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Einsatz an der Bande: Bei einem Eishockey-Spiel läuft ohne den Sanitätsdienst nichts. Das Foto zeigte eine Szene aus dem Peißenberger Stadion. Im Bild sind Dr. Ernst Frohnheiser (Johanniter, hi.) und Paul Popp (Rotes Kreuz) zu sehen. 

Wo gibt es medizinische Helfer?

Nicht bei jedem Wettkampf gibt’s Sanitäter

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Landkreis - Nicht bei jedem Wettkampf gibt’s Sanitäter. Beim Fußball und Handball sind sie nicht vorgeschrieben, beim Boxen und Eishockey schon.

Der Fall sorgte überregional für Aufsehen. Bei einem Fußballspiel des SV Odelzhausen in der C-Klasse (die niedrigste Liga) erlitt ein Spieler (35) der Gastgeber einen Herzinfarkt. Da Zuschauer und Betreuer schnell reagierten und der Notarzt flugs eintraf, konnte der Mann gerettet werden. Ob ein Sanitätsdienst bei einem Wettkampf direkt vor Ort ist, ist von Sportart zu Sportart unterschiedlich geregelt, wie eine Umfrage der Heimatzeitung ergab.

Generell gilt, dass jemand, der – egal in welcher Sportart – die Ausbildung zu einem Übungsleiter macht, einen erfolgreich abgelegten Kurs in Erster Hilfe vorweisen muss. Bei vielen Mannschaftssportarten wie Fußball, Handball, Basketball und Volleyball ist es in den unteren (Amateur-)Ligen so, dass bei Ligaspielen kein Extra-Sanitätsdienst am Platz oder in der Halle vor Ort ist. Das wäre angesichts der Vielzahl an Partien an einem Wochenende auch gar nicht zu realisieren. „Man geht eben davon aus, dass bei einem Unfall schnell der Notdienst da ist“, sagt Walter Kurzrock, Abteilungsleiter bei den Handballern des TSV Weilheim. Die Trainer hätten alle ein Handy. Bei einem Unfall „würden sie genau so reagieren, als wenn etwas auf offener Straße passiert“. Bei den Weilheimer Handballern werden alle Mannschaften von Übungsleitern oder zumindest von erfahrenen Erwachsenen betreut. „Ich halte nix davon, wenn Jugendmannschaften von Jugendlichen trainiert werden“, sagt Kurzrock, der selbst den C-Schein (die unterste Stufe der Trainerscheine) besitzt. Dass geeignete Leute als Trainer eingesetzt werden, „liegt auch in der Verantwortung der Abteilungsleitung“, stellt er klar.

Auf dem Fußballplatz des SV Raisting erlitt vor zweieinhalb Jahren bei einem Landesliga-Spiel des SVR gegen Manching ein Zuschauer einen Herzinfarkt. Damals leistete die Schiedsrichterin, im Hauptberuf Polizistin, Erste Hilfe, bis die Rettungskräfte gekommen waren. „Auf sehr vielen Sportplätzen hängt mittlerweile ein Defibrillator. Das ist mir aufgefallen“, sagt Stefan Rießenberger. Der Peißenberger ist Fußballschiedsrichter, pfeift Spiele bis einschließlich Kreisliga und kommt dabei weit herum. Ein Schiedsrichter muss keinen Ersthelfer-Kurs absolviert haben, so Rießenberger.

Sehr streng sind die Vorgaben, was die ärztliche Betreuung betrifft, beim Boxen. „Ohne Ringarzt gibt’s keine Veranstaltung“, sagt Heinz-Günter Deuster. Der Peitinger ist Präsident des Bayerischen Amateurboxsport-Verbandes und als Kampfrichter auch des Öfteren bei Auftritten der Peißenberger Boxer im Einsatz. Ein Ringarzt muss jeden Kampf auch genau im Blick haben. Muss der Mediziner zum Beispiel in der Kabine einen Athleten behandeln, wird die Veranstaltung unterbrochen.

