Nachbarschaftshilfen

Helfen, den Mitmenschen zuliebe

Landkreis - Im Landkreis gibt es 16 organisierte Nachbarschaftshilfen. Das Interesse an dieser Art des Miteinanders nimmt zu.

 Im Landkreis Weilheim-Schongau existieren derzeit 16 organisierte Nachbarschaftshilfen. Einige, wie die in Wielenbach, wurden vor kurzem erst gegründet. Andere gibt es bereits seit ein paar Jahren, dazu zählt das „Soziale Netz Bernried“. Alle diese Einrichtungen haben laut Gabi Königbauer, Koordinatorin der Freiwilligen-Agentur Weilheim-Schongau, eines gemeinsam: „Die Nachbarschaftshilfen handeln bedarfsorientiert, unentgeltlich, unbürokratisch und schnell.“ Trotz der Vorteile haben sie auch mit Schwierigkeiten zu kämpfen.

Einige Mitbürger, hat Königbauer festgestellt, seien zu scheu, sich an die Nachbarschaftshilfen zu wenden. Darüber hinaus sei das Konzept mancherorts noch relativ unbekannt. „Leider“, sagt Königbauer. Um auf sich aufmerksam zu machen, gehen die Nachbarschaftshilfen verstärkt an die Öffentlichkeit. Und auch die Kommunikation zwischen den Nachbarschaftshilfen nimmt zu. Das Vereinsforum im Landkreis (eine Aktion der Freiwilligen-Agentur und des Büros für Regionalmanagement) bot unlängst ein Fortbildungstreffen für Nachbarschaftshilfen an.

Nachbarschaftshilfen „sind entweder unabhängige Vereine, sie können aber auch an Kirchen oder Gemeinden angegliedert sein“, erklärt Königbauer. Eine Gruppe von freiwilligen Helfern bietet Unterstützung an. Beispiele dafür sind Fahrdienste, Kinderbetreuung, Hilfe beim Einkauf und Behördengängen sowie die Organisation von Kaffeekranzerl und Vorträgen. Ein Koordinator ist dafür verantwortlich, dass jeweils der passende Helfer zur Verfügung steht.

Aus aktuellem Anlass heraus haben sich aus einigen Nachbarschaftshilfen „Helferkreise für Asyl“ gebildet. Solche Hilfsgruppen für Asylsuchende sind unter anderem in Iffeldorf und Hohenpeißenberg entstanden. „Die Helferkreise beschäftigen sich im Grunde mit denselben Themen wie die Nachbarschaftshilfen, sie betreuen lediglich eine eigene Zielgruppe“, so Königbauer.

An eine andere Klientel richtet sich das „Soziale Netz Bernried“, das im Jahr 2010 gegründet wurde. „Wir unterstützen auch jüngere Generationen, allerdings ist unser Konzept in erster Linie auf ältere Menschen ausgelegt“, sagt Vorsitzender Dr. Peter Stahl. Derzeit betreuten etwa 50 bis 60 freiwillige Helfer regelmäßig zwischen zehn und 20 Personen. Die Zahlen schwanken jedoch von Zeit zu Zeit. Der Grund dafür, warum sich das „Soziale Netz“ eher der älteren Generation zuwendet, liegt im demografischen Wandel. Einer Prognose zufolge beträgt der Anteil der über 65-Jährigen in Bernried im Jahr 2025 mehr als 35 Prozent.

Ein Augenmerk richtet das „Soziale Netz“ besonders auf das Thema „Wohnen im Alter“. „Wir wollen älteren Bürgerinnen und Bürgern möglichst lange ein eigenständiges, aktives und selbstbestimmtes Leben in Bernried ermöglichen“, sagt Stahl. Geplant sei daher der Bau von seniorengerechten Wohnungen. Diese seien unter anderem für Menschen gedacht, die altersbedingt ihren Wohnraum verkleinern möchten. Stahl hat ein bestimmtes Wohn-Modell im Blick: „Wir wünschen uns nachbarschaftliches Wohnen.“ Gemeinsame Aufenthaltsräume und Küchen bieten die Gelegenheit zur Kontaktpflege. Gleichzeitig gilt: Jeder hat seine eigenen vier Wände. „Die Privatsphäre soll natürlich geschützt werden“, sagt Stahl.

Noch hat das „Soziale Netz“ bisher kein Grundstück für das geplante Wohnheim gefunden, der Vorsitzende ist jedoch zuversichtlich: „Der Bedarf ist da, und mit genug Engagement lässt sich unser Vorhaben realisieren.“

Ein spezielles Angebot in Bernried ist das „Mittwochs-Café“. Dort ist „geselliges Miteinander von Jung und Alt“ Programm. Jeden zweiten Mittwoch im Monat werden Ausflüge und Vorträge angeboten. Das dient auch dazu, die Nachbarschaftshilfe bekannter zu machen.

Mehr Bürger miteinbeziehen, das möchte auch Wolfgang John, Koordinator der Nachbarschaftshilfe Wielenbach. Gegründet wurde sie heuer im Februar. Der Bedarf im Ort ist durchaus da. 24 Anfragen für verschiedene Hilfsdienste sind schon eingegangen. Noch allerdings können nicht alle Wünsche erfüllt werden, auch wenn sich schon mehr als 20 freiwillige Helfer gemeldet haben.

Informationen

zu den Nachbarschaftshilfen gibt es unter www. anpacken-mit-herz.de, dem Online-Auftritt der Freiwilligen-Agentur.

Regina Mittermeier

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