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Kennt sich mit Nagern aus: Dr. Ullrich Benker mit Schermaus (links) und Feldmaus.

Aktuelles Interview

„Natürliche Feinde unterstützen“

Landkreis - Landwirten droht eine Mäuseplage. Dr. Ullrich Benker weiß, was sie dagegen tun können.

Auf den schneefreien Feldern türmen sich Maushaufen dicht an dicht, viele Bauern fürchten nach dem milden Winter eine wahre Mäuseplage. In einigen Bundesländern ist die Population schon explosionsartig angestiegen, aus der Landwirtschaft wird der Ruf nach einer flächendeckenden Bekämpfung laut, denn die Tiere fressen nicht nur Wurzelwerk, sie übertragen auch Krankheiten. Bei der Pflanzenbautagung in Oberhausen sprach Dr. Ullrich Benker vom Institut für Pflanzenbau der Landesanstalt für Landwirtschaft in Freising-Weihenstephan über „Regulierung des Mäusebefalls auf Grünlandflächen“.

Welche Mäuse machen den Bauern Probleme?

Es sind vor allem die Schermaus und die Feldmaus, weil sie Pflanzen fressen. Aber auch Maulwürfe verursachen Probleme.


Welche Art von Schäden richten sie an?

Die Mäuse vermehren sich sehr schnell. Ein Pärchen kann 100 bis 200 Nachkommen haben, was zu einem starken Befall führen kann. Bei 1000 Tieren pro Hektar werden pro Monat bis zu 1500 Kilogramm Wurzelmaterial gefressen. Darunter leidet die Produktion von Grundfutter erheblich. Beim Maulwurf sind es eher die Haufen, die Probleme verursachen. Sie erschweren das Mähen, außerdem kann Erde ins Futter gelangen – und damit auch Krankheitserreger. So können zum Beispiel Leptospirose, das Hantavirus oder Salmonellen übertragen werden.


Was kann ein Landwirt unternehmen?

Zuerst sollte er die natürlichen Feinde der Mäuse unterstützen, indem er Sitzstangen für Greifvögel aufstellt und Steinhaufen für Hermeline und Mauswiesel aufschichtet. Auch die Schleiereule, der Uhu und der Fuchs bekämpfen Mäuse sehr wirksam. Im Nahbereich um den Hof helfen auch Hauskatzen. Zu Beginn eines Befalls im Frühjahr hilft auch das Aufstellen von Fallen. Der beste Zeitpunkt dafür ist der März. Giftköder und Begasung dürfen nur mit entsprechendem Sachkundenachweis angewendet werden und sollten nur bei extrem starkem Befall eingesetzt werden.


Was sollte nicht gemacht werden?

Ich halte viele der Wundermittel, die im Internet angeboten werden, für wenig sinnvoll, da sich ihre Wirkung nicht wissenschaftlich belegen lässt. Auch Schussapparate sind problematisch, da von ihnen eine große Verletzungsgefahr ausgeht. Auf keinen Fall sollte ein Landwirt nicht zugelassene Mittel verwenden. Dazu gehören zum Beispiel der Einsatz von Kohlenmonoxid und Kohlendioxid zur Begasung der Mausgänge.


Und was ist mit den Maulwürfen?

Der Maulwurf ist geschützt und darf daher nicht bekämpft werden. Die Maulwurfhaufen sollten aber durch Abschleppen oder Walzen eingeebnet werden, damit keine Erde ins Futter gelangt.

Fragen: Alfred Schubert

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