das Minus 99,8 Prozent. Und im Mai, mit seinen gerade mal zwei Öffnungstagen am Ende, wird es nicht viel besser aussehen.

Bleibt nur die Hoffnung aufs nächstes Jahr – und die ist berechtigt. Denn die Campingbranche boomt, die Zulassungszahlen für Wohnwagen und Wohnmobile steigen seit Jahren. Und der Trend könnte dank Corona sogar noch zunehmen, denn viele entdecken heute den erfahrbaren Reiz der Heimat.

Von Ralf Scharnitzky

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