Ein Boxer durchläuft mehrere Untersuchungen: eine grundsätzliche, ob er überhaupt für den Sport tauglich ist, eine jährliche, die in der Regel durch den Vereinsarzt vorgenommen wird, und eine Untersuchung vor jedem einzelnen Kampf durch den jeweiligen Ringarzt. Die Ärzte erhalten zudem jährlich Aus- und Weiterbildung.

Erhält ein Boxer im Ring viele Treffer, kann der Ringarzt eine längere Schutzsperre aussprechen. Geht ein Athlet K.o., dann gilt eine obligatorische Schutzsperre von vier Wochen. Beim TSV Peißenberg ist seit einigen Jahren Dr. Ernst Frohnheiser als Ringarzt im Einsatz – und genießt in der Szene hohes Ansehen. Vor fünf Jahren erlitt ein Peißenberger Kämpfer bei den oberbayerischen Meisterschaften in heimischer Halle im Ring eine schwere Hirnverletzung. Frohnheiser war sofort zur Stelle und hatte spezielles Equipment. „Er hat dem Boxer das Leben gerettet“, erinnert sich Deuster. Er hat als Kampfrichter während eines Fights immer auch den Ringarzt im Blick, um einen zu einseitigen Kampf notfalls abbrechen zu lassen. „Das machen meine Kollegen auch so“, sagt Deuster.

Beim Eishockey ist ein Sanitätsdienst im Stadion Pflicht. Es muss auch immer so viel Personal da sein, dass, sollte ein ein Spieler in der Kabine behandelt werden, auch an der Eisfläche noch ein Sanitäter steht, erklärt Stefan Rießenberger, technischer Leiter der Peißenberger „Eishackler“. Bei Nachwuchsspielen reicht zumindest jemand, „der den großen Erste-Hilfe-Schein hat“, so Rießenberger. Steht auf dem offiziellen Spielberichtsbogen kein Verantwortlicher für den Sanitätsdienst, „darf kein Spieler aufs Eis“. In Peißenberg achten die Verantwortlichen darauf, dass bei einem Heimspiel der Erwachsenen in der Bayernliga zusätzlich immer ein Notarzt anwesend ist. Den Sanitätsdienst übernehmen im Wechsel die Johanniter und das Rote Kreuz.

In der Schwimmabteilung des Post SV Weilheim haben fünf der acht Trainer einen Übungsleiterschein. Die speziell ausgebildeten Leute „sind auch beim Training immer da“, sagt Abteilungsleiterin Helga Schuhmann. Das ist sogar vorgeschrieben, denn während der Trainingszeiten ist in der Regel kein Schwimm-Meister da. Im Hallenbad gibt es einen Rettungsreifen, einen Defibrillator und neuerdings eine spezielle Trage für eine Wasserrettung. „Wir hatten in 35 Jahren zum Glück noch nie eine Situation, in der wir etwas gebraucht hätten“, sagt Schuhmann. Im Montagstraining tummeln sich bis zu 140 Jugendliche in den Schwimmbecken. Einmal jährlich, darauf achtet Schuhmann penibel, muss jedes Mitglied der Abteilung eine ärztliche Bescheinigung vorlegen, das die Schwimmsport-Tauglichkeit attestiert.

Beim „Hapfelmeier-Lauf“ waren heuer vier Mitglieder des Roten Kreuzes vor Ort, sagt Robert Schärfl vom Post SV Weilheim, der das Rennen mitveranstaltet. Schärfl selbst hat eine Schulung am Defibrillator mitgemacht, mehrere seiner Mitstreiter im Verein sind ausgebildete Ersthelfer. Die Streckenposten, darauf achtet der Chef der Laufabteilung, haben alle eine Ersthelfer-Ausstattung dabei, damit sie Läufer, die körperliche Probleme haben, versorgen können. „Das muss einfach sein“, sagt Schärfl.

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