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Weit und breit kein Dampfer: Der Steg in Seeshaupt wird zurzeit nicht angefahren. 

Starnberger See und Ammersee

Kein Schiff wird kommen - Sonderfahrpläne wegen Corona

  • Tobias Gmach
    vonTobias Gmach
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Der Sonderfahrplan der Schifffahrt am Starnberger See gilt noch bis Sonntag, 14. Juni: Acht- bis zehnmal legen Schiffe pro Tag in Starnberg für einstündige Rundfahrten ab. Zwischenstopps machen sie nicht. Das stößt in Bernried und Seeshaupt dennoch auf Verständnis.

Landkreis – Bedauerlich, aber nicht zu ändern ist es für die Seegemeinden, dass die Bayerische Schifffahrt in den Pfingstferien lediglich ab Starnberg einstündige Rundfahrten ohne Zwischenstopps anbietet. Den Grund für diesen reduzierten Fahrplan erfahren die Passagiere auf der Internetseite: „Aufgrund der strengen behördlichen Auflagen mit Abstandsregelungen und namentlicher Registrierung der Gäste ist der Betrieb derzeit nur sehr eingeschränkt möglich.“

„Im gemeinsamen Gespräch Lösungen finden“

Bürgermeister Georg Malterer aus Bernried findet das auf Anfrage unserer Zeitung „zwar nicht schön, aber in Corona-Zeiten unumgänglich wie viele andere Regeln auch“. Der Kommune bleibe nichts anderes übrig, als die Entscheidung der Seenschifffahrt zu akzeptieren, die auch erst Erfahrungen mit der ungewohnten Situation sammeln müsse.

Ähnlich wie sein Bernrieder Kollege argumentiert auch Seeshaupts Bürgermeister Fritz Egold: „Der reduzierte Fahrplan ist nachvollziehbar – so sind halt jetzt die Vorschriften, und wir müssen versuchen, im gemeinsamen Gespräch Lösungen zu finden, damit die Schiffe bald wieder auch bei uns anlegen.“

Wegen Sonderfahrplan mit dem Auto nach Starnberg

In Pandemie-Zeiten müsse man den Menschen eben vieles zumuten, meint Daniela Schulze vom Marina-Seerestaurant in Bernried. „Aber ein Haltepunkt am Südende des Starnberger Sees wäre schon praktisch.“ Statt in Bernried zuzusteigen, müssten die Gäste wegen des Sonderfahrplans jetzt mit dem Auto bis nach Starnberg fahren. „Man kann nur hoffen, dass sich das bald wieder ändern wird!“, sagt sie weiter.

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Das meint auch Gabriele Krause vom Café am See in Seeshaupt. „Natürlich fehlen uns die Tagestouristen von den Schiffen, aber allzu viele bringen wir aufgrund der Corona-Vorschriften gar nicht unter.“ So hätten drinnen nur 16 Gäste Platz, auf der Terrasse rund 60. „Insofern tut uns die aktuelle Situation nicht ganz so weh wie die Beschränkungen im vergangenen Monat.“ Es herrsche sowieso in vielen Lebensbereichen „kompletter Ausnahmezustand“, stellt Krause fest.

Seenschifffahrt sieht keine Lösung

Der Chef der Bayerischen Seenschifffahrt in Starnberg, Michael Grießer, hat Verständnis für die Nöte der Südgemeinden, kann aber wenig tun. Andere Stege anzufahren, schließt Grießer mit den aktuellen Corona-Regeln noch aus. Die Gäste mit Namen und Verweildauer zu registrieren, sei im Linienbetrieb nicht möglich. Oder sehr aufwendig: Man müsste protokollieren, wer wann wo ein- und aussteigt. Und oftmals könnte aufgrund der begrenzten Plätze kaum noch jemand zusteigen. „Was sollen wir machen, wenn dann an einem Steg 30 Leute stehen?“, fragt Grießer. Nicht mal je ein Drittel der beiden Schiffe „MS Starnberg“ und „MS Seeshaupt“ könne man derzeit besetzen. Statt bei 800 liege die maximale Kapazität bei 250. Letztere Zahl gelte aber nur für den Fall, wenn alle Vierer- und Zweiertische besetzt seien (mit maximal zwei Haushalten). Grießer: „Aber es fahren ja auch Einzelpersonen mit.“

Situation nicht mit normalen Zeiten vergleichbar

Am Ammersee stellt sich das gleiche Problem: Die Schiffe starten in Herrsching oder Stegen, drehen ihre Runde und lassen Dießen außen vor: Bürgermeisterin Sandra Perzul sieht das mit Sorge: „Natürlich braucht unser Ort die Touristen“, sagt sie. Auch beim Unterbräu wäre man froh, wenn die Schiffe bald wieder in Dießen anlegen würden. „Ich hab’ jeden Tag auf die Homepage der Schifffahrt geschaut, um nähere Informationen zu bekommen“, sagt Wirtin Anna Brink. Vor allem für Besucher aus München sei es praktisch gewesen, von dort mit der S-Bahn bis Herrsching und dann per Schiff über den See nach Dießen zu fahren. „Jetzt fehlen uns auch Tagungs- und Übernachtungsgäste“, aber die ganze Situation sei ohnehin nicht mit normalen Zeiten vergleichbar.

VON PETER STÖBICH UND TOBIAS GMACH

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