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Nur am Huglfinger Bahnhof gibt es zwei Gleise. Auf dem Rest der Strecke zwischen Weilheim und Murnau gibt es nur ein Gleis.

Pro Bahn: Ohne zweites Gleis droht Chaos

Der für 2030 geplante „Deutschlandtakt“ der Bahn kann sogar einen Halbstundenrhythmus zwischen Weilheim und Murnau bringen. Der Fahrgastverband Pro Bahn hält das Konzept ohne Zweigleisabschnitt jedoch für unrealistisch – und fordert ein umfassendes Konzept mit der Reaktivierung von Bahnhöfen wie in Polling und Wilzhofen.

Landkreis – Schon lange setzt sich Pro Bahn für einen dichteren Takt ein. Seit die Bundespolitik das Ziel vom „Deutschlandtakt“ formuliert hat, ist Norbert Moy vorsichtig optimistisch, denn die für Fahrpläne zuständige Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) lässt von einem Schweizer Planungsbüro bereits Verdichtungs-Konzepte erarbeiten.

Norbert Moy Fahrgastverband Pro Bahn

„Auf Abschnitten mit mehr als 5000 Fahrgästen täglich will die Politik einen Halbstundentakt anstreben“, weiß der Vorsitzende der Pro Bahn Regionalgruppe Oberland. Und seit der Einführung neuer Triebwagen sind die Fahrgastzahlen deutlich gestiegen. Nördlich von Weilheim nutzten 2018 täglich 10 043 Passagiere den Zug (2013 waren es 8477), nördlich von Murnau 5209 (2018 noch 4579), nördlich von Garmisch 3905 (2018 nur 3700).

Wie bei Mikado-Turm: Geringste Verspätung würde Chaos auslösen

Halbstundenzüge München-Murnau wären also voraussichtlich im „Deutschlandtakt“ dabei. Den Vorgaben gemäß bräuchte man südlich von Murnau keine Extra-Züge, aber Moy wendet ein: „Ich bin überzeugt, wenn man bis Garmisch-Partenkirchen einen Halbstundentakt anbietet, klettert die Nutzerzahl dort auch schnell auf 5000 Fahrgäste.“

In zwei weiteren Punkten klaffen die Zukunftsvisionen von BEG und Pro Bahn auseinander. Einmal bei der Infrastruktur. „Der Fahrplan zwischen Tutzing und Murnau ist bereits jetzt sehr angespannt“, warnt der Bahn-Experte. Wie bei einem Mikado-Turm würde bei einem Halbstundentakt die geringste Verspätung Chaos auslösen, wenn nicht ein Zweigleisabschnitt zusätzliche Minuten für Zugbegegnungen schaffe. „Aus der Sicht von Pro Bahn ist das zweite Gleis von Murnau bis Uffing zwingend erforderlich.“

Der dritte Punkt der Abweichung betrifft die Reaktivierung alter Stationen. „Mindestens die Wiederbelebung vom Bahnhof Polling wäre sinnvoll und umsetzbar“, sagt Moy. Mittlerweile sei die BEG nicht mehr völlig verhärtet in der Frage zusätzlicher Stopps und ziehe selber bereits eine Wiedereröffnung des Halts in Kainzenbad am Ostrand von Partenkirchen konkret in Betracht.

Umleitung von Bundesmitteln könne drei Züge pro Stunde möglich machen

Für Moy erscheint eine Kleckermaßnahme wie die offenbar geplante Verlängerung der Weilheimer Halbstundenzüge bis Murnau nicht als ausreichend, um eine echte Verkehrswende zu erreichen: „Pro Bahn fordert eine entschlossene Stärkung des Bahnverkehrs in der Region.“ Eine Umleitung von Bundesmitteln zugunsten des Schienenausbaus könne sogar drei Züge pro Stunde und Richtung zwischen Murnau und München möglich machen, so Moy.

Jeder dritte Zug könnte dann noch an weiteren Stationen Halt machen, etwa am alten Bahnhof Wilzhofen, in Polling und an einem neuen Zusatzstopp „Huglfing Ort“. Dafür bräuchte es dann wohl aber auch die Zweigleisigkeit rund um Weilheim bis Polling und Wilzhofen, kalkuliert der Ingenieur, der am liebsten auch die Ammerseebahn und die Pfaffenwinkelbahn elektrifiziert sähe. 

Kein Luxus verschieden schnelle Züge für unterschiedlichen Wünsche einzusetzen 

„In der Region gibt es nicht den Standard-Fahrgast mit einheitlichem Interesse, denn manche wollen schnell zu den großen Orten und andere haben ganz lokale Verkehrsbedürfnisse.“ Auf einer hundert Kilometer langen Verbindung wie München-Garmisch sei es kein Luxus, für die unterschiedlichen Wünsche auch verschieden schnelle Züge einzusetzen. Zudem bräuchte die Ammerseebahn einen zweigleisigen Bahnhof in Raisting – nur so klappt der Fahrplan für alle Anschlüsse in Weilheim.

Dass das Interesse für mehr Zug-Angebote steige, leitet Moy aus positiven Gesprächen nicht nur mit der BEG, sondern auch mit politischen Vertretern von Polling und Wielenbach ab. Nicht zu vergessen die Pro Bahn-Petition für den raschen Ausbau von Pfaffenwinkel- und Werdenfelsbahn, die 3154 Unterstützer gefunden hat. „Lägen unsere Landkreise in der Schweiz, wären durchgehende Züge von Schongau bis München und eine Schienen-Anbindung der Firma Roche in Penzberg wohl längst umgesetzt“, gibt sich der Pro Bahn-Vordenker überzeugt. In der bescheidenen Realität des bayerischen Schienenverkehrs aber müsse man allein schon darum betteln, dass wenigstens jeder Zug taktgemäß in Iffeldorf anhalte, bedauert Moy.

VON ANDREAS BRETTING

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