Nunchakus für Söhne gebaut

Kinderspielzeug war eine Waffe

Ein Familienvater musste sich jetzt vor Gericht verantworten. Er hatte für seine Kinder Nunchakus gebaut. Die unterliegen jedoch dem Waffengesetz.

Landkreis – Eigentlich sind die Polizisten am 8. Juli des vergangenen Jahres aus einem ganz anderen Grund zum Haus des Angeklagten gekommen, doch das, was sie dort fanden, brachte diesem dennoch ein Strafverfahren ein: Auf dem Grundstück des Mannes, der im Norden des Landkreises lebt, entdeckten die Polizisten zwei Nunchakus, einen funktionierenden und einen kaputten.

Diese gelten als Waffen, weswegen der Mann wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz per Strafbefehl zu einer Geldstrafe verurteilt worden war. Gegen den Strafbefehl legte er Einspruch ein und die Sache wurde ein Fall fürs Weilheimer Amtsgericht.

„Stimmt“, kommentierte der Angeklagte den Vorwurf aus der Anklage. Er habe die Nunchakus für seine beiden Söhne selbst gemacht. Diese hätten so etwas in einem Film gesehen und auch haben wollen. „Die haben zwei, drei Stunden damit gespielt, dann sind sie rumgelegen“, sagte der Angeklagte vor Gericht auf die Frage von Richterin Christiane Serini, warum er die Nunchakus denn bei sich auf dem Grundstück herumliegen hatte. Er habe nicht gewusst, dass es sich um Waffen gehandelt habe. „Wenn mein Mandant gewusst hätte, dass das Waffen sind, hätte er sie weggebracht oder vernichtet“, sagte der Verteidiger des Angeklagten.

Ein Nunchaku besteht aus zwei Stöcken oder Plastikstäben, die mit einer Metallkette verbunden sind. Er wird überwiegend als Schlagwaffe eingesetzt, kann aber auch zum Würgen benutzt werden. Dementsprechend ist die deutsche Bezeichnung mitunter „Würgeholz“. In Japan hatte der Nunchaku früher eine friedliche Funktion, er wurde in ähnlicher Form als Dreschflegel benutzt.

„Die Nunchakus sind relativ offen herumgelegen“, sagte der Polizist aus, der bei dem Einsatz damals dabei war. Es sei aber ziemlich schnell klar geworden, dass sie selbst gebastelt waren. Eines der beiden Nunchakus sei kaputt gewesen, da habe das zweite Stöckchen gefehlt. Vor allem deswegen stellte Richterin Serini das Verfahren gegen den Mann gegen die Zahlung eines Geldbetrags von 600 Euro ein. Das Geld soll in die Staatskasse fließen.

Als die Verhandlung geschlossen war, erhielt der Familienvater noch kostenlose Nachhilfe in Sachen „Waffen- und Strafrecht“: „Ja, was ist denn dann alles eine Waffe?“, wollte er von Richterin und Staatsanwältin wissen. „Ein Schlagring zum Beispiel oder ein Einhandmesser, das mit einer Hand aufgeklappt und festgestellt werden kann“, antwortete darauf Richterin Serini.

„Und eine Spielzeugpistole, die täuschend echt aussieht?“, fragte der Mann weiter. „Die ist keine Waffe“, sagte Serini und hätte strafrechtlich keine Relevanz.

Etwas anderes sei es allerdings, wenn er mit dieser eine Bank überfallen würde, dann könne auch eine echt aussehende Spielzeugwaffe für eine höhere Strafe sorgen. Das mit dem Banküberfall habe er nun wirklich nicht vor, erwiderte der Freigesprochene und verließ den Sitzungssaal des Amtsgerichts.

Kathrin Hauser

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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