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Franz Mangold vom Landratsamt Garmisch-Partenkirchen bei seinem Vortrag vor den Jagdvorstehern.

Behörde und Jäger

Reh-Abschussplanung - diesmal ohne Klagen

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Die Erstellung der dreijährigen Abschusspläne für Rehwild sorgte regelmäßig für Streit zwischen Jägern, Jagdgenossen (Grundstücksbesitzern) und dem Landratsamt. Doch mittlerweile geht es geräuschlos über die Bühne – weil die Behörde einen guten Weg zwischen Lob und Bestrafung gefunden hat.

Oberhausen – Irgendwann war es Helmut Stork selbst nicht geheuer. „Herr Furtmayr, haben Sie nichts zu sagen?“, fragte der Leiter der Jagdbehörde am Landratsamt den streitbaren Huglfinger. Furtmayr hatte mit seinen Wortmeldungen bei der jährlichen Dienstbesprechung der Jagdvorsteher, den Chefs der Jagdgenossenschaften, in Oberhausen mit seinen Äußerungen zur Jägerschaft schon oft für Aufregung gesorgt hatte. Doch Furtmayr blieb friedlich, auch die beiden Jäger-Chefs Florian Pfütze (Weilheim) und Manfred Berger (Schongau) hatten nichts zu meckern – so viel Harmonie war selten.

Wildverbiss: Nicht richtig gut

Dabei war das alle drei Jahre erstellte Vegetationsgutachten, dass die Wildverbiss-Situation bei jungen Bäumen dokumentiert und die Basis für den Abschussplan ist, nicht richtig gut ausgefallen. Zwar gab es einige Hegegemeinschaften (der übergeordnete Begriff für mehrere Jagdreviere), die sich verbessert hatten, doch bei vielen hieß es: Reh-Abschuss trotzdem erhöhen.

214 Jagdreviere im Landkreis

In Zahlen trug das Stork folgendermaßen vor: 214 Jagdreviere gibt es im Landkreis, bei 172 (rund 80 Prozent) wurde der von der Jagdbehörde vorgeschlagene Abschussplan akzeptiert, bei den restlichen 42 musste er festgesetzt werden, weil entweder die Jäger oder die Grundstücksbesitzer (oder beide) eigentlich eine geringere Zahl an erforderlichem Abschuss gefordert hatten. Doch es gab keine Klagen, nicht einmal einen Widerspruch – so reibungslos hat das selten funktioniert.

Komplizierte Berechnung

Der Grund liegt in der komplizierten Berechnung, die das Amt anstellt und die mit den Jahren immer feiner geworden ist. So werden seit einiger Zeit revierweise Aussagen getroffen, die extrem wichtig sind. Denn innerhalb einer Hegegemeinschaft (HG) kann es gravierende Unterschiede in der Verbissbelastung geben. Manche Jäger und Jagdgenossenschaften arbeiten vorbildlich und stehen doch am Pranger, weil ihre Hegegemeinschaft „dauerhaft rot“, der Verbiss also deutlich zu hoch ist. Darüber beschwerte sich bei der Sitzung auch ein Vertreter aus der HG Bernbeuren („das regt mich auf“), und Stork gab ihm grundsätzlich recht. Aber man könne nur den HG-Vergleich heranziehen. „Wir schauen uns jedoch alles genau an. Reine Zahlen sagen wenig aus, entscheidend ist die Situation im Wald.“

Bernbeuren im roten Bereich

Die Bilanz der einzelnen HG ist tatsächlich diffizil: Da gibt es manche wie Bernbeuren, die seit fast 15 Jahren im roten Bereich liegen, den letzten Abschussplan mit nur 75 Prozent bei Weitem nicht erfüllt haben – und trotzdem statt wie bisher 1817 Stück Rehwild in drei Jahren nur noch 1643 schießen müssen, also zehn Prozent weniger. Denn in sechs von 13 Revieren hat sich die Situation gebessert. Noch viel deutlicher schaut das in einer guten HG wie Wessobrunn aus, die einen tragbaren Wildverbiss aufweist: Auch dort wurde der Abschuss nur zu 80 Prozent erfüllt, die Jäger dort müssen satte 24 Prozent weniger erlegen, als es der bisher letzte Abschussplan vorgesehen hatte.

