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Am Sonntag steigt in Haunshofen das Ochsenrennen.

Gaudi in Haunshofen

Die Ochsen rennen: Auf die Rinder, fertig, los!

Haunshofen – Am Sonntag nehmen zahlreiche Reiter auf ihren Tieren Platz und treten beim großen Ochsenrennen in Haunshofen an. Wir verraten mehr über das Programm und waren beim finalen Training dabei.

Wastl ist züntig. Richtig züntig. Sein Besitzer Florian Kalteis (30) versucht seit ein paar Minuten, auf Wastls Rücken zu steigen. Und das gefällt dem Ochsen überhaupt nicht. Er dreht sich weg, geht zurück, hupft auf und ab, buckelt. Sein Schwanz schlägt von einer Seite zur anderen, als wollte Wastl damit sagen: Obacht, jetzt zerreißt’s mich gleich vor lauter Wut!

Es ist Mittwochabend, die Sonne ist schon untergegangen. Schnell wird es frisch an der Naturarena in Haunshofen. Wastls Gemüt scheint die Luft aber nicht abzukühlen. Florian Kalteis, Wastl und 15 andere Ochsen-Reiterteams (eine Reiterin ist dabei) trainieren auf der Wiese zum dritten und letzten Mal vor dem großen Tag. Am Sonntag soll das Ochsenrennen starten. Generalprobe also. Und wenn die in die Hose geht, klappt die Premiere bekanntlich umso besser.

Geht es danach, zählt Wastl zu den Favoriten. Kein anderer Ochse führt sich so auf wie er. Während die anderen Tiere mit ihren Reitern auf dem Rücken träge in den Startboxen herumstehen, reißt er sich los, den Holzzaun um und rennt zu den Zuschauern, die am Rand der Arena stehen. Eine brenzlige Situation, am Sonntag darf das bei mehreren tausend Zuschauern nicht passieren. Schnell hat ihn Kalteis wieder eingefangen. Glück gehabt, so ein Ochse kann bis zu 40 km/h schnell werden und wiegt um die 700 Kilo. „Sag a mal, was ist denn heute los mit dir?“, sagt Kalteis mit ruhiger Stimme zu dem Ochsen. Wastl bläht zur Antwort die Nüstern.

Eine gute halbe Stunde vorher steht Wastl ganz entspannt mit den anderen Ochsen, an einen Rundling gebunden, da. Florian Kalteis streicht ihm über den Rücken, massiert zwischen den Wirbeln, was der Ochse ab und zu mit einem tiefen „Muh“ beantwortet. „Wenn ich bloß an das Reiten denk’, tut mir schon die Bandscheibe weh“, sagt Kalteis und lacht. Kann der Haunshofener hellsehen? Denn als er endlich auf Wastl sitzt und das Probe-Rennen startet, kann sich der 30-Jährige drei Buckler lang auf dem Ochsen halten, dann kracht er hörbar auf den Boden und wälzt sich vor Schmerzen. Zwar steht Kalteis nach wenigen Minuten wieder und hat sich auch nicht schlimm verletzt. Doch der Schreck war groß, bei allen.

Ochsenrennen in Haunshofen: Bilder von der Generalprobe

Ochsenrennen in Haunshofen: Bilder von der Generalprobe

„Ochsen haben ihren eigenen Kopf, der Reiter kann da wenig beeinflussen“, sagt Hubert Kergl vom Verein „D’Ochserer“. „Entweder du hast Glück und es läuft gut oder du schaust deinem Ochsen hinterher.“ Trotzdem sei es wichtig, eine Beziehung zu dem Tier aufzubauen – manche Reiter versorgen ihren Ochsen seit er ein Kalb war. Seit März üben die Ochserer deshalb mit ihren Tieren das Einspannen für den Festzug und das Wettrennen. Für Wastl und Florian Kalteis ist das Training nach dem Sturz beendet. Vielleicht steckt Wastl am Sonntag all seine Flucht-Energie in das Rennen und die beiden gewinnen tatsächlich. Was steht in Kalteis Steckbrief auf der Homepage der Ochserer unter Lebensmotto? „Schau ma moi, dann sehn ma scho“.

Das Programm zum Ochsenrennen:

Neben dem Festzug mit historischen Ochsengespannen und dem Ochsenrennen – beides organisiert vom Verein „D’Ochserer“– gibt es vom heutigen Freitag bis zum Montag ein Rahmenprogramm, das der Sportverein Haunshofen auf die Beine gestellt hat.

Freitag, 23. August, um 20 Uhr, steigt die Mega-Schaumparty mit DJ im Festzelt an der Rennarena.

Samstag, 24. August, tritt Kabarettistin Martina Schwarzmann mit ihrem Programm „Wer Glück hat, kommt“ im Festzelt auf. Los geht es um 20 Uhr.

Sonntag, 25. August, beginnt um 10 Uhr mit einem Frühschoppen im Festzelt. Es spielt die Huglfinger Blasmusik. Um 13 Uhr ziehen die Ochsen und ihre Besitzer mit historischen Gespannen durch Haunshofen zur Naturarena. Gegen 15 Uhr startet das Ochsenrennen, zuvor werden die Startnummern verlost und Wetten angenommen. Nach dem Rennen findet die Siegerehrung statt und es werden die Zuschauerpreise vergeben. Der Renntag klingt ab 20 Uhr im Festzelt aus. -

Montag, 26. August, ist ab 11 Uhr ein Oldtimer- und Bulldog-Treffen geplant, im Festzelt wird Kesselfleisch serviert, es spielt die Haunshofener Blasmusik. Um 20 Uhr wird Ministerpräsident Horst Seehofer im Festzelt erwartet, Einlass ist um 19 Uhr.

Interview mit Tierarzt Dr. Michael Siebenhütter

Für die Reiter endet so ein Ochsenrennen manchmal schmerzhaft. Aber wie geht es dabei eigentlich den Ochsen? Wir haben das Dr. Michael Siebenhütter vom Veterinäramt gefragt.

Ist ein Ochse eigentlich ein Tier, das man reiten kann?

Ja, das geht schon. Allerdings muss er mindestens 30 Monate alt sein, damit die Skelettentwicklung abgeschlossen ist. Das ist in einem Gutachten vom bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit so festgelegt.

Kann das Rennen den Ochsen schaden?

Manche sagen, das Rennen wäre eine Volksbelustigung auf Kosten der Tiere, aber das kann ich nicht nachvollziehen. Selbst wenn der Reiter 100 Kilo wiegt, merkt den so ein 600-Kilo-Ochs auf seinem Rücken kaum. Und wenn der Ochs nicht will, kann der Reiter gar nichts ausrichten. Außerdem dürfen die Reiter keinerlei Treibhilfen wie Stöcke einsetzen.

Sind Sie am Sonntag in Haunshofen?

Ja, ich mache die Untersuchung der Ochsen vor dem Rennen. Ich schaue, ob die Rücken und Beine in Ordnung sind. Eine Blutuntersuchung haben die Ochsen schon hinter sich, um sicherzugehen, dass sie keine ansteckenden Krankheiten haben

Veronika Stangl

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