Gast aus Garmisch

Weil die Jagdbehörde auf Anordnung des Landwirtschaftsministeriums Maßnahmen gegen „dauerhaft rote“ HG erlassen muss, hatte Stork seinen Kollegen Franz Mangold vom Landratsamt Garmisch-Partenkirchen eingeladen, der noch größere Probleme hat: „Wo rot ist, sind wir“, sagte er mit Blick auf die Bayern-Karte. Zwar gibt es Unterschiede, so haben die Garmischer einen bedeutend höheren Rotwild-Anteil als in Weilheim-Schongau, wo es Hirsche fast nur in der Hochwild-Hegegemeinschaft Wildsteig gibt. Doch haben die Garmischer bereits reagiert und zum Beispiel für eine komplette HG den körperlichen Nachweis eingeführt, bestrafen Fütterungs-Missbrauch mit satten 2500 Euro Geldbuße und haben noch zahlreiche weitere Maßnahmen erlassen, die auf Weilheim-Schongau zukommen könnten.

Schlechte Lage in Wildsteig

„Wir werden uns das anschauen“, sagte Stork, der den körperlichen Nachweis – also die Vorlage jedes erlegten Rehs bei einem Vertreter von Amt oder Jagdgenossenschaft, um „Geister-Abschüsse“ auszuschließen – für personell sehr schwierig hält. Aber die Lage etwa in Wildsteig sei ganz schlecht, „da treten wir seit Jahren auf der Stelle und müssen uns Gedanken machen“, so Stork.

Das sind die Abschusszahlen

Hegegemeinschaft Bernbeuren (Verbiss zu hoch, Empfehlung: Abschuss erhöhen): Soll-Abschuss (2016-2018): 1817 Stück Rehwild; Ist-Abschuss: 1372 (75 Prozent); Neuer Abschuss (2019-2021): 1643 Stück Rehwild (16,5% Erhöhung vom Ist-Abschuss, 10% Reduzierung vom Soll-Abschuss). 

Eberfing (Verbiss zu hoch, Abschuss erhöhen): Soll: 1764 Stück Rehwild; Ist: 1517 (86%); Neuer Abschuss: 1687 Stück Rehwild (9% Erhöhung vom Ist, 9% Reduzierung vom Soll). 

Peißenberg (Verbiss zu hoch, Abschuss beibehalten): Soll: 1813 Stück Rehwild; Ist: 1483 (82%); Neuer Abschuss: 1621 Stück Rehwild (9% Erhöhung vom Ist, 9% Reduzierung vom Soll). 

Peiting (Verbiss zu hoch, Abschuss erhöhen): Soll: 2117 Stück Rehwild; Ist: 1821 (86%); Neuer Abschuss: 1961 Stück Rehwild (7% Erhöhung vom Ist, 7% Reduzierung vom Soll). 

Penzberg (Verbiss tragbar, Abschuss erhöhen): Soll: 1694 Stück Rehwild; Ist: 1716 Stück (101%); Neuer Abschuss: 1760 Stück Rehwild (3% Erhöhung vom Ist, 4% Erhöhung vom Soll). 

Rottenbuch (Verbiss zu hoch, Abschuss erhöhen): Soll: 1624 Stück Rehwild; Ist: 1454 (89%); Neuer Abschuss: 1638 Stück Rehwild (12% Erhöhung vom Ist, 1% Erhöhung vom Soll). 

Schongau (Verbiss tragbar, Abschuss beibehalten): Soll: 1129 Stück Rehwild; Ist: 984 (87%); Neuer Abschuss: 1084 Stück Rehwild (9,3% Erhöhung vom Ist, 4% Reduzierung vom Soll). 

Seeshaupt (Verbiss tragbar, Abschuss erhöhen): Soll: 1475 Stück Rehwild; Ist: 1311 (89%); Neuer Abschuss: 1367 Stück Rehwild (4% Erhöhung vom Ist, 7% Reduzierung vom Soll) 

Steingaden (Verbiss zu hoch, Abschuss erhöhen): Soll: 2358 Stück Rehwild; Ist: 1992 (84%); Neuer Abschuss: 2317 Stück Rehwild (16% Erhöhung vom Ist, 0,2% Reduzierung vom Soll). 

Weilheim (Verbiss tragbar, Abschuss beibehalten): Soll: 2338 Stück Rehwild; Ist: 1872 (80%); Neuer Abschuss: 2032 Stück Rehwild (9% Erhöhung vom Ist, 13% Reduzierung vom Soll) 

Wessobrunn (Verbiss tragbar, Abschuss beibehalten): Soll:: 872 Stück Rehwild; Ist: 699 (80%); Neuer Abschuss: 665 Stück Rehwild (5% Reduzierung vom Ist, 24% Reduzierung vom Soll).

Lesen Sie auch: Premiere in Wildsteig: Hochkarätig besetzte Fachtagung für Waldbesitzer.

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